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Urwahl der Grünen Özdemir und Göring-Eckardt sind Spitzenkandidaten

Es war knapp bei der Urwahl der Grünen Spitzenkandidaten. Cem Özdemir hat sich mit hauchdünnem Vorsprung gegen den schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck durchgesetzt.

Von: Janina Lückoff und Roswitha Polaschek

Stand: 18.01.2017

Katrin Göring-Eckardt spricht am 30.09.2016 im Bundestag in Berlin; Parteivorsitzender Cem Özdemir spricht am 02.06.2016 im Bundestag in Berlin. | Bild: dpa-Bildfunk/Foto: Monika Skolimowska/Michael Kappeler

Parteichef Cem Özdemir ist als Favorit in diese Grünen-Urwahl gegangen; mit 35,9 Prozent hat er sie für sich entschieden und wird die Grünen nun an der Seite von Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in den Bundestagswahlkampf führen. Die bekam - als einzige Bewerberin - 70,6 Prozent.

Überraschend gutes Ergebnis für Habeck

Robert Habeck

Überraschend ist das Ergebnis des schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck, der als Außenseiter in die Abstimmung ging: Er bekam 35,74 Prozent - und damit nur 75 Stimmen weniger als Özdemir - ein denkbar knappes Ergebnis, das ihm nun Rückenwind geben dürfte, sollte er neuer Parteichef werden wollen. Özdemir hatte angedeutet, den Posten nach der Wahl abgeben zu wollen.

Letzter Platz für Hofreiter

Anton Hofreiter

Fraktionschef Anton Hofreiter, einziger Vertreter des linken Flügels bei dieser Urwahl landete mit 26,2 Prozent auf dem letzten Platz. Er hatte schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses betont, wie wichtig es sei, dass sich alle hinter diesem Ergebnis versammelten - schließlich sei es ein basisdemokratisches.

Gute Nachricht für Konstantin von Notz

Erleichtert dürfte übrigens auch der stellvertretende Fraktionschef Konstantin von Notz sein: Hätte nämlich Habeck die Spitzenkandidatur gewonnen, hätte er auch den Listenplan von Konstantin von Notz bekommen - und der hätte dann kaum noch Chancen gehabt, wieder in den Bundestag gewählt zu werden.

Urwahl hat die Grünen beflügelt

Schon vor der Bekanntgabe des Urwahl-Ergebnisses gab es einen Gewinner: Die Partei selbst - zumindest, wenn man Bundesgeschäftsführer Michael Kellner glaubt.

"Man merkt richtig: Das hat den Laden richtig in Schwung gesetzt, das hat Spaß gemacht, das ist eine tolle Form der Basisdemokratie. Und wir getrauen uns was! Das mobilisiert den Laden nach innen, das bringt uns neue Mitglieder. Das heißt: Ich bin sehr zufrieden damit."

Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer Bündnis 90/Die Grünen

Knapp 59 Prozent der rund 60.800 Grünen-Mitglieder haben an der Urwahl teilgenommen, nur geringfügig weniger als beim letzten Mal.

Die Urwahl 2012 sorgte für eine Überraschung

Die letzte Urwahl, im Jahr 2012, war der Grund, warum kaum jemand in der Partei eine Prognose abgeben wollte: 2012 nämlich sorgte die Grünen-Basis für eine Überraschung, als die damalige Parteichefin Claudia Roth abgeschlagen hinter Jürgen Trittin, Katrin Göring-Eckardt und Renate Künast landete. Diese Erfahrung habe ihr aber gezeigt, dass jeder in der Partei seinen Platz habe, sagt Claudia Roth heute.

"Das war schon eine heftige Niederlage, muss man wirklich sagen. Das Ergebnis, mit dem ich da rausgegangen bin aus der Urwahl, war erst mal eine richtige Klatsche, so hab ich’s empfunden. Aber dann haben nicht zuletzt diejenigen dazu beigetragen, mich zu animieren, mit Kraft weiterzumachen, die gesagt haben: Wir haben dich nicht gewählt, aber wir wollen dich unbedingt als Parteivorsitzende."

Claudia Roth, Bundestagsabgeordnete

Deshalb werde auch aus dieser Urwahl keiner der Kandidaten als Verlierer hervorgehen, sagt Roth.

Das Spitzenduo - enorm wichtig für die Grünen

Robert Habeck ist als Außenseiter in diese Wahl gegangen, er gab sich vor der Wahl aber zuversichtlich.

"Ich glaube, es wird ein knappes Rennen. Alle so irgendwie plus/minus 30 Prozent und irgendeiner wird 35 oder vielleicht 40 haben. Ich glaube aber, dass die Handschriften der jeweiligen männlichen Spitzenkandidaten doch sehr unterschiedlich sind, deswegen ist es jetzt nicht völlig egal wer gewinnt, sondern das wird die Zukunft der Grünen maßgeblich prägen."

Robert Habeck, Bewerber um die Grünen-Spitzenkandidatur

Auch Habecks Mitbewerber Özdemir betonte die Bedeutung der beiden Spitzenkandidaten.

Cem Özdemir

"Das sind natürlich die, die dann das Bild der Grünen im Wesentlichen in der Öffentlichkeit auf Bundesebene bestimmen werden bis zur Bundestagswahl. Insofern ist es eine wichtige Entscheidung."

Cem Özdemir, Bewerber um die Grünen-Spitzenkandidatur, vor der Wahl

Urwahl - für andere Parteien keine Option

Ein Modell, mit dem Vertreter anderer Parteien nur bedingt sympathisieren: CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt betont, es gebe ja in der CSU Orts- und Kreisverbände und einen Parteitag mit Delegierten aus besagten Verbänden.

