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VW-Rückrufaktion Endlich ehrlich

Die große Rückrufaktion von Diesel-Fahrzeugen bei Volkswagen und seinen Tochtermarken hat jetzt auch die privaten Autobesitzer erreicht. Alle betroffenen Halter sollten schon Post bekommen haben. Auf was sich diese jetzt einstellen müssen.

Von: Alex Brutscher

Stand: 02.03.2016

Techniker liest NOx-Konzentration aus | Bild: picture-alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Fast ein halbes Jahr ist es her: Seit Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Denn in Fahrzeugen mit Dieselmotoren wurde eine Software eingebaut, die während offiziellen Emissionstests die Motorsteuerung so ändert, dass das Fahrzeug im Test weniger Abgase ausstößt als im realen Betrieb auf der Straße. Bundesweit werden 2,4 Mio. Autos der Marke VW und ihrer Tochtermarken Audi, Skoda und Seat in die Werkstätten gerufen. Die Halterinnen und Halter werden durch den Hersteller angeschrieben.

Post von VW

Brief an Fahrzeughalter

"Wir arbeiten mit Hochdruck an der Organisation der Rückrufmaßnahme [...]." So steht es im ersten Brief, den bereits alle betroffenen Fahrzeughalter erhalten haben sollten. Darin wird zunächst im Grunde nur darüber informiert, dass das Fahrzeug des Halters von der Software betroffen ist. Außerdem wird man auf den zweiten Brief vorbereitet. Hier werden die Halterinnen und Halter dann schließlich gebeten, einen Werkstatttermin zu vereinbaren. In Niederbayern und der Oberpfalz etwa sind mehrere zehntausend Fahrzeughalter betroffen. Wer noch keinen Brief bekommen hat, kann unter folgender Adresse prüfen, ob das eigene Auto betroffen ist: www.volkswagen.de/info

Termin vereinbaren

Termin und Werkstatt suchen sich die Autobesitzer selber aus. VW-Vertragshändler müssen es aber schon sein, freie Werkstätten gehen nicht. Bundesweit sind 2173 Volkswagen-Partner für den Rückruf autorisiert. Mit den 2,4 Millionen zurückgerufenen Fahrzeugen ergeben sich rechnerisch 1100 Fahrzeuge pro Werkstatt. In Bayern stehen den Kunden fast 400 Volkswagen-Partnerbetriebe zur Verfügung.

"Es gibt auf jeden Fall einen Mehraufwand, die Kapazitäten für das Tagesgeschäft wurden schon erhöht. Im Moment läuft es langsam an, wir sind zuversichtlich."

Volkswagen Zentrum Nürnberg-Marienberg

In der Werkstatt

Bei der erforderlichen Umrüstung handelt es sich um ein Softwareupdate, das etwa 30 Minuten dauert. Bei den 1,6 Liter TDI-Motoren muss allerdings noch ein Bauteil installiert werden. Das soll zusätzlich etwa 15 Minuten beanspruchen. Wohlgemerkt, hier geht es um die reine Arbeitszeit. Wie schnell man einen Termin bekommt, hängt von den Vertragshändlern ab. Für die Zeit, in der das Auto in der Werkstatt ist, will sich VW um eine "angemessene Ersatzmobilität" bemühen.

Das kann entweder ein Ersatzauto sein, Hol- und Bringdienste oder auch nur das Aufkommen für Taxi- oder Bahnfahrten. Das soll von Fall zu Fall individuell entschieden werden. Kosten soll das jedenfalls nichts, auch die Umrüstung ist gratis. Bis Ende des Jahres sollte der Rückruf abgeschlossen sein. Daran gebunden sind die Autobesitzer aber nicht. Auch im nächsten Jahr sind die Umrüstungen noch kostenlos möglich.

"Wir gehen davon aus, dass die Kunden maximal eine Stunde warten müssen."

MAHAG München

"Bisher ist es kein großes Drama, aber wir wissen auch nicht genau, was noch kommt."

