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Herrmann zu Mainstockheim "Kein ausländerfeindlicher Hintergrund"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat im Anschluss an die Kabinettssitzung am Dienstag (28.07.15) in München die Vorfälle rund um die Asylbewerberunterkunft in Mainstockheim angesprochen. Er stellte dabei fest, dass keinerlei ausländerfeindlichen oder gar rechtsextremen Hintergründe für die Vorfälle ursächlich seien.

Stand: 29.07.2015

Joachim Hermann (CSU) | Bild: picture-alliance/dpa

Vielmehr seien dort einige Asylbewerber mit einer Gruppe Jugendlicher türkischer Abstammung in Streit geraten, so Herrmann. Über mehrere Wochen habe sich die Situation dann zugespitzt. Deswegen habe man jetzt die Entscheidung getroffen, so Herrmann, die Unterkunft zu räumen um die Situation kurzfristig zu entspannen.

"Es ist aus Sicht der Polizei ein ausländerfeindlicher oder gar rechtsradikaler Hintergrund bei diesen Vorgängen überhaupt nicht ersichtlich."

Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister

Räumung nur vorübergehend

Eine Häuserreihe | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Video Mainstockheim Behörden lassen Flüchlingsunterkunft räumen

Immer wieder gab es wohl Ärger zwischen Anwohnern und Flüchtlingen. Jetzt haben die Behörden reagiert und den 20 Asylbewerbern andere Unterkünfte zugewiesen. Stillgelegt wird die Flüchtlingsunterkunft in Mainstockheim aber nicht. [mehr]

Es sei aber auch völlig klar, dass die betroffene Unterkunft auch in Zukunft wieder als Asylbewerberunterkunft genutzt werde, so Herrmann. Auch die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof und Vertreter der Regierung von Unterfranken hatten am Montag auf einer Pressekonferenz beteuert, dass die Asylbewerberunterkunft nur vorübergehend geräumt werde. Die Vorgeschichte dauert offenbar schon einige Monate an. Seit Mai sei eine Gruppe von Bewohnern vermehrt polizeilich auffällig geworden. Immer wieder sei es zu Streitigkeiten und Körperverletzungsdelikten gekommen. Die Umsiedlung der Flüchtlinge werde jetzt so zügig wie möglich stattfinden:

"Es gilt auch die Interessen zu wahren, dass wir auch diejenigen schützen, die bei uns Schutz suchen. Insofern ist meine Bitte an die Regierung, dass wir diejenigen, die vor Ort sind, umverteilen und dass wir die Räume in Ruhe mit Asylbewerbern nachbelegen können."

Tamara Bischof, Landrätin Kitzingen

In den vergangenen Tagen waren bereits vier Flüchtlinge aus der Unterkunft in Mainstockheim weggebracht worden. Sie sollen für Übergriffe und Sachbeschädigungen verantwortlich gewesen sein. Die betroffenen vier Männer sind nach ihrer Festnahme mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Eskalation am Wochenende

Der Konflikt zwischen vier aus dem Kosovo stammenden Bewohnern der Unterkunft mit türkischstämmigen Deutschen war am Wochenende eskaliert. Bei einer Auseinandersetzung im nahen Kitzingen wurde ein 15-Jähriger mit Messerstichen verletzt. Diverse falsche Nachrichten zum Gesundheitszustand des Jugendlichen über soziale Netzwerke führten dann dazu, dass sich am Sonntagabend zwischen 200 und 300 Menschen in Mainstockheim versammelten.

Menschenauflauf und Prügelei

Die Polizei war mit 16 Polizeibussen vor Ort, um deeskalierend zu wirken und konnte die Lage schließlich beruhigen. Die Polizei sprach allerdings von einer aufgeheizten Stimmung und teilte Platzverweise für den gesamten Ortsbereich aus. Bei den Menschen, die zu der Demonstration kamen, handelt es sich nach Meinung der Polizei in der Mehrzahl nicht um Menschen mit rechter Gesinnung. Vielmehr habe sich die Demo durch den Aufruf bei Facebook für junge Leute zur einer Art Event entwickelt.

Ursache offenbar privater Streit

Die Ermittler gehen davon aus, dass Vorkommnisse aus der Vergangenheit zu Differenzen zwischen den beteiligten Personengruppen geführt haben. Laut einem Polizeisprecher sind die Gründe für die Auseinandersetzung eher in einer Privatfehde zu suchen. Eine Gruppe von Flüchtlingen aus Mainstockheim soll in einem Kitzinger Freibad handgreiflich geworden sein und Frauen sexuell belästigt haben. Die Polizei ermittelt bereits wegen des Verdachts auf schweren Hausfriedensbruch und wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch. Nun sollen zunächst die Schäden in der Unterkunft in Mainstockheim beseitigt werden. Anschließend soll die Unterkunft wieder mit Asylbewerbern belegt werden.

Landrätin: Klima eigentlich gut

Das Klima gegenüber Asylbewerbern sei bislang sehr, sehr positiv, sagt Tamara Bischof, die Landrätin des Landkreises Kitzingen. Sie gehe auch davon aus, dass das weiterhin der Fall sein werde. Trotzdem sollen die Unterkünfte künftig vermehrt kontrolliert werden. Bei einer künftigen Belegung soll außerdem darauf geachtet werden, Menschen verschiedener Herkunftsländer unterzubringen, und so eine "Ballung von Nationalitäten" zu vermeiden. Derartige Auseinandersetzungen wie in Mainstockheim habe es aber bislang in Unterfranken bei den mehr als 300 Unterkünften noch nie gegeben.

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  • zur Sendungshomepage Regionalnachrichten aus Mainfranken von 6.00 bis 18.00 Uhr, jeweils zur vollen und halben Stunde, Bayern 1

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