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Verpackungsfreies Einkaufen Alles außer Plastik

In München gibt es seit einer Woche einen kleinen Laden, der komplett auf Plastikverpackungen verzichtet. Stattdessen kommen die Kunden mit Schraubgläsern und Vorratsdosen an - und kaufen genau die Menge, die sie wirklich benötigen. Ein zukunftsträchtiges Konzept.

Von: Sandra Demmelhuber

Stand: 27.02.2016

Keine Wegwerfbecher, kein eingeschweißtes Gemüse, keine Plastiktüten und auch keine Tetrapacks. Alles biologisch, alles unverpackt und so regional wie möglich. Das klingt erst einmal utopisch, das Crowdfunding-Projekt "Ohne" zeigt aber, dass es funktioniert. Und der Bedarf an alternativen Formen des Einkaufens scheint groß zu sein, denn das Interesse der Kunden ist enorm.

Adresse und Öffnungszeiten

OHNE. Der verpackungsfreie Supermarkt, Schellingstraße 42, 80799 München, Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa 9-17 Uhr

Freilich, ob das Konzept langfristig funktioniert, wird sich erst noch zeigen. Aber die Idee dahinter klingt vielversprechend. "Ohne. Der verpackungsfreie Supermarkt " ist das erste Lebensmittelgeschäft in München, das komplett auf Plastikverpackungen verzichtet. In dem Laden gibt es auch keine meterlangen Regale mit zigfachen Ausführungen eines gleichen Produktes. Nachhaltigkeit und ein bewussterer Umgang mit Nahrungsgütern, so lautet das Motto. Das Ganze soll natürlich nicht mit erhobenem Zeigefinger geschehen, vielmehr sollen die Leute durch das neue Angebot zum Nachdenken inspiriert werden.

Realisierung durch Crowdfunding

"Die Lebensmittel stehen unverpackt für sich und diese Transparenz macht ihre Schönheit aus", schreiben die beiden Gründer Hannah Sartin und Carlo Krauß auf ihrer Homepage. Schon seit Jahren versucht das Paar, weitestgehend auf Plastikverpackugen zu verzichten. So kam dann auch die Idee für den ersten verpackungsfreien Supermarkt zustande. Das Geld haben die beiden über Crowdfunding gesammelt. Dabei zeigte sich schnell, dass das Konzept gut ankommt: 48.734 Euro kamen schon nach zwölfeinhalb Wochen zusammen, von 956 Unterstützern aus ganz Deutschland. Die erste Hürde war somit überwunden.

"Kaum zu glauben, wie viele Leute schon zu uns kommen. Und das, obwohl wir keine Werbung gemacht haben. Wir wollen zeigen, dass es eine Alternative gibt."

Hannah Sartin, Geschäftsführerin

Zusammen mit einer weiteren Kollegin führen die beiden seit einer Woche den Laden. Obwohl noch immer viele Menschen eher zufällig oder aus Neugierde kommen, gibt es schon die ersten "Stammkunden". Die höheren Preise scheinen die meisten auch nicht abzuschrecken, denn unter den Kunden befinden sich überwiegend Studenten und junge Familien.

"Ich habe den Laden zufällig beim Vorbeigehen entdeckt und bin heute zum ersten Mal da. Wir versuchen in der Familie schon länger, auf Plastiktüten zu verzichten, deswegen hat mich das Konzept neugierig gemacht. Ich komme auf jeden Fall wieder."

Andreas Richter, Kunde

Bislang gibt es auf den 80 Quadratmetern Basisprodukte wie Obst und Gemüse, Nudeln, Reis, Seife, Milch oder Mehl. Wenn es weiterhin so gut läuft, soll die Produktpalette langsam ausgebaut werden. "Bisher ist das Feedback unserer Kunden nur positiv", sagt Hannah Sartin, "das ist unglaublich motivierend".


