Oliver Schmidt Ex-VW-Manager klagt gegen Kündigung, der Konzern schweigt

Der in den USA inhaftierte Ex-VW-Manager Oliver Schmidt wehrt sich gegen die fristlose Kündigung durch den Volkswagen-Konzern. Das Braunschweiger Arbeitsgericht hat inzwischen einen Bericht von BR Recherche bestätigt, wonach bei der Behörde eine Klage Schmidts gegen die Kündigung durch den Konzern eingegangen ist.

Von: Arne Meyer-Fünffinger

Stand: 09.01.2018

Bild: picture-alliance/dpa/Broward County Sheriff's Office/AP Photo

Als nächstes werde ein Gütetermin stattfinden, wie er in einem solchen Verfahren üblich sei, so eine Sprecherin des Braunschweiger Arbeitsgerichtes. Darin werde geprüft, ob es eventuell einen Vergleich geben könnte. Wann dieser Termin stattfinde, sei noch unklar.

Schmidt: Kündigung ist rechtswidrig

Der frühere VW-Manager hat Klage gegen die Kündigung eingereicht, weil er sie nach den Worten seines Arbeitsrechtsanwalts, der zum jetzigen Zeitpunkt nicht genannt werden möchte, für rechtswidrig hält.

"Herr Schmidt hat sich nach seinem Verständnis loyal gegenüber Volkswagen verhalten und ausschließlich im Rahmen der ihm von VW erteilten arbeitgeberseitigen Weisungen gehandelt. Dass er nun die fristlose Kündigung erhält, offenbar weil er die ihm erteilten Weisungen befolgt hat, ruft in Herrn Schmidt verständlicherweise das Gefühl hervor, ungerecht behandelt zu werden."

Arbeitsrechtsanwalt von Oliver Schmidt gegenüber BR Recherche

Die Erfolgsaussichten für die Klage schätzt der für gut ein.

"Volkswagen dürfte es, sofern es tatsächlich zu einem streitigen Vortrag im Gerichtsverfahren kommt, wenn überhaupt nur sehr schwer gelingen, das Gericht von der Wirksamkeit der gegenständlichen Kündigung zu überzeugen, nicht zuletzt weil Herr Schmidt zum Beweis für seine Sicht der Dinge auch eine Vielzahl von Zeugen wird benennen können."

Arbeitsrechtsanwalt von Oliver Schmidt gegenüber BR Recherche  

Der Volkswagen-Konzern äußerte sich zu den jüngsten Entwicklungen nicht.

"Vor dem Hintergrund des laufenden arbeitsrechtlichen Verfahrens kommentieren wir die Berichterstattung nicht."

Schriftliche Mitteilung von Volkswagen

Der 49-jährige Schmidt war 20 Jahre für den Konzern tätig und von März 2012 bis Februar 2015 in den USA dafür zuständig, Zulassungsfragen mit den dortigen Umweltbehörden zu regeln. Im Januar 2017 war er während einer USA-Reise auf dem Flughafen von Miami festgenommen worden.

Sieben Jahre Haft und Geldstrafe

Anfang Dezember hatte ihn ein Gericht in Detroit wegen seiner Verwicklung in den Diesel-Skandal zu sieben Jahren Gefängnis und zu einer Geldstrafe in Höhe von 400.000 US-Dollar verurteilt. Daraufhin hatte ihm VW am 19. Dezember im Gefängnis per Boten eine außerordentliche fristlose Kündigung zugestellt und unmittelbar danach mitgeteilt, grundsätzlich gelte, dass bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen von Beschäftigten, zumal im Falle strafgerichtlicher Verurteilungen, zwingend auch arbeitsrechtliche Maßnahmen geprüft werden müssten. Das sei integraler Bestandteil der Compliance-Pflicht jedes Unternehmens.