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Bundesliga Wie sich VW im Fußball breit macht

In acht Tagen geht die Bundesliga wieder los. Dann läuft auch die große Marketingmaschinerie wieder an. Vor allem der VW-Konzern ist den Fans ein Dorn im Auge. Er macht sich im deutschen Fußball breit wie kein zweiter.

Von: Bastian Rudde

Stand: 06.08.2015

VfL Wolfsburg Fans | Bild: picture-alliance/dpa

Nur elf Jahre brauchte der FC Ingolstadt für seinen Durchmarsch von der Bayern- in die Bundesliga. Peter Jackwerth hat diese Geschichte des FC Ingolstadt als Mäzen der ersten Stunde maßgeblich mitgeschrieben. „Nach zwei Jahren in die Regionalliga, nach zwei Jahren in die zweite Liga. Und wo es jetzt gelandet ist, das sieht man ja!“

FCI-Mäzen Jackwerth in der BR-Sendung "Blickpunkt Sport".

Und dann kommt die Frage, die zum FC Ingolstadt fast schon kommen muss: "Wie viel Audi steckt in diesem Aufstieg, beim Standort Ingolstadt und beim Trikotsponsor Audi…?“, fragt Marcus Othmer in der BR-Sendung "Blickpunkt Sport". „Ja, natürlich hat Audi einen großen Anteil. Und jetzt auch nach Übernahme des Stadions – Audi hat ja letztes Jahr das Stadion übernommen von mir und es ist ja keine Geheimnis, dass ich mit 25 Millionen Euro verschuldet war. Und das tut uns natürlich richtig gut!“, antwortet Jackwerth.

"VW hat sich eine Ausmahmestellung erkauft"

Audi tut gut. Als Sponsor, Stadioneigentümer, und über die quattro GmbH auch als Anteilseigner. Knapp 20 Prozent hält sie an der Ingolstädter Spielbetriebsgesellschaft. Das Audi-Engagement in Ingolstadt ist auch ein Investment von VW, der Audi-Muttergesellschaft.

"VW als mächtiger Akteur, großer Sponsoringpartner im Fußball investiert sehr viel Geld, ist gesellschaftsrechtlich an mehreren Klubs beteiligt und hat deshalb theoretisch derzeit eine einmalige Position im bundesdeutschen Profifußball."

Thomas Dehesselles, Sportrecht- und Sponsoringexperte

Sponsoring für die halbe Liga

Kevin de Bruyne | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Fußballer des Jahres De Bruyne hängt Bayern-Profis ab

Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg ist erstmals Deutschlands Fußballer des Jahres. Der belgische Nationalspieler setzte sich bei der Wahl unter deutschen Sportjournalisten deutlich vor den Bayern-Profis Robben und Neuer durch. [mehr]

VW oder Tochterfirmen sind Sponsor bei fast der Hälfte aller Erst- und Zweitligisten. Beteiligungen hält der Konzern neben dem FC Ingolstadt indirekt auch an der FC Bayern München AG. Dort besitzt Audi etwas mehr als acht Prozent der Anteile. Und dann ist da natürlich noch der VfL Wolfsburg, der komplett in Volkswagen-Hand ist. Gerade schickt sich der VfL an, den Bayern ihre sportliche Vormachtstellung streitig zu machen. Letztes Wochenende hat der VfL nach dem DFB-Pokal auch den Supercup gewonnen.

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking betont zwar, dass der Erfolg nicht ausschließlich mit den VW-Millionen zu tun hat. Sie dürften aber helfen – etwa dabei, den „Fußballer des Jahres“ Kevin de Bruyne in Wolfsburg zu halten. Hecking gibt zu, dass der Konzern im Rücken ein Vorteil ist: „Weil wir natürlich Möglichkeiten haben, die andere Vereine nicht haben. Wir werden halt von VW unterstützt.“

Kritik von den Fans

Jubelt auch beim Blick auf die Sponsoreneinnahmen: Der VfL Wolfsburg.

