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Versicherungen im Test Was taugt ein Rechtsschutz fürs Internet?

Ob bei Anzeigen wegen Beleidigung oder Abmahnungen wegen der Nutzung von Tauschbörsen: Spezielle Versicherungen versprechen einen Rechtsschutz fürs Internet. Die Stiftung Warentest hat sie sich angesehen.

Von: Christian Sachsinger

Stand: 21.03.2017

Das Internet ist ein rechtsfreier Raum – könnte man meinen, denkt man an die vielen Hasskommentare, die durchs Netz geistern oder an die vielen Betrüger und Kriminellen, die im weltweiten Netz unterwegs sind. Aber: Viele Dinge, die online passieren, haben tatsächlich ein sehr reales Nachspiel. Die Stiftung Warentest hat sich angesehen, was Versicherungen bieten, die sich auf Internet-Rechtsschutz spezialisiert haben.

"Es gibt viele Möglichkeiten sich im Internet so zu verhalten, dass man hinterher Ärger bekommt. Zum Beispiel indem man auf Facebook jemanden beleidigt und dann vom Anwalt dieser beleidigten Person Post bekommt. Vorgekommen in letzter Zeit auch, dass man wegen Facebook-Posts seinen Job verloren hat, weil man dort über den Arbeitgeber gehetzt oder ihn beleidigt hat. Seit Jahren passiert immer wieder dass Kinder oder man selbst illegal Lieder in Tauschbörsen herunterlädt und dann dafür abgemahnt wird und auch noch Schadenersatz zahlen soll."

Michael Sittig, Finanztest

Rechtsstreit kann zur Kostenfalle werden

Es kann also schnell passieren, dass man sich im Internet eine Klage einhandelt. Genauso gut ist es aber auch möglich, dass man sich selbst zur Wehr setzen muss oder möchte. Michael Sittig von der Stiftung Warentest hat drei Policen für Internet-Rechtsschutz der Anbieter DEVK, Arag und BNP Paribas Cardif unter die Lupe genommen. Der Service: Egal, ob wegen angeblich illegalen Musikdownloads oder wegen Beleidigungen im Netz gestritten wird, die Versicherer zahlen die Anwaltskosten.

Allerdings gilt das nicht immer und vor allem nicht in beliebiger Höhe. Meist sind es nur ein paar hundert Euro, die man bekommt und die reichen, wenn es zum Prozess kommt, bei weitem nicht aus. Doch es gibt noch eine weitere erhebliche Einschränkung wenn man selbst im Netz jemanden angeblich beleidigt oder verleumdet hat:

"Wenn die Gegenseite mich anschreibt und sagt, lösch das mal auf Facebook, dann würde ich für die Abwehr dieses Anspruchs nicht versichert sein. Aber wenn sich der Staatsanwalt einschaltet, mir den strafrechtlichen Vorwurf einer Beleidigung macht, dann dürfte ich mir einen Anwalt nehmen, auf Kosten der Versicherung, mit einer Einschränkung: wenn es zum Schluss zu einer Verurteilung kommt, also das Gericht sagt: das war eine Beleidigung, dann entfällt der Rechtsschutz und ich müsste Kosten, die die Versicherung schon vorgestreckt hat, wieder ersetzen."

Michael Sittig, Finanztest

Oft reicht die normale Rechtsschutzversicherung

Das Internet ist eben kein rechtsfreier Raum und wer sich im weltweiten Netz etwas zuschulden kommen lässt, der muss dafür am Ende selbst gerade stehen. Anders herum bringt es durchaus etwas, sich zu wehren. Wenn etwa eine im Internet bestellte Ware hinterher nicht das hält, was versprochen wurde, wenn zum Beispiel bei einem Auto die zugesicherte Freisprecheinrichtung fehlt, dann kann man mit Hilfe eines guten Anwalts vom Kauf zurücktreten. Um sich gegen Unannehmlichkeiten, die im Web entstehen, finanziell zu wappnen, braucht es nun aber gar nicht unbedingt eine spezielle Internetrechtsschutzversicherung, so zumindest das Fazit von Warentester Michael Sittig: "Weil Viele vielleicht gar nicht wissen, dass in ihren normalen Rechtsschutzversicherzungen ein Großteil dieses Internetrechtschutzes schon steckt."

So ist man bei einer klassischen Rechtsschutzversicherung bei Kaufverträgen generell abgesichert, unabhängig davon ob man online oder im Geschäft eingekauft hat. Und auch bei Beleidigungen unterscheidet ein Versicherer nicht, ob sie etwa via Facebook oder durchs Autofenster stattgefunden hat.


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