Infoveranstaltungen zu Suedlink Erdverkabelung lässt Proteste verstummen

Es war in Unterfranken ruhig um die umstrittene Gleichstromtrasse Suedlink geworden, die Windstrom nach Süddeutschland bringen soll. Nun informierten die Betreiber in Karlstadt und in Heustreu über die geplante Erdverkabelung.

Stand: 18.10.2016

Infoveranstaltung zu Suedlink und Erdverkabelung in Heutreu im Landkreis Rhön-Grabfeld | Bild: BR / Norbert Steiche

In der Festhalle in Heustreu im Landkreis Rhön-Grabfeld drängten sich die Menschen am Montagabend (17.10.16) um die Landkarten mit den möglichen Trassenverläufen. Nach heftigen Protesten sollen die Kabel nicht  mehr auf bis zu 75 Meter hohen Masten liegen, sondern unter die Erde verlegt werden.

Tennet gibt Auskunft

Netzbetreiber Tennet war mit zwölf Mitarbeitern angereist. Sie erklärten den Zuhörern zum Beispiel, dass die Kabel 1,6 Meter tief unter die Erde kommen und wie breit die Trasse werden wird. Außerdem beantworteten sie Fragen, die sich zum Beispiel darum drehten, welche Auswirkungen durch elektromagnetische Strahlungen auftreten könnten. Landwirte wollten wissen, inwieweit der Anbau auf ihren Feldern durch die Trassenführung beeinträchtigt werde. Der Pressesprecher von Tennet, Matthias Fischer, versuchte, zu beruhigen: Bei den magnetischen Feldern würden die Grenzwerte weit unterschritten. Die Werte lägen in einem Bereich, der in etwa dem natürlichen Magnetfeld der Erde entspräche. Den Landwirten versprach er, dass sich die Beeinträchtigungen in Grenzen halten würden. Sollte es dennoch zu Ernteeinbußen kommen, würden diese entschädigt.

Trasse bis zu 30 Meter breit

Tennet will zwei Trassen vom Norden Deutschlands nach Bayern und Baden-Württemberg legen. Von Wilster bei Hamburg bis Grafenrheinfeld und von Brunsbüttel bis Großgartach in Baden-Württemberg. Werden beide Leitungen nebeneinander gebaut, wird die Trasse etwas 30 Meter breit. Bäume mit tiefen Wurzeln dürfen nicht mehr angepflanzt werden, um die Leitungen nicht zu beschädigen. Ackerbau soll aber möglich sein.

Main kann untergraben werden

Zwei große mögliche Trassenkorridore soll es geben. Einer verläuft westlich von Bad Brückenau in Richtung Süden, der zweite kommt von Thüringen ins Streutal. Der Main - wenn der westliche Verlauf realisiert wird - kann untergraben werden.

Infofahrt nach Norddeutschland

Wie in Heustreu blieben auch bei der Infoveranstaltung in Karlstadt im Landkreis Main-Spessart große Proteste aus, nachdem klar geworden ist, dass die Kabel in die Erde gelegt werden sollen. Sorgen machten sich die rund 150 Bürger aber um Naturschutzgebiete, zum Beispiel rund um die Homburg. Auch Landwirte zeigten sich verunsichert. Um die Bedenken der Landwirte zu zerstreuen, will Tennet für Bauernverbandsgruppen Fahrten nach Norddeutschland zu bestehenden Erdleitungen organisieren.

Neuer Widerstand formiert sich

Während also in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Main-Spessart weitgehend Ruhe eingekehrt ist, droht in anderen Gebieten durch die Erdverkabelungs-Pläne neues Ungemach. In Thüringen formiert sich bereits kräftiger Widerstand gegen die neuen Trassenpläne. Und auch der Landkreis Kitzingen protestiert gegen einen Verlauf von Suedlink durch sein Gebiet.