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Zentralratspräsident Josef Schuster Schlechter Zeitpunkt für US-Botschaftsverlegung

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hat die Ankündigung von US-Präsident Trump, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, als Umsetzung bereits gelebter Praxis bezeichnet. Der Zeitpunkt sei aber unglücklich.

Von: Achim Winkelmann

Stand: 06.12.2017

Josef Schuster | Bild: picture-alliance/dpa

Das sagte Josef Schuster dem Bayerischen Rundfunk am Mittwoch (06.12.17) in Würzburg. "Trump macht mit dieser Ankündigung nichts anderes, als die jahrzehntelange Praxis zu bestätigen", so Schuster. Schließlich sei der israelische Regierungssitz und auch ein US-Konsulat bereits in Jerusalem und auch ausländische Staatsgäste kämen auf Staatsbesuchen immer nach Jerusalem.

Der Regierungssitz in Jerusalem sei durch alle Staaten, die diplomatische Kontakte zu Israel haben, durch die Gespräche dort indirekt längst anerkannt, findet der Zentralratspräsident. Auf der anderen Seite sei der Zeitpunkt der Entscheidung alles andere als glücklich. Ob sie in allen Punkten durchdacht ist, diese Frage muss man stellen, so Schuster. Er habe die Sorge, dass es aktuell zu Verwerfungen in der Region komme, ganz lokal in Jerusalem und in Gebieten ringsum, aber auch in Gebieten um Israel herum.

Entscheidung wird weltweit kritisiert

Seit drei Jahren ist Schuster Vorsitzender des Zentralrats. Immer wieder hat der Würzburger Arzt in dieser Zeit ruhig und besonnen, aber auch mit inhaltlicher Deutlichkeit zu aktuellen Anlässen Stellung genommen. Die Ankündigung von US-Präsident Trump, Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen, hat unterdessen weltweit vor allem Kritik hervorgerufen. So sagte der UN-Gesandte für den Nahost-Friedensprozess Mladenov, der Status von Jerusalem müsse von Israelis und Palästinensern ausgehandelt werden. Der geschäftsführende deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte verlauten lassen: Die Entscheidung beruhige den Konflikt nicht, sondern heize ihn noch an.


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