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120 Jahre Röntgenstrahlen Ein Zufall als wissenschaftliche Revolution

Es war nur das Abfallprodukt eines Experiments, aber was Wilhelm Conrad Röntgen vor 120 Jahren in Würzburg entdeckte, veränderte die Welt. Bis heute sind die X-Strahlen wichtig - und werden durch moderne Techniken ergänzt.

Stand: 08.11.2015

Es war der 8. November 1895. Eigentlich wollte Physikprofessor Wilhelm Conrad Röntgen in seinem Labor an der Uni Würzburg nur die Lichterscheinungen eines bekannten Experimentes mit Kathodenröhren bewundern. Dann schlug der Zufall zu: Röntgen beobachtete, dass etwas entfernt von seinem Versuchsaufbau ein weiteres Glas strahlt - obwohl Kathodenstrahlung eigentlich nicht so weit reicht. Röntgen hält schwarzes Papier dazwischen, das Glas strahlt weiter. Ein Brettchen, die Strahlung bleibt sichtbar - und die wissenschaftliche Revolution nimmt ihren Lauf.

Pionierarbeit im Würzburger Labor

Gedenktafel an Röntgens ehemaliger Wirkungsstätte in Würzburg

Nach diesem Abend soll sich Röntgen sechs Wochen lang in seinem Würzburger Labor eingeschlossen und weiter experimentiert haben. Er fand heraus, dass die bislang unbekannte Strahlung beinahe keine Grenzen kennt und alles durchdringt. Röntgen nannte sie X-Strahlen. Das wohl erste Röntgenbild eines menschlichen Körperteils war die Aufnahme der Hand seiner Frau von Ende Dezember 1895. In den Folgemonaten danach stand die Fachwelt Kopf. Ein Kollege schlug vor, die Strahlen nach seinem Entdecker zu benennen, der Kaiser persönlich ließ sich alles erklären, vorführen und verlieh dem Physiker den höchst möglichen deutschen Orden. 1901 bekam er als erster Physiker den Nobelpreis.

Wie Röntgenstrahlen entstehen

Röntgenstrahlen entstehen in einer luftleeren Glasröhre, wenn zwischen zwei Elektroden eine sehr hohe Spannung entsteht. Wenn der Minuspol stark erhitzt wird, prallen austretende Elektronen mit hoher Geschwindigkeit auf den Pluspol. Dabei entsteht Röntgenstrahlung. Sie ist für das Auge nicht sichtbar und durchdringt Materie je nach Dichte unterschiedlich stark. Deshalb sind auf einem Röntgenbild Knochen gut zu erkennen, Weichteile dagegen nicht.

Weiterentwicklung durch die Wissenschaft

120 Jahre nach Röntgens Sternstunde sind die X-Strahlen nach wie vor wichtig in der Medizin - wenn auch mehr und mehr in Kombination mit modernen Techniken wie der strahlungsarmen Computertomographie oder der strahlenersetzenden Kernspintomographie. Und Röntgenstrahlen können heute auch bei Therapie angewendet werden. So könnten unter Röntgenkontrolle beispielsweise Laserstrahlen gegen Tumore an die exakt richtige Position gebracht werden. Der Patient wird schonend behandelt, eine große Operation wird unnötig - die Ärzte können in den Menschen hineinschauen, ohne ihn aufzuschneiden.

120 Jahre Entdeckung der Röntgenstrahlen - Sonderveranstaltungen in Würzburg

Am Sonntag, den 8. November 2015, ist es genau 120 Jahre her, dass Wilhelm Conrad Röntgen an der Universität Würzburg die nach ihm benannten Strahlen entdeckte. Deshalb finden in Würzburg einige öffentliche Veranstaltungen rund um das Thema statt - es wird sogar Breakdance im Hörsaal geben!

  • 7. November 2015, 10.30 Uhr: Öffentliche Vorlesungsreihe "Physik am Samstag": "Röntgenstrahlung in der modernen Materialprüfung - Röntgens Jagdgewehr im Mikro-Computertomografen". Der Vortrag von Professor Randolf Hanke wird ergänzt von der Breakdance-Tanzpremiere der Würzburger Tanzschule DanceEncore "Movement PhysiX - Erfolgsstory Röntgen". Ort: Max-Scheer-Hörsaal im Hörsaalbau der Naturwissenschaften der Universität Würzburg, Am Hubland.
  • 8. November 2015, 10.00-16.00 Uhr: Tag der offenen Tür der Röntgen-Gedächtnisstätte. Sie wurde zum 120. Jahrestag renoviert und modernisiert. An historischen Geräten werden die Original-Versuche gezeigt, die Röntgen damals durchgeführt hat. Führungen finden stündlich statt. Adresse: Röntgenring 8.
  • An verschiedenen Orten gibt es eine Ausstellung über Röntgen und sein Werk: bis 8. November im Würzburger Rathaus; vom 10. November bis 22. Dezember im Foyer des Hörsaalbaus der Naturwissenschaften am Hubland; vom 11. bis 29. Januar 2016 in der Sparkasse Mainfranken Würzburg in der Hofstraße 9.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Bescheidener Nobelpreisträger

Röntgen ist weltberühmt - die Gedächtnisstätte in Würzburg ist dennoch eher unscheinbar. In einem Gebäude der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt unterhält der Verein "Röntgen-Kuratorium Würzburg" das ehemalige Labor des Forschers. Dort können sogar die Originalversuche vorgeführt werden. Diese Bescheidenheit passt zu Röntgens Art. Er hat aus seiner Entdeckung nie Profit schlagen wollen, meldete absichtlich keine Patente darauf an. Seinen kompletten schriftlichen Nachlass ließ er ungelesen verbrennen. Von seinem wissenschaftlichen Geist sind deshalb nur die offiziellen Veröffentlichungen erhalten. Röntgen starb 1923 an Darmkrebs. Auf seine Arbeit mit den für den menschlichen Körper schädlichen Röntgenstrahlen ist das Experten zufolge aber nicht zurückzuführen.


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