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Geldstrafe auf Bewährung Urteil: Würzburger Schmerzpatient Günter Weiglein darf kein Cannabis anbauen

Der Schmerzpatient Günter Weiglein darf seinen legalisierten Bedarf an Cannabis nicht durch Eigenanbau decken. Das Amtsgericht Würzburg verurteilte Weiglein zu einer Geldstrafe von 300 Euro auf Bewährung. Eine Nachbarin hatte ihn angezeigt.

Von: Wolfram Hanke

Stand: 30.11.2017

Würzburger Schmerzpatient Günter Weiglein | Bild: picture-alliance/dpa

Wegen vorsätzlichen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln hat das Würzburger Amtsgericht den Schmerzpatienten Günter Weiglein am Donnerstag (30.11.17) verurteilt. Weiglein hat eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro bekommen - ausgesetzt zur Bewährung. Das heißt, die Geldstrafe wird erst fällig, wenn er weiterhin selbst Cannabis anbaut, um seinen Bedarf zu decken. Weiglein war im Mai 2016 mit 45 Marihuana-Pflanzen zuhause erwischt worden, eine Nachbarin hatte der Polizei einen Tipp gegeben.

Joints gegen chronische Schmerzen nach Motorradunfall

Günter Weiglein hatte im Jahr 2002 einen schweren Motorradunfall und seitdem chronische Schmerzen. Weil ihm die Schulmedizin nicht mehr helfen kann, raucht er seit 2007 Marihuana, um die Schmerzen zu lindern. Günter Weiglein hat die Genehmigung, Cannabis über ein ärztliches Rezept zu erwerben und zu konsumieren. Die Erlaubnis zum Eigenanbau hat er dagegen nicht. Laut Weiglein gebe es aber immer wieder Engpässe in der Versorgung durch die Apotheken. Den Urteilsspruch kommentiere Weiglein im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk so:

"Ich habe nichts anderes erwartet. Mittlerweile ist ja festgestellt worden, dass ich ein Rezept habe. Solange das jetzt läuft und ich mein Cannabis tatsächlich über die Kasse beziehen kann, werde ich das natürlich tun. Sollte wieder ein Lieferengpass eintreten oder wie auch immer die Versorgung nicht gewährleistet sein, bin ich wieder gezwungen, mich anderweitig zu versorgen. Das heißt durch Eigenanbau oder auch vom Bauern um die Ecke."

Schmerzpatient und Cannabis-Konsument Günter Weiglein

Schmerzpatient Günter Weiglein: Cannabis aus der Apotheke "horrend teuer"

Vor Gericht führte Weiglein außerdem an, dass Cannabis aus der Apotheke "nur zu horrenden Preisen" zu beziehen sei. Ein Gramm aus der Apotheke koste 56 Euro, er brauche am Tag zwischen ein und drei Gramm. Zwischenzeitlich habe sich außerdem seine Ärztin geweigert, ihm aus Budgetgründen weitere Rezepte auszustellen. Inzwischen hat Weiglein den Arzt gewechselt, dieser habe neue Rezepte ausgestellt. Seit Ende September sei die Kostenerstattung durch die Krankenkasse genehmigt.

Geldstrafe wegen Eigenanbau: Weiglein-Anwalt will Urteil anfechten

Weigleins Anwalt Matthias Schillo hat direkt nach dem Urteilsspruch angekündigt, in Revision oder in Berufung zu gehen, um einen Freispruch zu erreichen. Im Jahr 2014 hatte Günter Weiglein gemeinsam mit drei weiteren Patienten vor dem Verwaltungsgericht Köln die Erlaubnis erstritten, Cannabis für den Eigenbedarf anzubauen. Dagegen war allerdings die Bundesopiumstelle in Berufung gegangen. Dieses Berufungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.


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Bundesbürger, Sonntag, 03.Dezember, 14:34 Uhr

12. Schlimme Versorgungslage in Deutschland

Ich habe nach langer Suche einen Arzt gefunden, der mir Rezepte für Cannabisblüten ausstellt. Die se Hürde war nicht leicht zu nehmen. Doch leider nützt mir das recht wenig, da Cannabis derzeit einfach nicht erhältlich ist. Mein Apotheker (ich bin Ihm dankbar, das Er den ganzen Stress auf sich nimmt!) hat Anfang Oktober eine Bestellung an den Importeur (es gibt derzeit 2 Importeure) abgegeben, die eigentlich Mitte November geliefert werden sollte- jetzt heist es das evtl. in der zweiten Dezemberwoche geliefert wird. Ein ausgestelltes BtmG-Rezept verliert nach einer Woche seine Gültigkeit. Die Krankenkassen zwingen bei Antragstellung den Arzt/Patienten, sich auf eine, max. zwei Sorten festzulegen, obwohl jedem, der das Medizinisch benötigt im endeffekt Wurscht ist, ob der THC-Gehalt nun 20% oder 22% oder 18% ist- bei der meist angewandten Phytoinhalation mittels Verdampfer merkt mann sehr deutlich wann die gewünschte Wirkung erreicht ist.

