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Segnitzer Landwirt klagt an Will der Handel wirklich nur Gurken in Plastik?

Das Video verbreitet sich im Netz viral: Weil große Handelsketten angeblich nur noch in Plastik verpackte Gurken annehmen, hat ein Landwirt aus Segnitz sein Gemüse teilweise auf dem Acker untergepflügt. Nun widerspricht der Handel dem Landwirt teils vehement.

Von: Sigrid Korn

Stand: 12.06.2017

Das Facebook-Video zählt mittlerweile 2,5 Millionen Aufrufe und wurde mehr als 70.000 mal geteilt. Darin beschuldigt Landwirt Franz Hagn große Handelsketten wie Rewe, sie würden nur noch in Plastikfolie verpackte Gurken annehmen. Diesen Aufwand kann sich Hagn nicht leisten, sagt er. Deshalb hat er einen Teil seiner Ernte demonstrativ vor laufender Kamera vernichtet. Die restlichen Gurken – insgesamt sechs Tonnen – verkauft er für zehn Euro pro zehn Kilo. Bereits am Sonntag kamen die ersten Kunden, zum Teil aus 20 Kilometern Entfernung. Das Gemüse findet reißenden Absatz.

Handelsketten reagieren verärgert

Doch die Einzelhändler, die er in dem siebenminütigen Film explizit anklagt, reagieren ihrerseits teilweise erbost. "Wir bieten den Artikel Minigurken/Brotzeitgurken seit Jahren in beiden Formen – je nach Vorliebe der Kunden – lose und verpackt an. An dieser Wahlmöglichkeit für den Verbraucher hält die Gruppe auch weiterhin fest", sagte ein Edeka-Sprecher dem Bayerischen Rundfunk. Rewe reagierte mit einer schriftlichen Stellungnahme:

"Wir können die Aktion des Erzeugers weder nachvollziehen noch gutheißen. Der Landwirt ist uns nicht bekannt und beliefert auch die REWE nicht direkt. Richtig ist, dass der Erzeuger Mitglied in einer Vermarktungsgenossenschaft ist, die die REWE Region Süd regional mit verschiedenen Gemüseartikeln beliefert. Die Aussage des Landwirts, dass es eine Abnahme von Minigurken durch REWE in 2017 geplant sei, ist schlichtweg falsch. Zwischen der genossenschaftlichen Erzeugergemeinschaft, in der der Landwirt Mitglied ist, und der REWE Zentrale gab und gibt es sowohl in der Vergangenheit als auch in diesem Jahr keinerlei vertragliche Abmachungen über die Abnahme von Minigurken. Grundsätzlich vermarktet REWE sowohl unverpackte Minigurken von lokalen / regionalen Erzeugern als auch Minigurken in der Pappschachtel mit einer Folie drum. Im Übrigen hat uns die Erzeugergenossenschaft versichert, dass die gesamte Minigurken-Ernte des Landwirts über sie hätte vermarktet werden können."

Thomas Bonrath, REWE Group

Vielleicht wurde Franz Hagn von der Online-Plattform "Fränkische Illustrierte", auf deren Seite das Video veröffentlicht wurde, sogar "ein bisschen missbraucht". Das jedenfalls mutmaßt Peter Höfler vom Bayerischen Bauernverband. Seiner Meinung nach ist es zu kurz gegriffen, das Problem auf den Einzelhandel abzuwälzen.

Wasser musste abgedreht werden

Landwirt Franz Hagn (Mitte) mit zwei Kunden.

Hagn berichtet hingegen, er habe im Mai von der Entscheidung der Lebensmittelmärkte erfahren, fast nur noch verpackte Minigurken anzunehmen. Da seien die Gewächshäuser längst bepflanzt gewesen. Seit Jahren habe er auf rund 6.000 Quadratmetern Fläche Brotzeitgurken angebaut. Zwischen April und Oktober ernte er üblicherweise zwischen 1.500 und 2.000 Kilo am Tag. Nun habe er den Brotzeitgurken in den Gewächshäusern zwangsläufig das Wasser abdrehen müssen. Gerade mal 20 Prozent seiner Ernte hätte er in letzter Zeit verkaufen können, das sei zu wenig, um die Produktionskosten zu decken.

