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Diskussion um Abschiebungen Viele Syrer fürchten die Lage im Heimatland

Sachsen und Bayern haben eine neue Debatte über Abschiebungen nach Syrien angestoßen. Beide Ländern fordern eine Neubewertung der Sicherheitslage und eine Überprüfung des bestehenden Abschiebestopps. Doch sind die Bedingungen für eine sichere Rückkehr wirklich gegeben?

Von: Carsten Kühntopp

Stand: 07.12.2017

Ein Glas Tee, etwas Gebäck - und für die Kinder pinkfarbene Zuckerwatte - Shadia Qawaq erscheint das Leben schön. Sie sitzt in Aleppo in einem Straßencafé, das vor einiger Zeit wiedereröffnete, zu Füßen der Zitadelle, wo es bis vor einem Jahr noch heftige Kämpfe gegeben hatte, zwischen Regierungskräften und Aufständischen.

Aleppo: In Trümmern, aber wieder sicher

"Ich freue mich so sehr. Denn bald werde ich wieder mit meinen Geschwistern und Bekannten hier sitzen. Die Festung und die Bäder habe ich früher oft mit meiner Mutter besucht. Wer die Festung nicht kennt, sollte sie und die Stadtbewohner kennenlernen."

Shadia Qawaq

Doch ein Jahr nachdem die Rebellen in Aleppo aufgeben mussten, liegt der Ostteil der Stadt noch immer in Trümmern. Ihn wiederaufzubauen, dürfte die Möglichkeiten der Regierung weit übersteigen. Aber immerhin: In Aleppo sind die Menschen wieder sicher - wie auch in anderen Landesteilen, in denen derzeit nicht gekämpft wird. In einem neuen Bericht stellen die Vereinten Nationen dennoch fest:

"Trotz des Rückgangs des Niveaus der Feindseligkeiten in bestimmten Teilen des Landes, vor allem wegen einiger Übereinkommen zur De-Eskalation und wegen des Rückgangs der Zahl von Belagerungen, ist das Leben zahlloser Zivilisten durch anhaltende oder zunehmende Gewalt in anderen Landesteilen bestimmt."

Aus einem Bericht der Vereinten Nationen

Nahe Damaskus ist die Not groß

So auch in Ost-Ghouta, einer Region östlich von Damaskus, die seit 2013 von Regierungskräften belagert wird. Etwa 350- bis 400-tausend Menschen wohnen dort. Seit Wochen folgt ein Luftangriff auf den anderen, immer mehr Menschen essen Tierfutter oder das, was sie im Müll finden. Und immer wieder kostet die Belagerung Leben - so das von Mohammed Ghabboura. Dessen Vater berichtet, dass sein neugeborener Sohn nur drei Tage alt wurde.

"Er hat eine Spritze gebraucht, um seine Lunge zu öffnen, und die gab's nicht. Ich habe gestern überall danach gesucht, vergebens. Nur in Damaskus gibt es das, und wir können da nicht hin."

Syrischer Vater

Kinder trifft es am härtesten

Unicef-Deutschland nennt 2017 das bisher wohl schlimmste Jahr des Konflikts für Kinder. Allein im ersten Halbjahr seien mehr Kinder ums Leben gekommen, als im gleichen Vorjahreszeitraum. Nach wie vor ist mehr als jeder zweite Syrer auf der Flucht, das sind 12,6 Millionen Menschen - so die Vereinten Nationen. Mehr als sechs Millionen von ihnen sind Binnenflüchtlinge, fünfeinhalb Millionen haben das Land verlassen. Und mehr als 13 Millionen Menschen in Syrien benötigen derzeit humanitäre Hilfe.

"Die Menschen leiden so sehr - sie wissen einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll. Wir haben jetzt innerhalb Syriens zehn Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben, und ihr tägliches Leben ist die Hölle."

Bettina Lüscher, Welternährungsprogramm

Vereinte Nationen: Nicht überall ist es sicher

Eine Karte der Vereinten Nationen zeigt die Flüchtlingsbewegungen im Land im ersten Dreivierteljahr: Pfeile zeigen in alle Richtungen, denn wann immer eine bestimmte Region zu unsicher wird, suchen Menschen andernorts Schutz. Im September zählten die Vereinten Nationen deshalb 265.000 solcher Flüchtlingsbewegungen innerhalb Syriens, ein starker Anstieg im Vergleich zum Vormonat und zum September vor einem Jahr. Bisher seien in diesem Jahr 721.000 Menschen in ihren Heimatort zurückgekehrt. Verglichen mit dem Vorjahr sei das ein leichter Anstieg, so die Vereinten Nationen, aber:

"Die allgemeinen Bedingungen für eine sichere und dauerhafte Rückkehr gibt es in vielen Teilen des Landes noch nicht."

Aus einem Bericht der Vereinten Nationen


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Herzlos , Donnerstag, 07.Dezember, 23:34 Uhr

11. Viele Syrer fürchten die Lage im Heimatland. Angst vor zu viel Arbeit?

Fahnenflüchtige und Deserteure wollen bei uns abwarten bis die Frauen mit den alten Eltern den Schutt von den Straßen aufräumen und die Häuser reparieren?

