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Immer mehr Waffenschein-Anträge Deutschland einig Ballermann?

Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis, sich besser zu schützen. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln sind viele verunsichert, sie wollen selbst für ihre Sicherheit sorgen und Schreckschuss- oder Signalwaffen bei sich tragen. Dafür ist ein Kleiner Waffenschein nötig - die Zahl der Anträge stieg enorm.

Von: Janina Lückoff

Stand: 15.01.2016

275.000 Kleine Waffenscheine sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums derzeit im Nationalen Waffenregister gespeichert, zehn Prozent mehr als Ende 2014. Bundesweit haben also im vergangenen Jahr rund 25.000 Menschen einen solchen Schein beantragt. Seit dem Jahreswechsel verzeichnen die Behörden in manchen Städten einen enormen Anstieg an Anträgen: In Köln beispielsweise, wo an Silvester zahlreiche Übergriffe auf Frauen stattfanden, beantragten 304 Personen einen Kleinen Waffenschein; im ganzen Jahr 2015 waren es gut 400. Sie brauchen ihn, um Schreckschuss-, Reiz- und Signalwaffen bei sich führen zu dürfen.

Auch Zunahme in Bayern

In Bayern stellten die Behörden im letzten Jahr insgesamt rund 47.000 Menschen einen Kleinen Waffenschein aus. Das sind nach Angaben des bayerischen Innenministeriums gut dreitausend mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine Aussage darüber, wie viele solcher Waffen tatsächlich im Umlauf sind, lässt sich aus dem Waffenregister nicht ableiten. Behörden und Sicherheitskräfte sehen die Entwicklung mit Sorge: Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Wendt warnt vor gleich mehreren Gefahren, die das Tragen solcher Waffen mit sich bringe:

"Erstens, dass eine Situation auch noch eskalieren kann, wenn sie ohnehin schon konfliktgeladen ist. Zweitens aber auch, dass es zu gefährlichen Missverständnissen beim Polizeieinsatz kommt und drittens, dass man eine Scheinsicherheit hat: Man glaubt, sicher zu sein, in Wahrheit aber wird man sich kaum verteidigen können."

Rainer Wendt

Sinnvoller sei ein gefahrenbewusstes Verhalten, so Wendt, also gefährliche Situationen zu meiden und nicht den Geldbeutel offen herumzutragen.

Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung

Als Ursache für das offenbar wachsende Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung sieht Wendt die steigende Zahl an Zwischenfällen, in denen Gewalt angewendet wird. Auch blieben zahlreiche Einbruchsdelikte unaufgeklärt. In Bayern sei das weniger der Fall, betont Wendt, in Berlin dagegen seien die Aufklärungszahlen "dramatisch schlecht". Dadurch entstehe bei den Bürgern der Eindruck, "dass die Sicherheit in ihren Händen besser aufgehoben" sei. Auch die Ereignisse von Köln in der Silvesternacht trügen zum allgemeinen Unsicherheitsgefühl bei.

Gefährliche Entwicklung mit Bürgerwehren

Als "gefährliche Tendenz" bezeichnet Wendt auch die Bürgerwehren, die sich nun mancherorts formierten. Dort engagierten sich ja nicht nur besorgte Bürger, sondern auch Rechtsextremisten die glaubten, für Ordnung sorgen zu müssen. Da müssten Polizei und Politik dagegenhalten, unter anderem, indem die Polizei besser ausgestattet werde.

Besorgte Politiker

Burkhard Lischka

Auch Politiker bezeichnen die zunehmende Zahl an Anträgen auf den Kleinen Waffenschein als besorgniserregend: Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Mihalic, teilte mit, es wäre "kontraproduktiv und gefährlich, wenn in so unübersichtlichen Lagen wie am Kölner Hauptbahnhof zur Silvesternacht zusätzlich Waffen im Spiel wären". Ähnlich sieht das der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lischka: Rechtsfreie Räume in einem demokratischen Rechtsstaat seien "völlig inakzeptabel", schreibt er in einer Mitteilung. Beide Politiker fordern den Einsatz zusätzlicher Polizisten, um das Vertrauen der Bürger in die Sicherheitsbehörden zurückzugewinnen.


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N. Schöttl, Samstag, 16.Januar, 02:25 Uhr

15. Ballermann nein danke!

Meiner Meinung nach sollte kein Privatmann / keine Privatfrau in Deutschland eine Waffe besitzen und dies ebenso unter Strafe stehen mit Gefängnisstrafe. Waffen sollten allein die Polizei, Streitkräfte und ggf. Jäger besitzen. Alle anderen Personen brauchen keine Waffen. Wozu eine liberale Waffenpolitik führt, das sieht man ja in den USA. Eine Selbstjustiz passt nicht zu einem Rechtsstaat.