Bei den Fans kommt diese Entwicklung weniger gut an, zum Beispiel bei Jan-Henrik Gruszecki. Er ist Anhänger von Borussia Dortmund, setzt sich aber auch über die Grenzen seines Klubs hinaus dafür ein, dass Fußball nicht zu sehr kommerzialisiert wird. Wolfsburg oder Ingolstadt – das sind für ihn eher traditionslose Kunstprodukte. Reine Werbeträger, die ohne den VW-Konzern vielleicht gar nicht entstanden wären. Dass der gleich bei drei Bundesligaklubs Besitzer oder indirekt Mitbesitzer ist, hält Gruszecki für gefährlich.    

"Wenn’s mal zu einem entscheidenden Spiel kommt und dann sitzt der Geschäftsführer von Mannschaft A im Aufsichtsrat von Mannschaft B… Also in der Formel 1 gibt es ja auch diese Teamabsprachen…"

Fußball-Fan Jan-Henrik Gruszecki

Ein hypothetisches Grusel-Szenario sähe so aus: Kurz vor dem Ende einer Saison ist Bayern längst Meister, Ingolstadt kämpft aber noch gegen den Abstieg – und damit beide Audi-Anteils-Klubs in der Liga bleiben, einigt man sich auf ein entsprechendes Ergebnis. Auch bei möglichen Transfers fürchten die Fans geheime Absprachen.

Geheime Absprachen bedrohen den Fußball

Trikotsponsor, Ligasponsor, Anteilseigner: VW vergrößert seinen Einfluss im Profifussball immer mehr.

So wie beim Spielertransfer von Luiz Gustavo. Der begehrte Brasilianer wechselte vom Audi-Mitbesitzer-Klub Bayern München zum VW-Werksklub Wolfsburg – auch auf Empfehlung des Konzernchefs. Der Sprecher von VW verhehlt erst gar nicht, dass der Vorstand gerne mitredet: „Im Falle des Fußballs gehört im Hause Volkswagen der Fußball zur Vermarktungs- und Marketingstrategie und insofern landen also nicht selten Themen, die da herumranken dann auch im Vorstand und erfreuen sich einer lebhaften Diskussion.”

Wie integer ist der Fußball noch?

Lebhaft diskutiert hat auch die Deutsche Fußball-Liga - und zwar über VW. Ergebnis: Mehrfachbeteiligungen von Konzernen oder anderen Investoren sind nur noch begrenzt möglich: bei höchstens drei Klubs, wobei nur an einem davon mehr als zehn Prozent gehalten werden dürfen. 50 Prozent oder mehr sind ohnehin verboten – theoretisch. Praktisch hat VW mit dem VfL Wolfsburg seinen eigenen Klub. Und die indirekten Beteiligungen des Konzerns an der Bayern AG und bei Ingolstadt gehen über das hinaus, was neuen Wettbewerbern jetzt möglich ist.

VW stellt den deutschen Fußball also vor eine Grundsatzfrage: Wie integer ist er eigentlich noch, wenn Konzerne weiter nach Einfluss streben?


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Das Leihschwein, Donnerstag, 06.August, 08:39 Uhr

1. Da lob ich doch BMW von denen hat der FC Bayern München keinen einzigen Cent

erhalten. Ich kaufe grundsätzliche keine Produkte von Firmen, wo Promis/Fußballvereine für Millionengagen werben, ist doch klar das dieses die Produkte enorm verteuert. BMW ist nicht so blöd die sind schlauer und kassieren. Hatten doch mit Audi zoff weil ihre Spieler italienische Sportwagen fuhren, deutsche Premiumautos waren denen zu spießig. Darauf hin gab es kräftig Ärger mit Audi die mit der Streichung der Sponsorengelder drohten. Kunden die überteuerte AUDI/VW kaufen sollten sich darüber im klaren sein das sie die völlig überzogenen Gehälter der Bundesligaspieler mitfinanzieren zusammen mit den Zwangszahler der GEZ .
Das Sponsoring nichts bringt kann man am Beispiel Opel zeigen. Die zahlten jahrelang Millionen an den FC Bayern München und trotzdem standen sie 2008 vor der Pleite.

  • Antwort von Verkaufsleiter, Donnerstag, 06.August, 16:18 Uhr

    Und BMW ist wohl nicht gnadenlos überteuert oder was???????