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DAHW wird 60 Weltweites Hilfswerk entstand am Wohnzimmertisch

Mit einem Empfang der Stadt Würzburg startet im Würzburger Rathaus die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) in ihr 60. Jubiläumsjahr. Das Hilfswerk gehört heute zu den größten in der Lepra- und Tuberkulosebekämpfung weltweit.

Von: Eberhard Schellenberger

Stand: 19.01.2017

Gegründet wurde die DAHW am 18. Januar 1957 von sieben Personen in einem  Wohnzimmer in Zell bei Würzburg. Irene Kober ist das letzte noch lebende Gründungsmitglied. An diesem Dienstag (17.01.17) feierte sie ihren 91. Geburtstag, zu dem auch Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg und Geschäftsführer Burkard Kömm gratulierten.

Im Wohnzimmer von Irene Kober begann vor 60 Jahren alles. Ein Fernsehteam der Frankenschau gratuliert zu ihrem der 91. Geburtstag.

Da, wo sich heute das Schlafzimmer befindet, war früher das Wohnzimmer der Familie. Hier hatten sich am Gründungstag neben Irene und Hermann Kober noch Graf Franz von Magnis, Richard Recke, Herbert Fischer, Konstantin Funk und Martha Heer versammelt und riefen das "Aussätzigen Hilfswerk" ins Leben.

"Es ist ein Wunder, was aus unserer Gründung vor 60 Jahren entstanden ist."

Gründungsmitglied Irene Kober 

DAHW beantragt Straßenbenennung

Die Übergabe des Antrags

Nun hätte das DAHW gerne eine Strasse oder ein Platz nach ihrem Gründer Hermann Kober benannt. Beim Empfang wurde Oberbürgermeister Christian Schuchardt von DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm ein entsprechender Antrag überreicht .Der 1998 verstorbene Journalist Hermann Kober hatte am 18. Januar 1957 mit sechs weiteren Personen das deutsche Aussätzigenhilfswerk gegründet, das später in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe umbenannt worden ist. Sowohl Oberbürgermeister Christian Schuchardt als auch sein Stellvertreter Bürgermeister Adolf Bauer wollen sich für eine Straßen- oder Platzbenennung durch den Stadtrat einsetzen.

Bericht über Menschen mit "Löwengesichtern"

"Jeden Pfennig für die Aussätzigen", unter diesem Titel  war eine Reportage des Journalisten Franz Graf Magnis erschienen,  die alles ins Rollen gebracht hatte. Er berichtet  aus Äthiopien von Menschen mit aufgeschwollenem "Löwengesicht" und von Menschen, die ohne Hände und Füße über staubige Straßen rutschen. "So etwas können wir unseren Lesern nicht zumuten“, entschieden einige Chefredakteure. Doch mehrere andere Zeitungen in Deutschland druckten die Reportage und lösten damit eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Im äthiopischen Bisidimo entstand mit Hilfe aus Würzburg eine Leprastation. Bald danach gingen zahlreiche Projektanträge aus Afrika, Asien und Lateinamerika ein. 

"Es gibt zwei revolutionäre, medizinische Entdeckungen in der Geschichte Würzburgs: Die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Mitentwicklung des Medikaments gegen Lepra."

Burkard Kömm, DAHW- Geschäftsführer

1981 mit weiterem Schwerpunkt

Bis zu seinem Tode 1998 stand der Journalist Hermann Kober als Präsident an der Spitze.

1981 wird Lepra heilbar. Die Behandlung baute auf den Erfahrungen aus einer Therapie auf, die die DAHW mitentwickelt hatte. Nach den Erfolgen in der Lepraarbeit setzte sich der Verein einen zweiten Schwerpunkt: die Bekämpfung der Tuberkulose. 2003 benannte sich das "Deutsche Aussätzigenhilfswerk" in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe um. 2005 hatte die DAHW seit ihrer Gründung über 2,1 Millionen neu entdeckten Leprakranken weltweit Zugang zur Behandlung ermöglicht. Mit ihren Programmen erreichte die Hilfsorganisation seit 1990 rund 3,9 Millionen Tuberkulosekranke.  Die Deutsche Lepra und Tuberkulosehilfe unterstützte 2015 insgesamt 172 Projekte in 20 Ländern mit rund zwölf Millionen Euro.                                               

BR-Hörerspenden für Äthiopien

Der Journalist Hermann Kober gehörte zu den sieben Gründungsmitgliedern. Bald war das damalige Aussätzigenhilfswerk weltweit tätig.

Auch Spendengelder von Hörern des Bayerischen Rundfunks sind in äthiopischen Hilfswerken investiert worden. Der langjährige BR-Journalist Franz Barthel startete nach einer Hungerkatastrophe eine private Sammelaktion, indem er aufs Rauchen verzichtete und das Geld spendete. Tausende Hörerspenden aus dem mainfränkischen Regionalprogramm des Hörfunks folgten. Weit über eine Million Euro flossen so in Hilfsaktionen. Auch die BR-Benefizaktion Sternstunden unterstützte mehrmals DAHW- Projekte.

Geburtstagsfest mit dem BR bei Kinderfest

Beim Empfang der Stadt wird im Rathaussaal  DAHW- Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg im Gespräch mit Gründungsmitglied Irene Kober über die Gründungsjahre des  Werks reden. Gefeiert mit Groß und Klein wird am Marktplatz am 7. Mai beim 42. Internationalen Kinderfest. Das DAHW feiert seit über zwei Jahrzehnten das Fest gemeinsam mit der Stadt Würzburg und dem Studio Mainfranken des Bayerischen Rundfunks. Da das Regionalstudio Mainfranken in diesem Jahr 40 Jahre alt wird, kann sogar ein Doppeljubiläum gefeiert werden.

Unterstützt von 2.000 Menschen

Weiter geplant sind Benefizkonzerte, ein ökumenischer Dankgottesdienst und ein großer Tag der offenen Tür in der DAHW Zentrale mit internationalen Gästen. Dazu kommen der "Tag der Lepra" und der "Tag des Ehrenamts", denn mittlerweile unterstützen bundesweit 2.000 Menschen die Arbeit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe.


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