"Das heißt, wir haben eine Nähe zu unseren Mitgliedern schon über die Strukturen unserer Partei, was andere Parteien in dieser Dimension nicht haben. Deshalb sehe ich keine Notwendigkeit, hier mit Urwahlen und ähnlichem zu hantieren."

Gerda Hasselfeldt, CSU-Landesgruppenchefin

Auch der CDU-Politiker Michael Grosse-Brömer sieht keine Notwendigkeit für eine Urwahl.

"Wenn ich eine erfolgreiche Kanzlerin habe, dann muss ich nicht ein halbes Jahr Vorwahlen machen, weil diese Kanzlerin ist hoch angesehen, die ist in der Partei gewollt und wahrscheinlich auch in Deutschland und Europa. Das wäre doch für alle eine große Enttäuschung, wenn man einer erfolgreichen Kanzlerin nicht wieder die Chance gibt, weiterhin Kanzlerin zu sein."

Michael Grosse-Brömer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion

Niels Annen von der SPD sieht in einer Urwahl ein Instrument, wenn die Situation das erfordere - und tut so, als sei die Frage der Kanzlerkandidatur in seiner Partei nie strittig gewesen.

"Wenn es in der SPD mehrere Kandidaten geben würde, dann wäre das auch eine Option. Wenn das nicht der Fall ist, braucht man keine Urwahl machen."

Niels Annen, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion


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Erich, Mittwoch, 18.Januar, 13:21 Uhr

19. Die Katrin war ja bereits fest gesetzt!

Es gibt glaub ich, keine größere Männerdiskriminierung. als bei den Grünen! Dieser grüne Feministenterror, ist unerträglich.

  • Antwort von hasan, Mittwoch, 18.Januar, 13:57 Uhr

    @Erich: Wollten Sie nicht auswandern?

  • Antwort von Leo Bronstein, Mittwoch, 18.Januar, 15:18 Uhr

    @ hasan
    >@Erich: Wollten Sie nicht auswandern?<

    .
    Würden Sie einem anerkannten Flüchtling in Deutschland auch die Frage stellen?
    Oder wäre so eine Frage in dem Fall dann menschenverachtend?

R.B., Mittwoch, 18.Januar, 13:17 Uhr

18. Kandidaten der Grünen

Unter einer Urwahl stelle ich mir eigentlich vor, dass sich verschiedene männliche und weibliche Bewerber zur Wahl stellen.
Was bleibt ist die Bestätigung, dass die Grünen mit diesen beiden Kandidaten keine 10% erreichen werden.
Der Partei fehlt der Mut, z.B. einen Hofreiter aufzustellen, der z.B. einer derjenigen wäre der gegen Massentierhaltung und gen-manipulierte Lebensmittel (Monsanto) vorgehen würde.
Weshalb gab es keine weiblichen Gegenkandidaten? Gibt es bei den Grünen wie bei der CDU "keine Alternative".
In diesem Fall bleibt ein sehr fahler Beigeschmack ("Quotenfrau"), obgleich es sehr wohl geeignetere Alternativen, z.B. Fr. Ska Keller (EU-Parlament) zu Fr. G.-E. geben würde.0

Andreas, Mittwoch, 18.Januar, 13:15 Uhr

17. das Spitzenduo der Grünen

stehen dafür wie wenig man aus der Migrationspolitik und der Folgen lernen kann - daher tut sich die Partei mit diesen tibetanischen Gebetsmühlen wirklich kein Gefallen - nach dem Frau Merkel im Alleingang den Ausstieg aus Kernkraft vollzog gehen den Grünen offensichtlich die Themen aus.

lustig, Mittwoch, 18.Januar, 13:08 Uhr

16. Zuwanderung durch Frau Merkel....

und dann das Gejammere eines Horst ,einer Gerda und die vielen nicht genannten Retter des Abendlandes.
Lieber Horst Du bist einfach zu unbedeutend als das Angie auf dich hört.
Also versprich nichts was du nicht halten kannst.

Die Grünen haben viel mit sich selbst zu tun ,wie auch andere Parteien auch.
Die größte Nervensäge allerding ist Horst Seehofer ,den er verspricht ständig und das jede Woche 2 -3mal ,er werde die Kontigentierung der Zuwanderung einführen,ja der nervt.
Tut er aber nicht ,kann er nicht darf er nicht.

Also da kann ich doch ruhig die Grünen wählen oder?

  • Antwort von Leo Bronstein, Mittwoch, 18.Januar, 15:25 Uhr

    @ lustig
    >Also da kann ich doch ruhig die Grünen wählen oder?<

    .
    Würden Sie denn überhaupt eine andere Partei wählen, egal wer sonst bei anderen Parteien zur Wahl stehen würde?

    Aus dem Grund besitzt Ihr Kommentar, aus meiner Sicht, die selbe Qualität, die Sie auch Ihnen unliebsamen Politikern andichten.

hergenhuhn, Mittwoch, 18.Januar, 13:06 Uhr

15. grüne spitzenkandidaten...

...finde ich super, da braucht die afd noch weniger wahlkampf für 15% plus x machen. frau göring-eckard wird schon bis zur bt-wahl einige "kluge" sprüche loslassen....

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 18.Januar, 13:34 Uhr

    Was manchen Menschen alles genügt, um diese unsinnige AfD braucht! Erbärmlich!

  • Antwort von hasan, Mittwoch, 18.Januar, 13:47 Uhr

    afd wählen, wie erbärmlich ist das denn

  • Antwort von Leo Bronstein, Mittwoch, 18.Januar, 15:40 Uhr

    @ hasan
    >afd wählen, wie erbärmlich ist das denn<

    Gegenfrage:
    Wie erbärmlich ist es denn Parteien zu wählen, welche die Wähler und sich selbst so >minderwertig< ansehen, dass Bereicherung notwendig ist?