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Rebecca-Prozess in Aschaffenburg Lebenslänglich für den Täter

Im Mordprozess Rebecca am Landgericht Aschaffenburg ist das Urteil gefallen: Der 32-jährige Täter muss lebenslänglich ins Gefängnis. Der Mann hat die hochschwangere Frau demnach erwürgt, weil er nicht wollte, dass seine Ehefrau von der Affäre erfährt. Das ungeborene Kind im Mutterleib (9. Monat) starb.

Von: Alexander von Ammon

Stand: 12.05.2016

Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Die Anklage lautete auf Mord in Tateinheit mit Schwangerschaftsabbruch. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf eine besondere Schwere der Schuld plädiert, da Jens M. aus niedrigen Beweggründen gehandelt habe. Das bedeutet, dass der 32-Jährige nicht nach 15 Jahren einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellen kann. Jens M. hatte die Tat vor dem Landgericht Aschaffenburg gestanden. Laut Gutachter war der Familienvater zur Tatzeit trotz Drogenkonsums voll schuldfähig. Der Richter bewertete auch die Kindheit des Angeklagten als nicht so schwerwiegend und zog damit eine Strafmilderung nicht in Betracht. Eine krankhafte Persönlichkeitsstörung sei ebenfalls nicht feststellbar.

"Er hat gezielt und berechnend gehandelt. Als er sie grausam erwürgt hat, bleibt er ganz kühl und entsorgt die Leiche in einer Garage. Anschließend kauft er in einem Blumenladen einen Strauß für seine Frau. Jens M. hat nach der Tat zu einem Kumpel gesagt: 'Ich bin skrupellos.'"

Staatsanwalt

Erste Reaktionen im Gerichtssaal

Während der Urteilsverkündung blieb Jens M. reglos und starrte geradeaus zum Richter. Deutliche Erleichterung hingegen war den Eltern des Opfers anzusehen. Zufrieden mit dem Urteil schienen auch Freunde von Rebecca, die im Zuschauerraum den Prozess mitverfolgten. Die Verteidigung könnte sich nun dafür entscheiden, in Revision zu gehen, um die Anzahl der Haftjahre zu reduzieren.

Verteidigung sah nur Totschlag

Nachdem der Staatsanwalt für den Hauptangeklagten lebenslänglich gefordert hatte, plädierte die Verteidigung auf Totschlag mit illegalem Schwangerschaftsabbruch und forderte ihrerseits eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Der Verteidiger sprach davon, dass Jens M. in seiner Familie nicht gelernt habe, Werte und Grenzen zu erkennen. Er könne nicht mit schwierigen Situationen umgehen. Obwohl er in seiner Frau und deren Familie Halt gefunden habe, gebe es immer noch eine dunkle Seite in ihm. Als Rebecca, seine Geliebte, schwanger wurde und nicht abtreiben wollte, sah Jens M. seine Familie, seinen Sohn, seine heile Welt in Gefahr.

Freund wegen Beihilfe zum Mord verurteilt

Der 26 Jahre alte Freund, der wegen Beihilfe vor Gericht stand, erhielt eine fünfeinhalbjährige Haftstrafe. Für Benjamin E. hatte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten wegen Beihilfe zu Mord und Schwangerschaftsabbruch gefordert: Er habe auf den Täter, der sein Freund war, einwirken und damit die Tat verhindern können. Er habe ihn aber in seinem Vorgehen sogar bestärkt, habe ihm sein Auto geliehen und ein Alibi gegeben. Laut Angaben des Gerichts soll Benjamin E. sogar gesagt haben: "Schmeiß sie doch die Treppe runter."

Der Tathergang am 13. Mai 2015

Rebecca W. war im 9. Monat schwanger von Jens M. Er soll die 24-Jährige aus Angst, dass ihr Verhältnis seine Ehe gefährden könnte, zu einem Schwangerschaftsabbruch aufgefordert haben. Als sie ablehnte, soll der LKW-Fahrer die Hochschwangere während eines Spaziergangs im Aschaffenburger Strietwald erwürgt haben. Im Mutterleib starb auch ihr ungeborenes Kind.

Der Fall hatte im Mai 2015 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Rebecca galt drei Tage lang als vermisst und wurde mit großem Aufwand gesucht. Nach Hinweisen wurden Jens M. und sein Freund Benjamin E. festgenommen. Anschließend fand die Polizei die Leiche der 24-Jährigen in einer Garage.

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