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Fall Janina Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft

Der 53-jährige Tatverdächtige im Fall um die getötete Janina hat an Silvester aus Frust auf eine Menschengruppe geschossen. Gegen ihn wird wegen Mordes ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft Bamberg sitzt er nun in Untersuchungshaft.

Von: Oliver Bendixen, Norbert Steiche, Carlo Schindhelm

Stand: 13.01.2016

Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 53-jährigen Berufskraftfahrer, der zuletzt in der JVA Ebrach beschäftigt war. Wie auf einer Pressekonferenz der Ermittler in Bamberg weiter bekannt wurde, wohnt der Mann direkt neben dem Tatort, in der Straße, in der die elfjährige Janina am Neujahrstag morgens gegen 1.00 Uhr von einem Projektil am Kopf getroffen worden war.

Gegen den 53-Jährigen war am Mittwoch (13.01.16) Haftbefehl wegen Mordes ergangen. Er ist weitgehend geständig. Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager betonte bei der Pressekonferenz, dass es sich bei dem Tatverdächtigen nicht um einen Justizvollzugsbeamten handelt. Er sei als Kraftfahrer in der Justizvollzugsanstalt Ebrach beschäftigt. Dort sei er bislang jedoch völlig unauffällig gewesen.

Ärger über Krawall auf der Straße

Zum Motiv für seine Tat sagte Oberstaatsanwalt Ohlenschlager: Der Mann lebe seit Jahren getrennt von seiner Familie. Er sei frustriert gewesen über seine persönliche Situation, war auch wegen psychischer Probleme in medizinischer Behandlung. In der Silvesternacht war er in seiner Wohnung allein zuhause und schlief auf dem Sofa.

Die Staatsanwaltschaft hat die Tür des Hauses des Tatverdächtigen versiegelt.

Gegen 1.00 Uhr sei er dann durch Lärm vor seinem Haus aufgewacht. Darüber habe er sich geärgert und aus dem Keller eine Kleinkaliberwaffe geholt. Der 53-jährige habe dann drei- bis viermal von der Hofeinfahrt auf die Personengruppe geschossen, so Ohlenschlager.

Mutmaßlicher Schütze über Waffe ermittelt

Zur 50-köpfigen Sonderkommission gehörten Waffenexperten des Landeskriminalamtes und ein Profiler des Polizeipräsidiums München.
Die Ermittler stießen auf den Mann, weil er offenbar der Besitzer jener Kleinkaliberwaffe ist, aus der der tödliche Schuss abgefeuert worden war. Der Mann wurde heute dem Haftrichter vorgeführt.

Mädchen in Neujahrsnacht gestorben

Unterschleichach trauert.

Eine Kugel hatte die Schülerin aus dem oberfränkischen Burgebrach in der Silvesternacht in den Kopf getroffen, als sie mit Bekannten in der kleinen Ortschaft Unterschleichach (Lkr. Haßberge) das Silvesterfeuerwerk beobachtete. Die Elfjährige war einige Stunden später in einem Krankenhaus gestorben. Erst dort hatten die Ärzte festgestellt, dass das bewusstlos eingelieferte Kind von einer Kugel in den Kopf getroffen worden war.

Umfangreiche Ermittlungen

Öffentliche Appelle der Mutter, der Todesschütze möge sich stellen, blieben erfolglos. In den vergangenen Tagen hatten sich die Experten der Polizei darum bemüht, den Standort des Schützen zu orten. Über die Waffenregister des Landratsamtes in Haßfurt stellten die Ermittler die Besitzer aller dort gemeldeten Kleinkaliberwaffen fest. Zu ihnen gehörte offensichtlich auch der jetzt festgenommene Mann, der nach Ermittlungen der Polizei auch in der Silvesternacht mit dem Kleinkalibergewehr unterwegs war.


