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Zombie-Walk in Aschaffenburg Protest gegen "Arbeitsunrecht" bei H&M

Die "aktion ./. arbeitsunrecht" hat vor sieben bayerischen H&M-Filialen gegen die angeblich "miesen Arbeitsbedingungen" bei der Modekette protestiert – unter anderem mit einem "Zombie-Walk" in Aschaffenburg. H&M wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Von: Katrin Küx

Stand: 13.10.2017

Der bundesweit agierende Verein "aktion ./. arbeitsunrecht" hat am Freitag (13.10.17) unter anderem vor H&M-Filialen in Bamberg, Nürnberg und Aschaffenburg Protestaktionen veranstaltet. Im Park Schöntal vor der Aschaffenburger City-Galerie demonstrierte eine "Parade der lebenden Arbeitszeit-Leichen".

"Die Beschäftigten von H&M arbeiten auf Abruf, werden mies bezahlt und haben Flex-Verträge, was Familien und Freundschaften zerstört."

 Torben Ackermann, Vorstandsmitglied 'aktion ./. arbeitsunrecht'

H&M sieht sich als "verantwortungsvoll agierendes Unternehmen"

Außerdem bekämpfe H&M in deutschen Filialen regelmäßig Mitglieder von Betriebsräten und Gewerkschaften, so der Vorwurf. Die Modekette weist die Anschuldigungen zurück. In einer schriftlichen Erklärung der Pressestelle heißt es auf BR-Anfrage:

"Wir erschweren keine Betriebsratsarbeit. Es ist auch nicht korrekt, dass wir Betriebsräte zermürben oder diesen juristisch nachstellen. […] Als kundenorientiertes Handelsunternehmen nutzen wir verschiedene Arbeitszeitmodelle, welche das deutsche Arbeitsrecht zulässt. Der Anteil unserer flexiblen Stundenkräfte liegt dabei in einem gesunden Verhältnis zu den Vollzeitkräften und ist auf verschiedene Faktoren, die bedient werden müssen, zurückzuführen: Öffnungszeiten und Kundenströme haben sich in den letzten Jahren geändert und der Einzelhandel an sich benötigt ein gewisses Maß an Flexibilität."

Pressestelle Modekette H&M

Schließung des Zentrallagers Großostheim als "Vergeltungsmaßnahme"?

Auch die geplante Schließung des H&M-Zentrallagers in Großostheim-Ringheim erhitzt die Gemüter. In Großostheim fand eine Betriebsversammlung der Mitarbeiter statt. Von der Schließung des Standorts wären 340 Beschäftigte betroffen. Torben Ackermann von der "aktion ./. arbeitsunrecht" spricht von einer "knallharten Vernichtung" von Arbeitsplätzen - und seine Vorwürfe gehen noch weiter: Ackermann sieht die Schließung als eine Art Vergeltung" an.

"Die geplante Schließung ist unserer Auffassung nach eine Vergeltungsmaßnahme, weil wir hier einen Streik-Betrieb haben, der der Geschäftsführung ungemütlich wurde, eine gewerkschaftlich gut organisierte Belegschaft und einen aktiven Betriebsrat!"

Torben Ackermann, Vorstandsmitglied 'aktion ./. arbeitsunrecht'

Von einer "Vergeltungsmaßnahme" will die Geschäftsführung von H&M nichts wissen. In der Stellungsnahme der Pressestelle heißt es:

"Es ist richtig, dass wir intern über eine geplante Restrukturierung des Geschäftsbereichs Logistik in Deutschland informiert haben. Es wurde bisher jedoch keine endgültige Entscheidung getroffen und wir werden uns zum jetzigen Zeitpunkt vorrangig auf den aktiven, offenen und konstruktiven Dialog sowie den konkreten Beratungen und Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen sowie den Informationen für unsere Mitarbeiter/innen konzentrieren. Einen Zusammenhang zwischen der geplanten Schließung und Betriebsrats- oder Gewerkschaftsarbeit weisen wir klar zurück."

