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"Fehler, aber kein Fehlverhalten" Von der Leyen bleibt Frau Doktor

Die Medizinische Hochschule Hannover hat entschieden: Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten. Angela Merkel hatte ihrer Ministerin trotz der Plagiatsvorwürfe zuvor den Rücken gestärkt.

Stand: 09.03.2016

Ursula von der Leyen | Bild: picture-alliance/dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darf ihren Doktortitel trotz "klarer Mängel" weiter führen. Das teilte die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) am Mittwoch nach der Prüfung von Plagiatsvorwürfen mit. Das Muster der gefundenen Plagiate spreche nicht für eine Täuschungsabsicht. Der Senat der MHH entschied daher Baum zufolge mit großer Mehrheit, dass von der Leyen der Doktortitel nicht aberkannt wird.

"Es geht hier um Fehler, nicht um Fehlverhalten."

Christopher Baum, Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Plagiatsjäger hatten von der Leyen schwere Regelverstöße in ihrer 1990 erschienenen medizinischen Doktorarbeit vorgeworfen. Auf der Internetseite "Vroniplag Wiki" ist von Plagiatsfundstellen auf 27 von 62 Seiten der Dissertation die Rede.

Von der Leyen erleichtert

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich erleichtert über die Entscheidung der MHH. In einer ersten Reaktion übte sie aber auch Selbstkritik.

"Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle. Ich bin froh, dass die Universität nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen ist, dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt."

Aus einer Erklärung von Ursula von der Leyen

Selbst um Überprüfung gebeten

Von der Leyen hatte die Vorwürfe abgestritten. Sie selbst hatte ihre frühere Hochschule im August um eine Überprüfung der Arbeit gebeten. Von der Leyen hält sich in den USA auf. Ihr Sprecher kündigte eine schriftliche Erklärung des Ministeriums nach der Entscheidung an. Am Mittwochabend hält von der Leyen eine Rede an der kalifornischen Elite-Universität Stanford, wo sie in den 90er Jahren als Gasthörerin Veranstaltungen der medizinischen Fakultät besuchte.

Merkel stellt sich hinter von der Leyen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits vor der Entscheidung über den Doktortitel von Ursula von der Leyen (beide CDU) hinter ihre Verteidigungsministerin gestellt. Auf die Frage, ob von der Leyen auch ohne den akademischen Grad noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert heute in Berlin:

"Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat."

Regierungssprecher Steffen Seibert

Bereits drei Spitzenpolitiker wegen Plagiaten zurückgetreten

Vor von der Leyen haben drei Spitzenpolitiker Konsequenzen aus dem Verlust des Doktortitels gezogen und sind zurückgetreten. Der erste war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor ziemlich genau fünf Jahren. Es gibt umgekehrt auf Bundesebene keinen Spitzenpolitiker, der nach Entzug des Doktortitels im Amt blieb. Von der Leyen hat ihre Doktorarbeit vor 26 Jahren geschrieben.

Experte für Verjährung der Sanktionsbefugnis

Der wichtigste Experte für saubere wissenschaftliche Arbeit in Deutschland, Professor Wolfgang Löwer (Bonn), ist dafür, nach so langer Zeit keine Sanktionen mehr gegen die Autoren zu erheben. Es gehe ihm nicht darum, verdächtige Doktorarbeiten etwa nach 15 Jahren nicht mehr zu prüfen, sondern um den gesellschaftlichen Schutz der Verfasser, sagte er der dpa.

"Nur die Sanktionsbefugnis sollte verjähren", schlägt der Sprecher des Gremiums "Ombudsman für die Wissenschaft" vor. "Man müsste dann nicht seinem gesamten wirtschaftlichen und privaten Umfeld mitteilen: Übrigens, ich bin kein Doktor mehr. Man müsste dann auch nicht mehr Kündigungen durch den Arbeitgeber fürchten."


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Wanda, Donnerstag, 10.März, 03:32 Uhr

3. Doktorarbeiten

Frau Merkel hat auch Frau Schavan den Rücken gestärkt und mehr als das. Sie schickte diese Dame mit dem erwiesen erschlichenen Doktortitel als Botschafterin Deutschlands zum Vatikan. Da sage noch einer, Schummeln lohnt sich nicht...

  • Antwort von F.K., Donnerstag, 10.März, 16:36 Uhr

    Erschlichen möchte ich nicht unbedingt unterstützen!
    Aber die Hauptschuld trifft die Universität mit dem Docktorvater/mutter. Die haben die Pflicht und Aufgabe eine Arbeit zu begleiten und korrigierend einzugreifen, bzw eine solche Arbeit dann nicht zuzulassen! Oder sie lassen sich Kaufen, was mindestens genauso verwerflich ist!
    Darüber regt sich niemand auf und das ist nicht ok.

Besorgter Bürger, Mittwoch, 09.März, 19:14 Uhr

2. Von der Leyen

Passt zum Gesamtbild dieser Partei. Diese Politiker sind einfach nicht mehr wählbar. Schade.

  • Antwort von Helene, Mittwoch, 09.März, 20:58 Uhr

    Welche sind denn dann Ihrer Meinung nach wählbar? Die Afd oder NPD? Nein danke!

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 09.März, 23:26 Uhr

    @Besorgter Bürger: Wissen Sie, mir sind Politiker, die bei Doktorarbeiten schummeln immer noch lieber als solche, die auf Flüchtlingskinder schießen lassen würden.

  • Antwort von Besorgter Bürger, Donnerstag, 10.März, 06:19 Uhr

    Ihre Favoriten waren für mich noch nie wählbar und werden es auch nicht werden.

F.K., Mittwoch, 09.März, 19:08 Uhr

1. Plagiat oder nicht? Fragen dazu!

Warum werden scheinbar nur Doktorarbeiten von Politikern gescreent?
In manchen Fällen mag das ja gerechtfertigt sein, wenn z.B. die Doktorarbeit von politischen Stiftungen finanziert oder unterstützt wurde. Aber der Generalverdacht, daß jeder Politiker geschummelt hat ist unredlich.
Und eins sollte klar sein, eine sehr große Mitschuld an diesen Betrügereien haben die Universitäten und in einem größeren Masse die Herren Professoren, alias Doktorväter, die ja eigentlich den Doktoranten "väterlich" betreuen sollen. Es ist in deren Verantwortung eine Arbeit zu betreuen, zu akzeptieren oder abzulehnen.
Also nicht nur der "Schummler" ist der Bösewicht, sondern zu mehr als 50% der Doktorvater, aus welchen Gründen auch immer.
Daher sollten nicht nur die "Schummler" an den Pranger gestellt werden, sondern auch die Herren und Frauen "Doktorväter- Mütter".