  • Antwort von AntiAfD, Freitag, 08.Dezember, 00:06 Uhr

    Da ist was dran, die Anfänge dort werden hart sein und die Arbeit wird anstrengend sein.

  • Antwort von SPD-Wähler , Freitag, 08.Dezember, 00:37 Uhr

    Unsere Gäste sind vermutlich etwas arbeitsscheu. Lieber machen sie sich bei uns ein schönes Leben, fast wie im Urlaub, besonders am Chiemsee, Bodensee und in Garmisch. Von dort würde ich auch nicht weggehen.

Wanda, Donnerstag, 07.Dezember, 16:40 Uhr

10. Gleiches Recht für alle ?

Ich fürchte wegen der unkontrollierten Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern sowie der zunehmenden Kriminalität die Lage in Deutschland: welches Land also erlaubt mit die unkontrollierte Einreise, passt sich mir an und nimmt mich mit vollen Sozialleistungen auf ?
Infos bitte über den BR an mich...

winfried, Donnerstag, 07.Dezember, 14:44 Uhr

9. Viele Syrer fürchten die Lage im Heimatland

Auch dieser Artikel erscheint mir als die psychologische Vorbereitung darauf, dass die inzwischen ca. 2,4 Mio. dauerhaft in DEU bleiben.

Cornelia , Donnerstag, 07.Dezember, 13:27 Uhr

8. Viele Syrer fürchten die Lage im Heimatland, Winter mit kaputten Fenstern,

keine Zentralheizung, kein Taschengeld, vermutlich kein Sozialamt, aber es ist die Heimat! In Deutschland war es 1945 ähnlich. Deutschland sollte den Hemkehrern am Anfang Lebensmittel un Baumaterial liefern und die Sanktionen gegen Syrien endlich beenden. Flüchtlingen in Syrien zu helfen ist viel billiger als sozialer Wohnungsbau für Langzeitarbeitslose mit Familiennachzug in München, Nürnbeg oder Regensburg.

  • Antwort von Atze, Donnerstag, 07.Dezember, 14:13 Uhr

    @Cornelia:
    Sie haben recht.
    Alle europäischen Länder sollten einen Hilfsfond für Syrien gründen. Ausserdem könnten auch Betriebe oder Freiwillige den Syrern beim Aufbau mithelfen. So etwas sollte auch gefördert werden. Die Leute dürfen aber nicht hier bleiben, sondern jetzt müssen sie die Initiative ergreifen und ihre Heimat aufbauen.Sich hier ein Nest zu bauen und in Sicherheit zu wiegen, während in Syrien es an allem fehlt ohne, dass es voran geht. Leute, die zurückgehen, sollten ruhig noch etwas unterstützt werden.Humanismus.Auf keinen Fall hier einigeln. Wir haben auch genug Probleme.

Truderinger, Donnerstag, 07.Dezember, 13:14 Uhr

7.

Diejenigen, die sich hier vor Anschlägen auf Weihnachtsmärkte fürchten, haben kein Verständnis für Menschen, die vor Bombenkriegen fliehen. Muss man nicht verstehen!

  • Antwort von Endlosschleife , Donnerstag, 07.Dezember, 13:39 Uhr

    Der syrische Stellvertreter-Krieg um Öl und Gas ist zu Ende. Jetzt beginnt der Wiederaufbau. Wer die Syrer hier für immer behalten und integrieren will, der sabotiert die Zukunft Syriens und belastet das deutsche Sozialsytem und verschlimmert die Lage auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. Asyl dient einem vorübergehenden Schutz politisch Verfolgter Menschen. Krieg vorbei = Asylgrund vorbei.

  • Antwort von Endlosschleife , Donnerstag, 07.Dezember, 13:59 Uhr

    @Truderinger, Sie haben heute die AfD ganz vergessen. Seien Sie doch froh über die Abschiebungen, das schwächt doch die AfD, dann verliert die AfD das wichtigste Thema, mit welchem sie ihre Wähler ködert. Keine Einwanderung, nur Abschiebungen = AfD weg vom Fenster, keine Rechtspopulisten. Nur noch Linksextremisten. Das ist doch gut, oder?

  • Antwort von Atze, Donnerstag, 07.Dezember, 14:21 Uhr

    @Truderinger:
    Was war denn das? Rundumschlag?
    Ich bin Humanist, fürchte mich auch vor Anschlägen, denn ich habe ja in den Berichten gesehen, wie das mit Amri gelaufen ist.
    Ich denke nur an einen Italiener, der lauter Platten jetzt unter dem Gesicht hat. Der Mann ist heute noch schockiert.
    Wer das nicht sieht, keine Angst hat, ist nicht lernfähig. In Bezug auf dieses Problem habe ich auch wirklich kein Vertrauen in die Sicherheitsbehörden.Leider.