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"Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot" Neuer Verein verbannt Geschmacksverstärker

In Gefäll in der Rhön hat sich am Wochenende der Verein "Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot" gegründet. Er tritt ein für eine Wurst, die ohne Geschmacksverstärker auskommt.

Von: Anke Gundelach

Stand: 05.12.2016

Wurstplatte bei der Gründung des Verein "Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot" am 2. Dezember 2016 | Bild: BR/Anke Gundelach

Rund 30 Metzger, Direktvermarkter, Innungsvertreter, Gewürzhersteller, Gastronomen und Freunde guter Wurst kamen am Freitagabend ins DJK-Sportheim von Gefäll. 18 Besucher unterschrieben die Beitrittserklärung. Viele weitere, die nicht anwesend sein konnten, haben bereits angekündigt, Mitglied werden zu wollen.

Gutes Verkaufsargument

Kilian Moritz erläutert seine Idee.

Ideengeber des Projekts ist der gebürtige Gefäller Kilian Moritz, studierter Musiker, Medienprofessor und ehemaliger Volksmusikredakteur im BR-Studio Franken. Ihn hatte es schon lange gestört, dass in vielen Lebensmitteln - und vor allem auch in den meisten Würsten - Geschmacksverstärker wie Mononatriumglutamat enthalten sind. Die wenigsten Verbraucher, sagt er, wüssten davon. Sogar dem Geschmack der guten fränkischen Bratwurst werde nur zu oft mit Hilfsmittelchen auf die Sprünge geholfen.

Moritz' Idee vom Verein "Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot" kam bei vielen Metzgern in der Region sehr gut an. Vor allem kleinere Handwerksbetriebe, die ohnehin schon ohne künstliche Geschmacksverstärker arbeiten, freuen sich über die Initiative und sehen sie als Möglichkeit, der industriell hergestellten Wurst etwas entgegenzusetzen.

Mehr und mehr Überzeugte

Markus Alles aus dem Burkardrother Ortsteil Frauenroth zum Beispiel, war von Anfang an mit Feuer und Flamme dabei. Bei ihm wird die Hausmacherwurst schon immer nach altüberlieferten Rezepturen hergestellt. Nur Salz und Naturgewürze kommen in die Wurst, sonst nichts, ebenso wie bei Mirco Gensler aus Unsleben im Landkreis Rhön-Grabfeld. Er mischt seine Gewürze in der eigenen Gewürzmanufaktur selbst und hat sich damit einen Kundenstamm erobert, der teils weite Anfahrten in Kauf nimmt. Viele, sagt er, kämen zum Beispiel sogar aus Schweinfurt oder Meiningen, weil sie wüssten, dass bei ihm keine Geschmacksverstärker verwendet werden.

Gefragt bei Kunden mit Allergien

Auch bei Susanne Wirsing von der Landwirtschaftlichen Direktvermarktung Borst in Rheinfeldshof bei Bad Neustadt ist die Wurst ohne Geschmacksverstärker sehr gefragt. Viele Kunden, die unter Allergien leiden, fragen im Hofladen gezielt danach. Alfred Kaiser aus Aidhausen, Innungsobermeister der Metzerinnung im Landkreis Hassberge, hat den heimischen Betrieb vor gut einem Jahr auf Wurst ohne künstliche Zusatzstoffe umgestellt. Den Kunden sagte er davon zunächst nichts. Einige, meint er, hätten zwar bemerkt, dass die Wurst nun etwas anders schmecke, niemand hätte sich allerdings beschwert, dass sie schlechter schmecken würde als früher. Auch er hält diesen Weg vor allem für kleinere Metzgereien für den richtigen.

Unter den Gastronomen am Gründungsabend war Harald Spath vom Hotel Gasthof Nöth in Morlesau bei Hammelburg. Bei ihm wird ohne künstliche Zusatzstoffe gekocht, sodass er sich freut, wenn er auch Wurst aus der Region beziehen kann, die ohne auskommt. Auch die Vereinigung "Slow Food" ist bereits auf das "Fränkische Wurst-Reinheitsgebot" aufmerksam geworden und war am Gründungsabend mit zwei Personen vertreten.