In dem Punkt kann ich die Politik abermals nicht verstehen, dass diese Waffen so großzügig erlaubt. Doch was ist, wenn mal jemand z.B. bei einer Wahlkampfveranstaltung ausrastet z.B. ein Bauer, der sich über die Milchpreise ärgert? Allein schon aus Selbstschutz sollte die Politik hier umdenken. Herr Seehofer sollte da nicht lange fackeln und den Besitz von Waffen unter Strafe stellen.

  • Antwort von Kleiner Schein, Samstag, 16.Januar, 13:31 Uhr

    @Schöttl

    Also zwischen den USA und D gibt es schon noch so einen kleinen Unterschied. So ca. 30000 durch Schusswaffen getötete oder verletzte Personen. 335 Schiessereien mit mehr als 4 Toten in 2015. Da ist Deutschland Lichtjahre davon entfernt. Es ist falsch pauschaliert alle Flüchtlinge als Sextäter zu denunzieren. Mit den überwiegend verantwortungsvoll umgehenden Waffenberechtigten ist es genauso.
    Der von ihnen genannte Bauer könnte auch seinen Traktor und Axt als Mordinstrument mißbrauchen oder mit Messer, Selbstlaborat und Molotowcocktail auf andere Menschen losgehen. Tun sie aber nicht. Denn hierzulande gibt es keine so bösen Bauern!
    Selbstjustiz in D? - Meistens im Strassenverkehr zu beobachten. Waffe: Das Auto! - Sollte man deshalb Autos wegnehmen?

    Beliebt ist es ja, gleich die Keule aus dem Sack zu holen. Auch wenn's nur eine rhetorische Keule ist. Ist es angemessen?

  • Antwort von 123, Sonntag, 17.Januar, 05:02 Uhr

    Genau! Keine Waffen für Niemanden, und alle Waffen der Partei! Die hat nähmlich immer recht!

Kleiner Schein, Samstag, 16.Januar, 00:41 Uhr

14. Die "Kleinen" sollten nicht nur den Antrag ausfüllen können...

...sondern auch gleich die Rechtslage studieren. Nachholbedarf zu den rechtlichen Grundlagen wären auch für Politiker nicht schlecht.
Bei Versammlungen, Demonstrationen und öfentlichen Aufzügen gilt das Versammlungsstättengesetz. Das verbietet das Führen von Waffen jeglicher Art.
Der Begriff "Führen" heisst, die tatsächliche Gewalt ausserhalb seines befriedeten Besitztums zu haben. Der jeweilige Waffenträger würde sich straf- oder ordnungswidrig machen und zugleich die Zuverlässigkeitsvoraussetzung verlieren. Das heisst, keine erneute waffenrechtliche Erlaubnis erhalten.

Dreht runter, ihr Aktionspolitiker.

Den kl. Waffennutzern sei gesagt, dass sie beim Nutzen solcher Waffen auch erhebliche Risiken eingehen können. Es ist eine Eskalationsvorstufe. Ein Polizist wird Schiessen müssen, wenn er von derartigem Pseudoschutzwaffen bedroht werden und die Schreckschusseigenschaft nicht erkennbar ist.
Es gibt mildere, aber ebenso effektive Mittel.

Wanda, Freitag, 15.Januar, 23:43 Uhr

13. Mehr Waffenscheinantráge

Was heisst rechtsfreie Räume, Herr Lischka ? Brauchen Sie Nachhilfeunterricht ? Die Beantragung des kleinen Waffenscheines ist absolut rechtskonform !
Wenn Sie und Ihre Politikerkollegen es nicht zu der Situation in Köln hätten kommen lassen, wäre Ihr heuchlerisches Lamento überflüússig...

Pistenmops, Freitag, 15.Januar, 23:18 Uhr

12. Bürger bewaffnen sich

Es müssen Bedingungen geschaffen werden, dass der Staat seine Bürger schützt. Es müssen die Polizeikräfte erheblich aufgestockt werden und die größtenteils geschlossenen Stadtteilwachen wieder 24h ausreichend besetzt sein. So das ein Notruf innerhalb weniger Minuten mit dem eintreffen der Polizei endet. Die Justiz muss in der Lage sein zeitnah zu Bestrafen und das so, dass die Straftäter nicht den Polizeikräften lachend beim verlassen zuwinken. Für jeden Mist ist Geld da, nur für die wichtigen Dinge nicht. Es wird Zeit, dass für Sicherheit, Bildung, Infrastruktur Geld ausgegeben wird und nicht nur für Diäten, völlig unangemessenen Renten von Staatsdienern, unsinnigen Gutachten und EU Firlefanz. Es kann nicht sein, das man jetzt " die Sache selbst in die Hand nimmt" Es müsste Druck auf die in sich selbst verliebten Politiker ausgeübt werden, wieder im Sinne der Bürger zu handeln. Bis es soweit ist schütze ich meine Familie selbst, auch wenn es den Herren Wendt und Mihalic nicht gefällt.

Boehm, Freitag, 15.Januar, 22:05 Uhr

11.

Grosse Macht bedeutet auch grosse Verantwortung. Na ja klar, ihr schafft das. Gruß aus Prag.