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Noname, Samstag, 27.Februar, 19:56 Uhr

10. Happig!

Ganz schön schweineteuer das Zeug, wenn man bedenkt, dass man keine Verpackung samt dahinter stehenden Material- und Arbeitskosten bezahlen muss. Bei einer Rolle Toilettenpapier für 1,79 € hört für mich der Spaß eindeutig auf, das ist schlicht unverschämt!

Susi, Samstag, 27.Februar, 17:28 Uhr

9. Ohne Plastik

Super!!!! Mein Mann und ich versuchen auch bei jedem Einkauf lieber etwas in Papierverpackung, als in Plastik zu kaufen. Oder verwenden die kleinen Plastiktüten für Obst und Gemüse mehrmals. Etikett abziehen und beim nächsten Einkauf in der Tasche dabei haben. Und es gibt immer Produkte, ohne Plastik, z. B. Seife - lieber in der Pappschachtel. Ich drücke Euch die Daumen und freue mich, über Euren Mut.

Johann, Samstag, 27.Februar, 17:00 Uhr

8. Falsch

Falsch Paulina. Man muss nicht immer gleich auf alles verzichten! Veganer können ruhig auch Leder im Auto haben. Wichtig ist, dass WENIGER Plastik hergestellt und verbraucht wird. Finde das Konzept gut, wenn auch nicht neu. Viel Erfolg.

  • Antwort von Jannes, Samstag, 27.Februar, 21:19 Uhr

    @Johann
    Ohne die Geschäftsidee schlecht reden zu wollen - Müll vermeiden ist eine super Sache, ABER:
    Ich glaube, ganau das hat Paulina gemeint, als sie von "Sensiblen Themen" geschrieben hat:
    Wenn es um die heilige Kuh "neue Medien und digitale Infotechnik" geht, wird alles runtergespielt: Strahlung, Ressourcenverschwendung, miese Arbeitsbedingungen in der Herstellung, ungeklärte Entsorgung, uvm.
    Da müssen seeeehr viele Gemüseeinkaufsbeutelchen in die Landschaft geschmissen werden, um die Tonnen an Elektroschrott auch nur annähernd aufzuwiegen, die durch "Sollbuchstellen" in Haushaltsgeräten sowie Inkompatibilität und Veraltung im Bereich Computer, Internet, Telekommunikation entstehen.
    Aber es ist eben nicht gern gesehen (gehört), sich darüber kritisch zu äußern.

Paulina, Samstag, 27.Februar, 12:52 Uhr

7. Augenwischerei

Wenn schon nachhaltig, dann aber bitte auf der ganzen Linie und in der ganzen Lebensführung. Da müssen dann auch sensible Themen angesprochen werden:
Was glauben wir wohl, was bei den ganzen Kunststoffexorzisten bei jedem Einzelnen zuhause an Smartphones, Tablets, PCs, Fernsehern,... herumliegt? Wie viel Plastik da wohl verbaut wurde? Welche seltenen Metalle etc.? Wie nachhaltig das nach wie kurzer/langer Zeit entsorgt wird. Wir können uns auch gern mal über die superdünne, kratzfreie Funktionskleidung für drunter und drüber, drinnen und draußen unterhalten, in der eigentlich auch Chemie pur steckt....
Würd mich mal interessieren, wie das so ist...!

  • Antwort von pitty, Samstag, 27.Februar, 13:50 Uhr

    Von den ganzen Strahlungen mal gar nicht zu reden.

Schorsch, Samstag, 27.Februar, 12:14 Uhr

6. Einkaufs-, Gift- und Plastikhysterie

Wenn man den Text - inklusive des Bilds mit dem verdorrten Kraut - und die Kommentare liest, könnte man gerade meinen, die Lebenserwartung in München wäre wieder auf ein vorindustrielles Durchschnittsniveau von zirka 40 Jahren gefallen. Aber wem es Spaß macht, mit 90 wirr im Kopf und lahm im Bein herumzukratteln: bitteschön, wohl bekomm’s.