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USB-Sticks Unschuldig schuldig durch recycelte Chips

Speicherchips aus alten Handys werden wiederverwendet, etwa in USB-Sticks. Hatte der Vorbesitzer darauf kriminelles Material gespeichert, kann das den Käufer eines vermeintlich neuen Geräts in große Schwierigkeiten bringen.

Von: Peter Welchering

Stand: 02.04.2017

USB-Stick | Bild: picture-alliance/dpa

Im Herbst 2016 machte ein Stockholmer Laptop-Besitzer eine erstaunliche Entdeckung. Auf einem USB-Stick mit den Hochzeitsbildern seiner Tochter war unter anderem auch der Führerschein eines chilenischen Staatsbürgers zu sehen. Der aber hatte diesen USB-Stick ganz bestimmt nicht in seinen Händen gehabt. Denn der Stick war fabrikneu.

Smartphone-Chip im USB-Stick

Hatte der Vorbesitzer eines Speicherchips auf seinem Handy verbotene Pornografie gespeichert, kann das den neuen Besitzer in Probleme bringen.

Forscher aus dem Bereich digitale Forensik nahmen sich der Sache mit den alten Daten auf den neuen USB-Sticks an. Sie lasen die Speicherchips neu gekaufter USB-Sticks aus, mit einer aufwendigen Untersuchungsmethode namens Chip-off-Verfahren. Dabei kamen sie zu einem interessanten Ergebnis: Im untersuchten Fall stammten die Bilder vom Besitzer eines Smartphones und waren schließlich auf dem USB-Stick gelandet.

Wird so ein Chip untersucht – zum Beispiel im Rahmen polizeilicher Ermittlungen –, dann kann es sein, dass man auch die Bilder von einem Vorbesitzer findet, der diese möglicherweise mit seinem Handy in China oder anderswo gemacht hat. "Dann hat man Ihren Stick mit vermeintlich Ihren Bildern, aber in Wirklichkeit stammt das ganz wo anders her", sagt Professor Holger Morgenstern von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.

"Sagen wir mal, Sie kaufen einen USB-Stick und benutzen den. Dann wird irgendwie bei Ihnen durchsucht und der Stick wird ausgewertet - und dann macht man Chip-off und kriegt alle Daten, die da drauf sind."

Holger Morgenstern, Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Seriennummern der Speicherchips geben Aufschluss

Aya Fukami von der Nationalen Polizeiagentur in Japan hat die Sache genauer untersucht und die Seriennummern der Speicherchips zurückverfolgt. Dabei stellte sie fest: In einigen Fällen werden gebrauchte Chips recycelt. Weil Smartphones in der Regel nach zwei bis drei Jahren gegen neue Modelle ausgetauscht werden, die Prozessoren, Speicherchips und Controller aber noch in Ordnung sind, sind sie zu schade zum Verschrotten.

Deshalb kaufen Hersteller von USB-Sticks die Speicherchips, die zuvor in Smartphones ihren Dienst getan haben, für wenig Geld auf. So gelangen dann die Daten von alten Smartphones in fabrikneue USB-Sticks.

"Werden diese Chips analysiert und alte Daten wieder sichtbar gemacht, zeigt sich, dass vor dem Wiederverwenden der Chips Daten nicht gelöscht worden sind. Die Chance ist groß, auf diese Weise Daten vom Vorbesitzer des Chips zu sehen."

Aya Fukami, Nationale Polizeiagentur in Japan

Forderungen an die digitale Forensik

Dies müssten etwa Staatsanwälte, Polizeibeamte und digitale Forensiker bei ihren Ermittlungen viel stärker berücksichtigen, meint Forensiker Holger Morgenstern. Man könne nicht mehr sicher sein, dass auf einem USB-Stick gefundene Bilder und Dokumente auch wirklich vom Besitzer des Sticks stammen: "Bisher geht man davon aus, dass alles, was man da findet, dann auch von Ihrem Handy oder von Ihrem Stick stammt. Durch dieses Recycling von Chips ist dem nicht mehr so."

Findet sich auf einem solchen Chip belastendes Material wie etwa Kinderpornografie, kann das den neuen Besitzer in massive Schwierigkeiten bringen. Forensiker arbeiten deshalb bereits an weitergehenden Analysemethoden. Gegenwärtig fordern sie, auf jeden Fall die Metadaten der gefundenen Bilder auszuwerten und ihre Speichergeschichte zu rekonstruieren.


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