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Harry, Donnerstag, 14.Januar, 09:23 Uhr

43. Ein Schock

Der Schock sitzt bei allen tief. Wie in den meisten Fällen ist der Täter "psychisch krank" oder hatte eine "schwere Kindheit". Ich frage mich, warum ein psychisch Kranker, der bereits in medizinischer Behandlung war, eine Waffe besitzen darf?! Auch wenn er krank war bzw. sich gestört gefühlt hat, gibt ihm das noch lange nicht das Recht, einfach wahllos auf Menschen zu schießen. Wer in Deutschland legal Waffen besitzen will, zum Beispiel als Sportschütze, der muss eine staatlich anerkannte Waffensachkundeprüfung ablegen und diese natürlich auch bestehen. Die Waffensachkunde gliedert sich dabei in einen theoretischen und einen praktischen Teil, also ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung. Und ich denke, dass man bei dieser Prüfung auch lernt, dass man nicht auf Menschen schießt! Mir tun die Eltern von Janina leid, die nicht nur ihre liebe Tochter verloren haben, sondern nun auch mit ansehen müssen, wie der ganze Prozess "zugunsten des Täters" gemacht wird!!!! Einfach Schade!

Bernhard, Mittwoch, 13.Januar, 23:59 Uhr

42. Schade

Ein Kind ist gestorben. Völlig sinnlos. Das wird natürlich pflichtgemäß bedauert. Und nach den in diesem Zusammenhang üblichen Floskeln verfällt man dann umgehend in einen reflexartigen Austausch altbekannter Standpunkte. Der unendlich traurige Vorfall verkommt so in vielen Kommentaren zu einem Mittel zum Zweck. Glauben Sie, dass das kleine Mädchen das verdient hat? Oder geht es am Ende gar nicht mehr um das Kind? Sicher, es heißt, man sollte angesichts solcher Tragödien nicht erstarren. Man sollte sich aber vielleicht mitunter auch fragen, ob es nicht auch Orte und Momente geben könnte, in denen man sich den einen oder anderen Kommentar besser verkneifen sollte oder wieviel das, was man meint sagen zu müssen, wirklich mit der Sache zu tun hat, um die es geht.

Ina, Mittwoch, 13.Januar, 23:57 Uhr

41. Todesschütze !!

Das darf doch nicht wahr sein.... ein unschuldiges Kind, gerade mal 11 Jahre jung wird per Kleinkalibergewehr wahllos umgebracht,
nur weil es unter Leuten war, die Feuerwerk in der Sylvesternacht sehen wollten. Das durch Feuerwerk + Böller ein gewisser Lärm entsteht, ist seit Jahrzehnten überall bekannt und eben an diesem einen Tag/dieser einen Nacht TRADITION. Dann hätte der Mensch wegfahren sollen in eine Gegend, wo das nicht gemacht wird. ABER EINFACH in die Menge SCHIESSEN GEHT GAR NICHT !!! Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Harald, Mittwoch, 13.Januar, 22:30 Uhr

40. Härtere Strafen !!

In Vor-Euro-Zeiten wurde auf den belgischen Franc-Scheinen potenziellen Fälschern in flämischer und französischer Sprache "Zwangsarbeit" als Strafe angedroht - und Belgien ist doch wohl ein Rechtsstaat, oder ?? Im übrigen hatte das Land bis Anfang der 1990er Jahre offiziell noch die Todesstrafe - die allerdings schon seit dem ersten Weltkrieg nicht mehr vollstreckt wurde, Begnadigung durch den König war üblich. In Deutschland stand das Wort "Zuchthaus" früher für eine deutlich verschärfte Form der Freiheitsstrafe- warum hat man sie nicht beibehalten? Heute kann es mich nur in Erstaunen versetzen daß ein berüchtigter Serienmörder tatsächlich volle fünfzig Jahre absitzen musste - ich dachte, das sei bei unserem Justizsystem gar nicht mehr möglich!.Im Raum Nürnberg wurden in letztere Zeit zwei junge Frauen Opfer von betrunkernen Autofahrern, einer beging auch noch Fahrerflucht - beide kamen mit lächerlichen dreieinhalb Jahren davon. für ein Menschenleben??
Für DEN hier echte 10J min.!!

Hans Holtz, Mittwoch, 13.Januar, 20:46 Uhr

39. Leichtsinn mit überaus üblen Folgen.

Dieser Idiot hat wohl selbst nicht damit gerechnet, dass er treffen könnte. Wozu manche Menschen aus Wut nur fähig sind...