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Forschung an der Uni Würzburg Mit bekannten Medikamenten gegen Kinderdemenz

Demenz ist nicht unbedingt eine Frage des Alters: Deutschlandweit sind rund 500 Kinder und Jugendliche von der Krankheit betroffen. Forscher der Universität Würzburg haben nun herausgefunden, dass etablierte Medikamente die Folgen der Kinderdemenz lindern können.

Stand: 08.08.2017

Kinderdemenz - im Fachjargon "Neuronale Ceroid-Lipofuszinosen" (CLN) – macht sich zunächst durch eine Verschlechterung der Sehleistung bemerkbar, meist im Schulalter. Ein schleichender Degenerationsprozess führt bei den Betroffenen dazu, dass nach und nach die geistigen und körperlichen Fähigkeiten sowie das Augenlicht verloren gehen. NCL-Patienten werden selten älter als 30 Jahre.

Klinische Studien geplant

Da es sich um eine seltene Erkrankung handelt, haben die meisten Pharmafirmen kein Interesse, entsprechende Medikamente zu entwickeln. Umso wichtiger ist die Entdeckung, die Prof. Rudolf Martini und sein Team an der Uni Würzburg gemacht haben: Demnach können Fingolimod und Teriflunomid – Medikamente, die gegen multiple Sklerose eingesetzt werden – die Folgen der kindlichen Demenz lindern. Vorteil: Die Nebenwirkungen und Risiken dieser Medikamente sind bereits bekannt.

"Im Tiermodell haben die beiden Medikamente krankhafte Veränderungen im Gehirn und andere klinische Parameter wie die Häufigkeit von Muskelzuckungen deutlich reduziert."

Pressemitteilung der Uni Würzburg.

Im nächsten Schritt sollen die Medikamente nun in kontrollierten klinischen Studien erprobt werden. Unterstützt werden die Forscher dabei vom Würzburger Zentrum für seltene Erkrankungen, der neurologischen Klinik sowie der Augenklinik.

NCL-Stiftung

2002 gründete Dr. Frank Husemann die NCL-Stiftung, nachdem bei seinem Sohn Tim Kinderdemenz diagnostiziert wurde. Seit der Gründung setzt sich die gemeinnützige Stiftung aktiv für die nationale und internationale Forschungsförderung ein, um den betroffenen Kindern eine Aussicht auf bislang fehlende Therapie- und Heilungsansätze zu geben. Dieses Vorhaben wird durch die Initiierung, Finanzierung und Unterstützung von (inter-)nationalen Forschungsprojekten, weltweite Forschungskooperationen und gezielte Vernetzungsstrategien für die Bildung eines umfangreichen NCL-Netzwerkes vorangetrieben. Die Stiftung wurde vor kurzem mit dem HanseMerkus Preis für Kinderschutz 2016 ausgezeichnet


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