Jetzt Schlangengurken

In drei Wochen will der Unterfranke den Neustart mit Schlangengurken wagen. Die hätten im Handel auch ohne Plastikhülle eine Chance. Schließlich müsse er auch an seine Mitarbeiter denken. Sechs Menschen habe er allein für Gurken angestellt.


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Christian, Mittwoch, 14.Juni, 17:58 Uhr

12. billig, billiger, am billigsten

Gurken bei Aldi und Co für nur 9 Cent???
Fleisch (egal welcher Art) für 1.99 das Kilo???
Und dann richtet Ihr Kommentatoren alle mit erhobenem Zeigefinger auf die Supermärkte?
Ihr seid doch die ersten die sich voller Gier drauf stürzen!
Selbst erlebt bei Rewe: Kundin: "Schau mal, der Kopfsalat ist aber teuer(69ct). Holen wir besser bei Netto.
Lebensmittel haben in Deutschland KEINEN Wert. Also werft hier nicht mit Steinen im Glashaus. Die Bauern stehen unter enormen Druck weil IHR das so wollt!

Gurke, Dienstag, 13.Juni, 10:47 Uhr

11. Eine ganze Ernte vertrocknet

Der Bauer lässt also seine Pflanzen jetzt zum persönliche Vergnügen vertrocknen. Das da etwas nicht stimmen kann, an der Darstellung der Konzerne, sieht ein Blinder mit Krückstock.

M&M, Montag, 12.Juni, 19:05 Uhr

10. Der Verbraucher

Ich finde es seltsam, das der Verbraucher, angeblich Plastik bevorzugt. Ich meine Rewe sagt zwar, das sie immer zwei Varianten anbieten, jedoch spricht mich verpacktes Gemüse nicht an und ich wurde als Verbraucher noch nie gefragt, was ich bevorzuge. Ich finde die Lebensmittelgeschäfte könnten Fragebögen für die Kunden erstellen, wo die Frage auftaucht, ob ich lieber pestizidfreies , unter Sonnenlicht und gesunder Erde mit Naturdünger wie Brennesell und plastikfreiem Gemüse kaufen möchte, oder lieber Gemüse in Plastik abgepackt, welches nicht ökologisch erzeugt wurde. Welcher Mensch, würde sich bewusst für Lebensmittel entscheiden, die giftig sind und der Umwelt Schaden? Ich kaufe immer regional und Bio - Gemüse ohne Plastik! Kostet mehr, ist aber gesünder und schmeckt deutlich besser!

Gurkenkönig, Montag, 12.Juni, 17:15 Uhr

9. Gurkentruppe

Kann der Landwirt seine Aussage, er hat im Mai die Info erhalten, dass REWE & Co, nur noch abgepackte Gurken annehmen, belegen? z.B. Brief oder Telefonat, mit Notiz und Namen des Gesprächspartners? falls ja, wäre es okay, den Brief der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sollte sich seine Aussage bestätigen, gibts für REWE und Co. keine Ausreden mehr. Am besten, die zahlen dem Herrn dann gleich 100.000 Euro. So hoch wird der Schaden sein.

Roland Kokorsch, Montag, 12.Juni, 14:13 Uhr

8. Gurken

Samstag 10. Juni in Kitzingen (9 km von Segnitz ! Etwashausen oder Albertshofen eine von vielen Gärtnersortschaften)
Zum einkaufen fahre ich in mehrere Supermärkte, weil es mal wieder nicht überall deutsches Gemüse bzw Salat gibt. Der Lidl hat nur spanische Gurken aber hier nehme ich mir schon mal die deutschen Radieschen mit und weiter gehts... Zuhause sehe ich dann das Gurkenvideo und kann nur denn Kopf schütteln. Da kriegst beim Supermarkt keine deutsche Gurken... Kein Wunder wenn die Erzeuger der Willkür von Konzernen ausgesetzt sind. Preise und Prospekte stehen schon vor setzten der Jungpflanzen fest! Lobby - Politik und Kontrollen versagen in gewohnter Art.