  • Antwort von t0rf, Sonntag, 03.Dezember, 16:57 Uhr

    1. Es gibt derzeit 5 Importeure, nicht nur 2!
    2. Das Rezept muss binnen einer Woche in die Apotheke gebracht werden, es behält seine Gültigkeit bis du dein Medikament hast! Dazu gab es vor kurzem eine Gesetzesänderung.
    3. Die Pharmazentralnummer (PZN) ist für alle Blüten gleich, es wird nur zwischen verarbeitet und unverarbeitet unterschieden. Am Besten nochmal mit der Krankenkasse sprechen, im Normalfall ist ein Sortenwechsel kein Problem!

    Mehr Infos gibt's z.B. im ACM Forum.

    Viel Erfolg & gute Besserung!

  • Antwort von Bundesbürger, Mittwoch, 06.Dezember, 11:31 Uhr

    Ich bedanke mich herzlich für die Infos von tOrf und ganz besonders einfachnurMarco und Herrn Brack für die Weiterleitung von dessen Rat. Nachdem die ausstehende Lieferung wegen Schimmelbefall nun wohl nicht eintrifft, ist für mich der Tip mit der Apotheke Gold wert. Obwohl ich bei München wohne werde ich nächste Woche dort hin fahren. Freue mich sehr über diese Hilfsbereitschaft. Danke

Optic, Freitag, 01.Dezember, 15:15 Uhr

11. Cannabis endlich legalisieren

Während auch im BR das Zellgift Alkohol subtil beworben wird, wird Cannabis in der Berichterstattung immer noch in die verruchte Ecke des Kriminellen gesteckt.
ich kann sie nicht mehr sehen die Berichterstattung über Weinkönigen, Wein- und Bierfeste. Über das größte legale Drogenfestival, das Oktoberfest wird täglich in Presse. Funk und fernsehn unterrichtet,
obwohl jeder weiß. dass Alkohol Herz, Leber und Hirn massiv schädigt und körperlich abhängig macht.
Solange in der Öffentlichkeit ein Bild von Cannabis vermittelt wird, das nur eingeschränkt stimmt, wird es auch keine Änderung der öffentlichen Meinung geben. Menschen wie Herr Weiglein, wird auch dann noch der Eigenanbau verweigert, wenn es ihm gut tut und er die Kassen der Krankenversicherungen schont.
Die Wutbürger die Weiglein angezeigt haben sollten sich schämen. denn, "der größte Lump im ganzen Land das ist und bleibt der Denunziant" Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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neuro09, Donnerstag, 30.November, 19:38 Uhr

10. Schmrzpatienten

Ic hhabe selbst einen guten Freund im Rollstuhl! der Morphiumpflaster benötigt um teilweise seine Schmerzen und damit sein Leben bweältigen zu können auch er war kürzlich erst Opfer unsinniger KK Budgetierungen! Insofern muß dieses gesamte System verändert werden! Nur weil jemand solche Mittel benötigt ist er ja noch lange Kein Dealer! Und diese Nachbarin sollte Ihre Nase nicht in fremde Angelegenheiten Stecken! Gott bestraft hoffentlich solche Sünden! Politiker, Polizei, _Richter sollten sich besser um die echten Drogendealer und Ganoven kümmern!

bart wakker, Donnerstag, 30.November, 17:43 Uhr

9. Widerlich

Widerlich, dass ihm eine Nachbarin anzeigt. Ich hoffe, diese Frau wird irgendwann dafür schwer büssen müssen, zusammen mit den Richtern und Politikern, die nicht aufhören wollen, das leben von menschen zu erschweren oder verderben.

Es wird und muss vollständig legalisiert werden. Die gegner sind entweder dumm, schlecht informiert, oder böse. Zumindest die drahtzieher der prohibition müssen ihre gerechte strafe bekommen, ich hoffe auf neue gesetzte die solche leute in den knast bringen können.

Niederbayer, Donnerstag, 30.November, 16:23 Uhr

8. Es müsste sich wirklich vieles im Lande ändern!

Auch hier wieder praktizierter Lobbyismus, der sich dieses Landes in unheilvoller Art fast komplett bemächtigt hat. Es geht nicht um das Wohl der Bürger, gar um vernünftige, rationale Politik, die Prioritäten sind komplett anders gelagert.
Man muss sich nur ansehen, wer im Bundesarzneimittelausschuss sitzt, dann weiß man, wie Medizinpolitik betrieben wird.
Es fängt bei homöopathischen Komplexpräparaten an, obwohl sehr erfolgreich, effektiv und jahrelang bewährt, wird urplötzlich dann m.M.nach unter fadenscheinigem Vorwand von diesem Ausschuss verlangt, dass dieser oder jener Wirkstoff nicht mehr im Präparat vorkommen darf.
Und damit drastisch das Wirkprofil verändert.
Man kann nur hoffen und wünschen, dass immer mehr Menschen dieses "Spiel" durchschauen, was mit ihnen betrieben wird.

  • Antwort von IH, Donnerstag, 30.November, 18:17 Uhr

    Ob nun das eine NICHT im Zuckerkügelchen ist oder nicht, ist wahrlich sch...egal. Der größere Skandal ist, dass die Krankenkassen diesen Hokuspokus teilweise noch zahlen!