Auto Rapp, Königsbrunn

Die Modelle

Laut Kraftfahrt-Bundesamt wird der Rückruf sukzessive ablaufen. Der Auftakt ist bereits gemacht und zwar mit dem Pickup Amarok, 2.0 Liter. Hier gab es bisher offenbar keine Probleme, was allerdings wohl auch daran liegt, dass davon nur 8000 Modelle in ganz Deutschland zurückgerufen werden mussten. Quasi eine Generalprobe für das erste massenhaft verkaufte Modell, den Passat.

Noch in dieser Woche soll der Startschuss für diese erste große Rückrufwelle fallen. Weitere Kfz mit der 2,0 Liter-Maschine wie etwa der 2.0 TDI im Audi A4 sollen folgen. Danach sollen Ende Mai die 1,2-Liter motorisierten Fahrzeuge zurückgerufen werden und letztlich die 1,6-Liter-Maschinen Anfang September. Wann das meistverkaufte VW-Modell, der Golf, an der Reihe ist, steht noch nicht fest. Denn wann genau welche Typen folgen, hängt von den Kombinationen aus Motor, Baujahr und Getriebe ab. Das Kraftfahrt-Bundesamt gibt die Termine schrittweise frei.

Inzwischen hat bereits der erste Käufer geklagt. Er wollte seinen Tiguan nicht nachrüsten lassen, sondern sein Geld zurück und damit den Kaufvertrag rückabwickeln. Der Fall wurde heute in Bochum verhandelt. Das Landgericht hat entschieden, dass VW das Auto nicht zurücknehmen muss. Schließlich seien die Mängel aufgrund der manipulierten Abgaswerte nicht erheblich.


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Landi, Mittwoch, 02.März, 22:56 Uhr

3. Nicht mal mehr grob fahrlässig

Unter dem Gesichtspunkt, dass VW dieses Szenario vorsätzlich verursacht hat und nach wie vor die Ungleichheit bei der Entschädigung zwischen den US- und den europäischen Kunden besteht, stelle ich hiermit folgendes Rechenbeispiel auf:

2,4 Mio betroffene Fahrzeuge in Deutschland
1 h Wartezeit, bzw. Bring-/Holservice
ergibt im günstigsten Fall 2 400 000 h Aufwand.

Ein Menschenleben (m/w) mit einem Durchschnittsalter von derzeit 80 Jahren hat ca. 700800 h.
Das bedeuted, dass VW mit dieser Rückrufaktion ca. 3,4 Menschenleben in Deutschland opfert.

Und das nur in Deutschland; und das ohne Entschädigung an die Kunden.

Das Leihschwein, Mittwoch, 02.März, 19:07 Uhr

2. Eigentlich müsste VW an den Staat die fehlende Kfz. Steuer nachzahlen

denn die Abgaswerte ihrer PKW waren deutlich höher, also hätten alle VW, Audi, Porsche Besitzer ein deutlich höhere Kfz. Steuer zahlen müssen. Ich nenne es eine vorsätzliche Steuerhinterziehung in Höhe von mehreren Millionen Euro. Normalerweise hätte man den gesamten Vorstand/Aufsichtsrat wegen Steuerhinterziehung anklagen müssen.

Krapf Ulrich, Mittwoch, 02.März, 17:37 Uhr

1. Rückrufaktion von Dieselfahrzeugen

Sehr geehrte Damen und Herren,
dass allgemeine Anschreiben von Volkswagen ist als zynisch zu bezeichnen. Zitate: "Dieselthematik" anstelle von Vorgabe falscher Tatsachen bei Verkauf; "Wir werden Sie in einem weiteren Anschreiben auffordern einen Termin zu vereinbaren." VW verkauft mir ein Auto unter falschen Angaben und fordert mich nun auf, tätig zu werden; die sollen ihre Händler auffordern, auf die betroffenen Kunden zuzugehen. Keine Angabe, wann unser Golf nachgerüstet werden soll, keine Angabe wie das erfolgen wird und dann zum Abschluss die absolute Dreistigkeit: "..., denn Ihr Vertrauen ist unser wichtigstes Gut!" Von den in den USA genannten Entschädigungen an die geprellten Käufer kein Wort! So nicht!