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Landtagswahlen im Saarland Zwei Frauen Kopf an Kopf

"Mein Vater war Bergarbeiter im Saarland" – das sagt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei jedem Wahlkampfauftritt in dem kleinen Bundesland. Die Saar-SPD erwartet sich viel vom Schulz-Effekt bei der Landtagswahl am 26. März. Die CDU dagegen hofft auf die Beliebtheit von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Geht vom Saarland auch ein Signal für den Bund aus?

Von: Susanne Betz und Tonia Koch

Stand: 26.03.2017

Sehr bürgernah, rhetorisch versiert und eher links bei den Christdemokraten verortet: Das alles spricht im Saarland für die bisherige Ministerpräsidentin und Spitzenkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die 54-jährige studierte Juristin hat außerdem viel getan, um das kleine Bundesland aus seiner finanziellen Bedrängnis zu befreien. Denn das Saarland schiebt 14 Milliarden Euro Schulden vor sich her. Pro Jahr muss es dafür 500 Millionen Zinsen aufbringen. Zum politisch Gestalten bleibt da kaum Geld in der Kasse übrig. Dann aber kehrte Kramp-Karrenbauer von den Verhandlungen zum Bund-Länder-Finanzausgleich zufrieden lächelnd zurück.

Mehr Geld in der Staatskasse

"Wir haben dafür gesorgt, dass ab dem Jahr 2020 Jahr für Jahr 500 Millionen Euro in dieses Land kommen, um Zukunft zu gestalten, und darauf können wir stolz sein."

Annegret Kramp-Karrenbauer, saarländische Ministerpräsidentin, CDU

Mit diesem Trumpf versucht die CDU-Spitzenkandidatin auch im Wahlkampf kräftig zu punkten. Wäre Sigmar Gabriel SPD-Bundesvorsitzender geblieben und Kanzlerkandidat geworden, dann hätte sie sich keine Sorgen um das Abschneiden ihrer CDU machen müssen. Aber dann kam Martin Schulz und mit ihm schossen die Umfragewerte der SPD in die Höhe.

Kugelstoßerin will an die Macht

Mit 16.03 Meter hält Anke Rehlinger noch immer den Saarlandrekord im Kugelstoßen – geworfen vor 20 Jahren. Seit 2012 fungiert die 40-Jährige als Ministerin in der schwarz-roten Regierung des Saarlandes. Und mit aller Energie kämpft die SPD-Kandidatin jetzt dafür, dass ihre Partei stärkste Kraft bei den Landtagwahlen wird. Sie profitiere dabei von ihren Erfahrungen beim Kugelstoßen, sagt sie.   

"Ich glaube, dass die Tugenden, die einem im Sport weiterbringen, einem durchaus auch in der Politik weiterhelfen können. Man weiß, dass man einen langen Atem haben muss."

Anke Rehlinger, saarländische SPD-Spitzenkandidatin

Für Grüne und FDP sieht es im Saarland dagegen nicht so rosig aus. Möglicherweise bekommen sie keine Sitze im Landtag. Dagegen ist wahrscheinlich, dass die AfD einzieht.

Oskar ist noch immer ein kleiner Star

Keine Berührungsängste: Anke Rehlinger und Oskar Lafontaine in Studio vor einer Sendung des Saarländischen Rundfunks.

Für Spannung wird sicherlich Oskar Lafontaine sorgen. Der 73-jährige Fraktionsvorsitzende der Linken ist noch immer ein kleiner Star im Saarland, wo ihn viele Menschen zuerst als Saarbrücker Oberbürgermeister und später als Ministerpräsidenten schätzen gelernt haben. Er und seine Linke sind bereit für ein rot-rotes Experiment an der Saar. Zumal Anke Rehlinger keine Berührungsängste mit dem einstigen SPD-Bundesfinanzminister und Bundesvorsitzenden hat, der seine Partei 1999 im Zorn verließ.

Symbolwirkung für die Bundestagswahl?

Eine rot-rote Regierungskoalition zum Auftakt des Super-Wahljahres könnte auch eine gewisse Symbolwirkung für die Bundestagswahl, beziehungsweise den weiteren Kurs der SPD gegenüber der Linkspartei haben.

Die B5 Reportage

Zwei Frauen Kopf an Kopf - Landtagswahlen im Saarland

Reportage am Sonntag, 26.3.2017, um 14:35, B5 aktuell

Autorin: Tonia Koch
Redaktion: Susanne Betz

  • Dr. Susanne Betz, Redakteurin in der Redaktion Politik und Hintergrund | Bild: BR/Susanne Betz Susanne Betz

    Redakteurin und Reporterin. Redaktion Politik und Hintergrund.


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