Pressestelle Modekette H&M


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Kommentare

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Nadine, Samstag, 14.Oktober, 04:28 Uhr

7. H&M soll "kundenorientiert" sein?

Aha! Verstehe! Und deshalb wollte H&M anfangs in Landsberg am Lech erst keine Mode für Männer anbieten, als ob es keine Männer gäbe. Doch auch als Frau bin ich nicht gerade begeistert. Die Qualität hält sich doch in Grenzen und ist meist viel zu klein. Gut möglich, dass da die Arbeitsbedingungen nicht stimmen. Als Kundin kann man da halt schlecht ein Bild machen.

erwin, Freitag, 13.Oktober, 12:21 Uhr

6. H&M

An ettlichen Kommentaren hier ist viel wahres dran! Solange Unternehmen mit einem Slogan "GEiz ist Geil!werben können und damit auch noch neue Kunden gewinnen wird sich daran und dem Qualitäts grundsatz nicht´s ändern!I ch war selbst Unternehmer und hatte mit dem Qualität-Preis leistungs verhältnis zu kä,mpfen. Da viele KundenAuch Unternehmen trotz angeblich hohem Qualitätsanspruch(In Flyern etc:) über Ihre eigentlichen Produkte hinaus lieber billigen Schrott einkauften!letztendlich müssen wir Konsumenten umdenken auch wenn´s erst mal teurer ist, zahlt es sich letztendlichdurch längere Lebensdauer, Resourcenschonung aus!Also nicht greinen sondern handeln!

  • Antwort von max, Freitag, 13.Oktober, 14:19 Uhr

    @ "erwin": Dass Sie mit der Qualität zu Kämpfen hatten, dies glaube ich Ihnen aufs Wort.
    Auch Aldi- oder Media-Markt-Kunden kaufen aber nicht lieber "billigen Schrott", aber trotzdem kaufen sie meistens teuren Schrott, nur weil sie glauben es wäre billig (besonders Mediamarkt) oder einfach kein Schrott (Aldi).
    Marketing ist leider wichtiger als Leistung oder Qualität, wer laut schreit (Media-Markt, AfD etc.) hat schon beim Plebs halb gewonnen.
    Und teuer muss aber nicht auch gut sein, Sie könnten eine Ware oder Dienstleistung noch so teuer (oder billig) anbieten, ich würde bei einem Angebot in diesem Stil definitiv nie einen Gedanken an Qualität verschwenden. ^^

  • Antwort von highwayfloh, Samstag, 14.Oktober, 00:16 Uhr

    @erwin: Um Ihre gestellten Fragen auf der Realität fortzusetzen: "DPD" ist die Billlig-Tochter von "DHL" ... wie oft lesen wir kommentare, dass die Paketboten unzuverlässig usw. seien und keiner Deutsch spricht? Auf der anderen Seite wird aber von den Kunden erwartet, dass höchste Qualität und alles und "jederzeit" geliefert wird... . Und ja, ich weiss wovon ich spreche und bezüglich DHL: hab aus Interesse über einen Freund mal freiwillig am Hof von denen ein "Wiesel" (Umbrück-Fahrzeuzeug für Wechselbrücken gefahren)... ist Streß pur, da die Leute im Lager nach Zeitvorgabe die Wechselbrücken entladen müssen und das entsprechende Band sol keine 10 Minuten still stehen. Diejenigen, welche aber wirklich "ausladen" sind die letzten in der Futterkette... der, der die Frachtstücke einscannt ist schon Vorabeiter... und ih hab es mit eigenen Augen gesehen.... die "Ausräumer" waren alles Billig-Arbeitskräfte und werden regelmäßig mit einem Auto von einem Personaldiesntleister abgeholt.

  • Antwort von highwayfloh, Samstag, 14.Oktober, 00:24 Uhr

    @erwin: Nachtrag wegen Zeichenbegrenzung.

    Allein dies sagt doch vieles aus... wie weit sich die Wertschätzung gesellschaftlich verschoben hat, ob der Aufgabe welcher jemand tut. Hauptsache man kann irgendwo noch absahnen! Hab mir selbst schon überlegt vom LKW auf "Hof-Fahrer" / "Wiesel" umzusteigen, aber das muss ich nicht haben schon gar nicht, dass die ganzen "Rangierer" ebenso outgescourct sind. Die ganze Transportbranche läuft über die ganze Sub-Sub-Sub-Sub-Sub-Sub-Unternehmerkette ...

    und wie Du richtig ansprichst: ob es in diversen Bereichen gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen gibt, liegt SEHR WOHL ans "uns", den Konsumenten... auch wenn wir zugleich eventuelle Arbeitnehmer der entsprechenden Firmen sind. Breiter Protest und konsequente Einforderung unserer RECHTE - nicht nur für "uns" sondern für ALLE! Alles andere wäre verlogen!

