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Neues Wachstum für Bayern Landschaftsgestaltung mit der Energiewende

Windräder in den Wald, Solaranlagen an die Autobahn, Biomasse an den Ortsrand. Viele Projekte der Energiewende werden als Störfaktor empfunden und an Orte geschoben, die ohnehin schon belastet oder weit weg von Betroffenen sind. Es geht aber auch anders.

Von: Hans Häuser

Stand: 07.08.2015

Ortsschild | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Der Landschaftsplaner Sören Schöbel plädiert dafür, mit der Energiewende qualitativ hochwertige Landschaften zu kreieren und so die Lebensqualität sogar noch zu steigern. In Berching im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ließen sich dann sogar Windräder und große Stromtrassen zusammen optimal unterbringen. Ob das die Menschen  vor Ort genauso sehen?

"Herrliche Oberpfälzer Landschaft, und die Landschaft ist natürlich etwas in Mitleidenschaft geraten durch den Bau der Windkraftanlagen, sieben an der Zahl, mit zweihundert Metern Höhe. Das beeinträchtigt natürlich auch die Lebens- und Wohnqualität hier bei uns."

Manfred Rackl von der Bürgerinitiative Es reicht

Stromtrassen und Windräder auf der Berchinger Hochebene: Manfred Rackls Bürgerinitiative findet: "Es reicht!"

Seit Jahren kämpft Manfred Rackl mit der Bürgerinitiave "Es reicht!" gegen Windräder. Auch, weil sie wild in der Landschaft stehen. Er sagt: "Wenn's der eine Landwirt nicht gemacht hat, das Geschäft, ist der Betreiber zum anderen gegangen und hat gesagt: Ich war beim Nachbarn auch schon, entweder du machst es oder der Nachbar bekommt das schöne Geld. Und das schöne Geld ist das gewesen, was verlangt worden ist."

Eine mehr oder weniger willkürliche Verteilung - das will Wolfgang Strobl nicht so stehen lassen, der Leiter des Berchinger Bauamts.

"Das ist alles konzentriert auf ein Areal, das vor einigen Jahren als geeignet schien. Da war auch eine gewisse Vorbelastung da, durch die bestehenden Stromleitungen und die Landschaft selbst, die durch Flurbereinigung verhältnismäßig ausgeräumt wirkt."

Wolfgang Strobl, Leiter des Berchinger Bauamts

Stromtrassen, die die Flur mittig durchschneiden, links und rechts versprenkelt Windräder. Der Landschaftsplaner Sören Schöbel von der Technischen Universität in Freising-Weihenstephan hält nichts von so einem, wie er sagt, negativen Planungsprozess.

"Die Standorte sind eigentlich die Flächen die übrig bleiben, nach einem fast schon ordinären Prinzip der Wirtschaftlichkeit gemacht, das ist ein ziemliches Durcheinander in der Landschaft."

Landschaftsplaner Sören Schöbel

Sören Schöbel und Mitarbeiterin Sabine Kern

Landschaftsplaner Sören Schöbel greift sich eine Karte von Berching. Er malt eine geschwungene Linie für einen harmonischeren Verlauf der Stromtrasse -  und Punkte an die Stellen, an denen er Windräder bauen würde. Orte, an denen sie mit der Umgebung kommunizieren.

"Das können keine Kirchtürme sein, die nur 40 Meter hoch sind, das können aber große Hangkanten sein. Und die haben wir ja hier, mit der Kante der Berchinger Hochfläche. Wo man dann im Landschaftbild sofort versteht, warum die Windanlagen genau hier stehen. Weil sie einem solchen starken naturräumlichen Relief folgen."

Landschaftsplaner Sören Schöbel

In Berching schaut sich Windradgegner Rackl den Vorschlag an: "Was harmonischer wirkt: Die sind im Wald drin, das ist unauffälliger. Aber es haben jetzt mehrere was davon: Auch die, die im Tal wohnen, sehen’s entsprechend. Ich denk, dass das den Berchingern nicht so gefallen würde." Bauamtsleiter Strobl findet die Stromtrassen-Idee zwar überlegenswert: Den Einfluss der Windräder sieht er in dem neuen Konzept aber negativer als in der bisherigen Anordnung.

"Es ist ein ketzerischer Anspruch. Diese Hangkante ist Schutzzone Naturpark, Landschaftsschutzgebiet, ist rein aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Da scheitert so ein Denken an den tatsächlichen Gegebenheiten."

Bauamtsleiter Wolfgang Strobl

Schöbel kennt das Argument und fordert deswegen ein völlig neues landesweites Konzept für den Bau von Windrädern und Stromtrassen - in dem endlich auch ästhetische Kriterien berücksichtigt werden sollten. Bis dahin ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Immerhin: Windradgegner Rackl wäre bei aller Skepsis offen für die Vorschläge aus der Universität: "Ja natürlich, der Professor kann das doch mit Sicherheit, dass er mal eine Windkraftanlage an die Hangkante projeziert und dann kann man sagen: Jawoll, das ist was, oder Herr Professor, das geht gar nicht."


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