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Erfolgreiche Bandwurm-Forschung Würzburger Forscher Klaus Brehm bekommt Preis

Heute wird der Memento-Preis an den Würzburger Bandwurm-Forscher Klaus Brehm verliehen. Damit werden jedes Jahr Forschungsarbeiten ausgezeichnet, die sich vernachlässigten Krankheiten widmen, die mit Armut in Verbindung stehen.

Von: Hannah Hauptmann

Stand: 24.02.2016

Wer kontrolliert die Forschung? | Bild: colourbox.com

Infektionserkrankungen sind im Europa des 21. Jahrhunderts kein großes Thema mehr. Betroffenen kann in den meisten Fällen rasch und effektiv geholfen werden. Für ein Drittel der Weltbevölkerung können Infektionen und Parasiten jedoch lebensbedrohlich sein. Um die Verbreitung von vernachlässigten und armutsassoziierter Krankheiten global einzudämmen, wird nun zum dritten Mal der Memento Preis in der Kategorie "Forschung und Entwicklung" vergeben. Zur Verleihung haben die Veranstalter am Mittwoch, den 24. Februar in die Berliner Charité geladen.

Forschungen zu Bandwurm-Erkrankungen immer noch unzulänglich

Dr. Klaus Brehm, Gewinner des Memento Preises 2016

In diesem Jahr geht der Preis an Dr. Klaus Brehm und sein Team vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg. Sie haben die Genome des Fuchsbandwurms erfolgreich entschlüsselt.

Mit ihrer Forschungsarbeit haben sie dazu beigetragen, dass nun Medikamente gegen weltweit vorkommende Bandwurm-Erkrankungen entwickelt werden können.

Der Jury-Vorsitzende Stefan Kaufmann betont, dass die Medizin immer noch zu wenig über die Eigenschaften von Krankheitserregern wisse:

"Dabei ist dieses Wissen entscheidend für die Entwicklung von dringend benötigten Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika gegen diese Krankheiten, an denen Millionen Menschen weltweit leiden."

Stefan Kaufmann, Jury-Vorsitzender und Direktor des Arbeitsbereiches Immunologie am Max-Planck Institut für Infektionsbiologie

Investitionen in Anti-Faltencremes viel höher

In Deutschland treten Fuchsbandwurm-Erkrankungen relativ selten auf. Dennoch kann der Parasit lebensbedrohlich sein, wenn ein Befall nicht wie Krebszellen durch eine Chemotherapie behandelt wird. Es gibt auch Medikamente, die mehrmals täglich bis zum Lebensende eingenommen werden müssen. Denn bislang konnten keine Behandlungsmethoden wntickelt werden, die auch alle Eier abtötet, die sich im Körper befinden.

"Dafür wird in den Industrienationen zu wenig getan. Wir investieren hierzulande weniger in die Bekämpfung tödlicher, vernachlässigter Krankheiten als in die Entwicklung neuer Anti-Faltencremes. Ich sehe da ein gewisses Missverhältnis."

Dr. Klaus Brehm, Gewinner des Memento Preises 2016

Schon im Jahr 2013 äußerte sich Brehm mit seiner Expertise zum Fuchsbandwurm. Damals gab er Entwarnung, als kurzzeitig eine Hysterie darüber ausbrach, dass keine im Wald gepflückten Beeren verzehrt werden sollten. Infizierte Füchse würden nämlich auf Sträucher urinieren und so die Eier des Fuchsbandwurms übertragen.

Hintergrund

Der Memento Preis wird jedes Jahr von den Bündnispartnern Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe und der BUKO Pharma-Kampagne verliehen. BUKO untersucht Aktivitäten der deutschen Pharmaindustrie im sogenannten globalen Süden. Die Kategorie "Forschung und Entwicklung" ist mit 5.000 Euro dotiert. Eine Voraussetzung ist, dass die Forschungsaktivitäten mit öffentlichen deutschen Geldern finanziert und die Ergebnisse in den vergangenen 24 Monaten veröffentlicht wurden. Martin Mehringer darf sich derweil über den Memento Journalistenpreis freuen. Er ist für seinen Bericht "Heilung an Bord" über ein Hospitalschiff,  das vor Madagaskar ankert, ausgezeichnet worden.


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