Bürger, Freitag, 13.Oktober, 11:52 Uhr

5. Phantasiewelt und Realität

In welcher Welt leben eigentlich hier die ganzen Phantasten, die glauben alle müssen gerecht, angemessen , anständig (was ist das überhaupt?) bezahlt werden, und dann noch ihre "Work-Live Balance" managen gleichzeitig auch noch umweltfreundlich, bio und öko und fairtrade kaufen wollen ?
Der "Zug ist schon lange abgefahren" und Deutschland hat mit seiner Globalisierungspolitik das Tor für in der ganzen Welt auch hinsichtlich Arbeitsbedingungen weit aufgemacht, und wird nie mehr geschlossen werden. (Und die Gewerkschaften haben emsig mit gemacht). Es findet sich immer jemand anderes, der es billiger etc. macht, denn die Überbevölkerung bildet ein unerschöpfliches Reservoir. Da können Phantasten von einer Arbeitswelt träumen, die es nie geben wird.

  • Antwort von Nadine, Samstag, 14.Oktober, 04:30 Uhr

    Zumindest nicht so lange, so lange es eine FDP gibt, die ja bekanntlich nur dem Geld hinterher läuft. 10% Wähler für diese Partei sprechen dabei eine eindeutige Sprache. Bessere Arbeitsbedingungen scheinen nicht gewünscht zu sein.

Manfred, Freitag, 13.Oktober, 10:25 Uhr

4. Jedem das Seine und Mir das Meiste

Die wenigsten Denken sich was dabei wo es herkommt und wo es hingeht . Das Problem ist dei Billigkultur und in der Gesellschaft wird man ja für Dumm verkauft wenn man da nicht mitmacht , möglichst Viel für möglichst wenig Geld .
Allerdings sich Sozial Umweltgerecht zu verhalten ist Sehr Anstrengend aber man ist dich selber Ehrlich weil es kommt alles zu einem zurück .

  • Antwort von Markus, Freitag, 13.Oktober, 22:30 Uhr

    Ja? Ernsthaft? Alles kommt zu einem zurück? Komisch, daran mag ich in unserer schneller-härter-lauter Welt nicht so recht glauben. Ich denke, wenn Sie so Leben, verzichten Sie auf eine Menge Lebensqualität und schöne Momente. Das fängt im Kleinen an und hört im Großen auf. Und dann werden Sie eines Tages sterben, bevor irgendetwas zu Ihnen zurück gekommen ist. Was haben Sie dann von all Ihren Anstrengungen gehabt? Mir ist auch nicht ganz klar, was genau das sein soll, von dem Sie ausgehen, dass es zu Ihnen zurück käme...

Wolfgang, Freitag, 13.Oktober, 10:25 Uhr

3. Weniger Verkaufsflächen, weniger Öffnungszeiten.

bürgermeister, lasst euch nicht gegenseitig ausspielen, was ist es denn schlimm wenn eine Firma droht in die Nachbarstadt zugehen, dort drohen sie auch zu euch zu kommen...

Und 50h/Woche reichen aus daß jeder seine Socken, Schnitzel oder Zahnpaste kaufen kann, auch für Nähgarn, Bücher, Tauchausrüstung oder Modellbahnartikel.

Und wozu Tankstellen mit Nachtöffnung, moderne Fahrzeuge haben 600 bis 900km Reichweite. Für "Notfälle" würde alle 200km eine geöffnete Tankstelle an Autobahnen ausreichen.

Und Bier und Grillkohle ist kein Fernreisendenbedarf, allenfalls Wasser, Cola-Getränk, Kekse, Schokolade und Äpfel als "Notverpflegung"!

  • Antwort von Grün, Freitag, 13.Oktober, 23:59 Uhr

    Volle Zustimmung!