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Bayerische Staatsbibliothek Waldseemüllerkarte in München: "Unzweifelhaft eine Fälschung"

Ende 2017 hat das Auktionshaus Christie's eine gefälschte "Waldseemüllerkarte" (Foto) zurückgezogen. Nun stellt sich heraus: Auch das Exemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek stammt nicht aus dem 16. Jahrhundert, sondern ist gefälscht.

Stand: 15.02.2018

Vermeintliche Waldseemüllerkarte (Dez. 2017) bei Christie's | Bild: picture-alliance/dpa

Die "Waldseemüllerkarte" gilt als Schatz der Menschheitsgeschichte: Die von von Martin Waldseemüller erstellte Weltkarte aus dem 16. Jahrhundert zeigt erstmals den Kontinent Amerika. Nur ein großes und sechs kleine Exemplare sind noch erhalten. Es gab Zweifel an der Echtheit zweier Karten. Eine davon liegt in München.

Waldseemüllerkarte in München: eine Fälschung

Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, Klaus Ceynowa, hat nun im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 bestätigt, dass es sich bei diesem in München aufbewahrten Einblattdruck der Globensegmente tatsächlich nicht um ein Original handelt.

"Es ist leider so, dass die Waldseemüllerkarte der Bayerischen Staatsbibliothek unzweifelhaft eine Fälschung ist. Das ist ein sehr trauriges Resultat für uns, aber es ist so."

Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek

"Wir haben die Karte, auch unterstützt durch Drittmittelgeber, im Jahr 1990 für damals zwei Millionen D-Mark gekauft", sagte Klaus Ceynowa

"Zu dem Zeitpunkt konnte man Karten noch nicht vergleichen. Man hätte also um die Welt fahren müssen und die zwei, drei Exemplare, die bekannt waren, nebeneinander legen müssen. Das hat man aber damals noch nicht tun können."

Klaus Ceynowa

Und weiter: "Man hat sich also verlassen, zwangsläufig und das war auch immer so, auf die Betrachtung der Karte selbst. Ist sie alt? Wie ist der Druck? Und unsere Karte war auch noch eingebunden in eine Inkunabel, die sogenannten Chronographiker von 1486", so Klaus Ceynowa. "Und insofern hat es nie Zweifel, auch von allen Experten, die die Karte druckhistorisch von ihrem Wert her damals begutachtet haben, an der Echtheit gegeben."

"Die Karte ist wertlos. Das muss man sagen. Es ist eine Kopie."

Klaus Ceynowa

"Die Inkunabel selber, in die sie eingebunden ist, ist nicht wertlos", betonte Klaus Ceynowa - und ergänzte: "Sie ist nach allen Prüfungen, die wir vorgenommen haben, echt und wir werden sie auch einfach in dieser Inkunabel belassen. Wir werden aber in dem Katalogisat den Nachweis dieser Inkunabel und der Waldseemüllerkarte im Internet auf die Fälschung hinweisen."

Gefälscht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Nach den Worten des Generaldirektors der Bayerischen Staatsbibliothek datiert die Fälschung auf die Zeit vor 1950.

"Es ist also leider so, dass alle agierenden Personen aus dieser Zeit verstorben sind, so dass wir auch im Grunde keine Rechtsansprüche anmelden können. [...]
Wir vermuten, dass es seinerzeit ein Restaurator gewesen ist, der sehr geschickt vorgegangen ist [...], um Geld damit zu verdienen."

Klaus Ceynowa


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Kommentare

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Squareman, Donnerstag, 15.Februar, 11:59 Uhr

2. 1990

Gab es 1990 noch keine Methoden diese Fälschung zu erkennen? Aber was sind schon 2 Millionen, sind eh nur Steuergelder. Ich moechte ja nicht wissen was so alles an Fälschungen in deutschen Museen schlummert.

  • Antwort von Harald, Donnerstag, 15.Februar, 12:45 Uhr

    Mal abgesehen vom wohl viel zu hohen Kaufpreis ist es eigentlich völlig uninteressant, ob im Museum ein Original oder eine (offizielle) Kopie oder gar eine Fälschung ausgestellt ist. Schön anzuschauen sind sie für den normalen Besucher auf jeden Fall. Und die "normalen" Besucher sind nun mal in der überwiegenden Mehrheit.
    Wie kann es sonst sein, dass z.B. der berühmte "Benz Motorwagen Nr. 1" heute in mehreren Museen ausgestellt ist? Mehr als ein Original wirds auch da wohl kaum geben, vielleicht sogar keines und alle öffentlich zugänglichen Exemplare sind Nachbauten, wie z.B. bei der ersten Dampflok Deutschlands, dem Adler. Das original wurde bekanntlich verschrottet und zur 100 Jahr Feier ein betriebsfähiger Nachbau erstellt. Mindestens einen weiteren nicht-betriebsfähigen Nachbau gibts auch im Museum.
    Ein Museum lebt nun mal von der Vielfalt an Exponaten, ob Original oder nicht. Nur bei der Kennzeichnung gäbe es Spielraum, wie auch bei der Preisgestaltung.

  • Antwort von Jürgen Jendges, Donnerstag, 15.Februar, 16:31 Uhr

    1990 gab es noch keine hochauflösenden Bilder, die man übers Internet betrachten konnte. Im Interview erklärte Herr Ceynowa, dass man damals um die halbe Welt hätte fliegen müssen, um die Exponate zu vergleichen.
    Außerdem hat niemand die 2 Millionen D-Mark relativiert, auch wird ja alles offen kommuniziert, was ich sehr positiv finde. Das waren und sind viel Geld, aber Fehler passieren nun mal.

  • Antwort von denker, Donnerstag, 15.Februar, 19:38 Uhr

    Man sollte aber grundsätzlich überlegen, ob Museen nicht ausschließlich (preisgünstigere) Kopien anschaffen sollten, und die Originale den privaten Sammlern überlassen, die dafür völlig überhöhte Preise zahlen. Man sieht ja: Die Öffentlichkeit subventioniert mit dem Ankauf von Originalen kriminelle Betrüger, und der Betrachter, einschließlich des Experten, kann nur mit größter Mühe, wenn überhaupt, einen Unterschied zwischen Original und Kopie erkennen. Selbst wenn es wirklich Originale sind, hat die Öffentlichkeit keinen Mehrwert gegenüber einer guten Kopie, der diese exorbitanten Preise rechtfertigen würde. Auch um die Erhaltung der Originale wird man sich nicht mehr Sorgen machen müssen, wenn sie in privater Hand bleiben: Die werden schon gut aufpassen auf ihr teures Stück. Wenn sie das nicht mehr wollen, sollen sie es als Leihgabe an ein Museum geben.

    Etwas anderes ist, ob ein Museum seine Originale abgeben sollte. Das würde man doch als Kulturverlust empfinden.

Gretchen, Donnerstag, 15.Februar, 11:39 Uhr

1. Wenn Fachleute irren

Wer haftet für diesen Umgang mit Steuergeldern?

Oder muss man sagen: diese Art von Verbrechen lohnt sich?

  • Antwort von Squareman, Donnerstag, 15.Februar, 12:02 Uhr

    Zwei Millionen, das hat sich doch gelohnt, selbst wenn es "nur" Dmark waren. Das war wohl der kleine Nebenverdienst eines Restaurators.