2

Waldbrandinferno in Portugal Feuerwalze tötet 62 Menschen

Mindestens 62 Menschen starben am Wochenende in Portugal infolge verheerender Waldbrände. Das Feuer ist nach wie vor nicht unter Kontrolle. Die Behörden rechnen mit weiteren Opfern. Unterdessen gibt es bereits Kritik an der Arbeit der Einsatzkräfte.

Von: Roana Brogsitter

Stand: 19.06.2017

62 Tote - das ist die vorläufige Bilanz der Waldbrandkatastrophe, die Portugal an diesem Wochenende heimgesucht hat. 54 Menschen wurden verletzt, fünf davon schwer.

Vergangene Nacht kämpften mehr als 1.000 Feuerwehrleute gegen die Flammen. Laut den Behörden, gelang es, das Feuer an zwei von vier Fronten in den Griff zu bekommen. Spanien wird heute zusätzlich 100 Feuerwehrleute ins Nachbarland schicken. Bereits gestern hatte es vier Flugzeuge der Feuerwehr entsandt. Auch Frankreich unterstützt Portugal mit drei Löschflugzeugen.

Hitzewelle, Trockenheit, Blitzeinschlag

Die aktuelle Hitzewelle und die extreme Trockenheit machen es allerdings schwer möglich, den Brand einzudämmen. Zudem konnten manche Dörfer wegen der Feuersbrunst gar nicht erreicht werden.

Portugal ist Waldbrände in den Sommermonaten zwar gewohnt, in diesem Ausmaß haben sie sie jedoch noch nie erlebt. Die Feuersbrunst, die am Samstagnachmittag über das Land raste, ließ den Menschen nicht einmal Zeit, zu fliehen. Fast alle Opfer kamen auf der Flucht ums Leben.

Todesfalle Schnellstraße

Eine Schnellstraße wurde zur Todesfalle. Menschen, die auf eigene Faust zu Fuß oder mit dem Auto vor den Bränden fliehen wollten, wurden hier von den Flammen eingeschlossen. Die Feuerwehr konnte sie am Sonntag nur noch tot bergen. Mittlerweile haben Polizei und Feuerwehr das Brandgebiet breiträumig abgeriegelt. Zudem wurden fünf Dörfer vorsorglich evakuiert.

Das Feuer brach vermutlich infolge eines Blitzeinschlags bei Pedrógão Grande aus, das rund 200 Kilometer nordöstlich Lissaabons liegt. "Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin", sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues. Wechselnde Winde, extreme Trockenheit und hohe Temperaturen besorgten den Rest. Das Feuer geriet sofort außer Kontrolle.

Die portugiesische Regierung ordnete eine mehrtägige Staatstrauer an, die bis Dienstag andauern soll. Präsident Marcelo Rebelo de Sousa hatte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache an die Nation gesagt, das Leid seines Landes kenne keine Grenzen. "Es ist eine Zeit des Schmerzes, aber auch (...) eine Zeit, um mit dem Kampf (gegen die Flammen) weiterzumachen", sagte er.

Kritik an Einsatzkräften

Es gibt bereits heftige Kritik an der Arbeit der Feuerwehr. Diese war nach Angaben von Augenzeugen völlig überfordert. "Als die Flammen in der Nacht unseren Häusern immer näherkamen, habe ich stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen", sagte eine Frau dem Fernsehsender RTP. Der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, hatte zuvor eine "ungenügende Zahl von Einsatzkräften" beklagt.

Offensichtlich waren diese von der Wucht des Feuers überrascht worden, zudem funktionierten auch Telefonleitungen nicht mehr, um die Menschen zu alarmieren.

  • BR-Autorin Roana Brogsitter | Bild: BR Roana Brogsitter

    Redakteurin und Autorin für "Das Tagesgespräch", "Neues vom Buchmarkt" und BR24


2