Schon eigenes Logo

Markus Alles (l.) und Kilian Moritz mit dem neuen Logo

Zum Vereinsvorsitzenden wurde am Ende eines langen Abends Markus Alles gewählt. Ideengeber Moritz freute sich über die gute Resonanz und den gelungenen Start für den Verein. Für ihn war es naheliegend, ihn noch im Jahr 2016 zu gründen, dem Jubiläumsjahr "500 Jahre Bier-Reinheitsgebot". Aus der Vereinsführung will er sich selbst bewusst heraushalten. Dass sollen jetzt die Metzger machen.

Laut Satzung handelt es sich beim Verein "Fränkischen Wurst-Reinheitsgebot" um eine freiwillige Selbstverpflichtung der Mitglieder, ihre Wurst ohne Geschmacksverstärker herzustellen. Mit dem Vereinslogo, das Grafikerin Babs Müller-Schleich aus Hergolshausen entworfen hat, dürfen die Mitgliedsbetriebe werben und den Kunden signalisieren, dass sie in diesem Laden Wurst frei von zugesetzten künstlichen Geschmacksverstärkern kaufen können.


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Seifert , Manfred, Dienstag, 13.Dezember, 03:39 Uhr

12. Meinungsvielfalt

Hallo
Warum werden unliebsame Meinungen ausgeblendet ?
Geschmacksverstärker und Süßstoffe als Mastmittel für Tier und Mensch .
War das jemals die fränkische Art ?

M . Seifert

stefan schindler, Montag, 12.Dezember, 09:45 Uhr

11. wer macht da mit?

Hallo zusammen,
habe den Beitrag auf QUER gesehen! bin begeistert von der Idee. aber welche Metzger machen da mit? gibts ein adressenverzeichnis? wäre super! dann kann man das als verbraucher unterstützen!

grüße und weiter so

Lutz, Sonntag, 11.Dezember, 19:11 Uhr

10. Verein Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot eV

Wäre schön wenn es ein Vertriebssystem nach Bremen und Anderswo hin geben würde. Einige Metzgereien aus der Eifel verschicken ihre Produckte
Deutschlandweit. Z.B. über Gruppenbestellungen.

Pölzl Johannes, Samstag, 10.Dezember, 10:05 Uhr

9. Geschmachsverstärker

Sehr geehrter Verein, ich begrüße es sehr, daß sie sich zusammengeschlossen haben. Meine Frau hat eine Glutamat-Allergie und hier in Feucht bei
Nürnberg haben wrir alle hiesigen Metzgereien angefragt, aber es ist alles mit Geschmacksverstärker. Ca. 20 km weg ist Neumarkt/Opf. die Jura Fleischwaren und dort liegt eine große Liste auf, fast alles ohne Geschmachsverstärker, Glutamat und Laktose. Wenn Sie in unserer Gegend um Feucht hertum noch jemand wissen, der mit Reinheitsgebot arbeitet, lassen Sie es mir bitte wissen. Ich war selbst Metzger und haben damals unsere
Gewürzmischungen noch selbst gemacht. Weiter so.
Mit freundlichen Grüßen Johannes Pölzl6

Anton Horak, Freitag, 09.Dezember, 20:01 Uhr

8. Die Wurst soll wieder schmecken

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe in der Sendung Quer, vom 8. Dezember 2016 unter anderem auch Herrn Alfred Kaiser beim "Wursten" gesehen.
Ich bin 69 Jahre und schmecke noch immer die Bratwurst von früer, beim Zusehen ist mir Wasse in den Mund geschossen.
Ich wünsche Herr Kaiser viel Erfolg für seine Mutige Entscheidigt. Ich lebe in der Nähe von Wien, Fleisch kaufe ich schon seit Jahren nicht mehr im Suprtmarkt, aber bei den Bratwürsten ist auch mein Fleischhauer nicht so weit.
Vielleicht haben einige Fleischhauer diese Sendung gesehen und denken doch noch um.
Viel erfolg wünscht Ihnen
Anton Horak