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Nach Spiegel-Bericht Bistum Würzburg weist Missbrauchsvorwurf zurück

Das Bistum Würzburg hat eine "Spiegel"-Veröffentlichung zurückgewiesen, wonach die Diözese einen des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Geistlichen geschützt hat. Es sei von Anfang an um eine saubere und minutiöse Aufarbeitung gegangen, sagte ein Bistumssprecher am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Von: Barbara Markus, Christian Wölfel

Stand: 28.03.2016

Das Bistum hat mittlerweile auf seiner Internetseite eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht. Darin wird bestätigt, dass es nach dem Missbrauchsvorwurf gegen einen hochrangigen Würzburger Geistlichen innerkirchliche Ermittlungen gab. Sie seien auf Anweisung der vatikanischen Glaubenskongregation im Dezember 2015 eingestellt worden. Zuvor war eine kirchenrechtliche Voruntersuchung beim Offizial der Erzdiözese München und Freising, Lorenz Wolf, zum Ergebnis gekommen, dass der Vorwurf gegen den Beschuldigten aus Mangel an Beweisen "begründet nicht aufrechterhalten werden kann".

Die Diözese reagierte mit ihrer Stellungnahme auf einen Bericht des Magazins "Der Spiegel", das nach eigener Darstellung Akten des kirchlichen Ermittlungsverfahrens im Umfang von 1.300 Seiten ausgewertet hat. Der Bericht hält der Kirche vor, den Beschuldigten, der früher selbst Missbrauchsbeauftragter der Diözese gewesen war, geschützt, ihm Verfahrensvorteile verschafft und nicht sauber ermittelt zu haben.

Im Herbst 2012 hatten sich die Eltern der heute 44-jährigen Frau an den Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann gewandt und die Vorwürfe geschildert. Der Missbrauch soll sich 1988 bei einem Treffen im Exerzitienhaus Himmelspforten im Rahmen der Diakonatsausbildung des Vaters ereignet haben. Die Betroffene war damals 17 Jahre alt. Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte, der Kriminologe Klaus Laubenthal, untersuchte den Fall. Und kam zum Ergebnis: Es gibt Anhaltspunkte für einen sexuellen Missbrauch.

Kirchengericht sieht Vorwurf als nicht erwiesen an

Kriminologe Klaus Laubenthal

Dem widersprach jedoch eine darauf folgende kirchenrechtliche Voruntersuchung am Kirchengericht in München. Der Vorwurf könne "begründet nicht aufrechterhalten werden", so das Urteil. Der Fall ging an die Glaubenskongregation in Rom, das Verfahren wurde Ende vergangenes Jahr eingestellt.

"Der Spiegel" berichtet nun, dass der beschuldigte Geistliche immer wieder Einfluss auf seinen Fall genommen habe, speziell in Würzburg. So habe er mit entschieden, dass der Fall nicht an die Staatsanwaltschaft gehe. Das Bistum bestätigte zwar, dass es ein Schriftstück des Geistlichen gebe, in dem steht, dass er zusammen mit dem damaligen Generalvikar Karl Hillenbrand dies so entschieden habe. "Das Wort 'entschieden' ist im Sinne von 'ausgesprochen' zu interpretieren." Den Beschluss über das Vorgehen habe allein bei Hillenbrand gelegen.

Ex-Generalvikar laut "Spiegel" Schlüsselfigur

Würzburgs Ex-Generalvikar Karl Hillenbrand (Aufnahme von 1999)

Hillenbrand ist in den vom "Spiegel" erhobenen Vorwürfen die Schlüsselfigur. Doch der Generalvikar starb im November 2014, kann also nicht mehr gefragt werden, ob er den Beschuldigten zu jedem Zeitpunkt über alle geplanten Verfahrensschritte informiert hat, wie es das Nachrichtenmagazins schreibt. Das Bistum erklärte jedoch: "Dem Beschuldigten wurden weder irgendwelche Vorteile in dem Verfahren gewährt, noch wurde von ihm ein Antrag auf Einblick in die Personalakte gestellt." Er habe lediglich "im Übereifer, bei der Aufklärung helfen zu wollen, die Kursunterlagen für die Diakonatsausbildung gesucht".

Bestätigt wurde auch, dass Hillenbrand einen weiteren Juristen vertraulich konsultiert habe. Dies geschehe seit Jahren bei Missbrauchsvorwürfen. Ziel sei die objektive Einschätzung eines Dritten gewesen, "der in das Verfahren nicht involviert ist", so das Bistum. Es sei aber nicht das Ziel gewesen, Tipps zu erhalten, was gegen die Frau und für den Beschuldigten sprechen könne. Das nämlich ist der im Nachrichtenmagazin erhobene Vorwurf.

Keine direkte Aussage vor Kirchengericht

Der "Spiegel" berichtet weiter, die Frau sei in der kirchenrechtlichen Voruntersuchung in München nie von den Kirchenrichtern angehört worden, obwohl sie zu einer Aussage bereit gewesen sei. Auch hierzu hat das Bistum eine andere Sichtweise: Es habe lediglich eine schriftliche Beschreibung des angeblichen Tathergangs gegeben, eine Aussage gegenüber dem Kirchenrichter habe die 44-Jährige mit Verweis auf ihren Gesundheitszustand abgelehnt.

Eine von der Anwältin der Frau angebotene Aussage zu einem aussagepsychologischem Gutachten ohne den Chef des Gerichts hätte nicht den Normen des kirchenrechtlichen Verfahrens entsprochen. Auch ein Gutachten des Münchner Forensikers Norbert Nedopil über die Frau wurde laut Bistum nach Aktenlage erstellt.

Mit der Entscheidung der Glaubenskongregation ist dieses Verfahren nun formal abgeschlossen. Im Gegensatz dazu sieht Missbrauchsbeauftragter Laubenthal laut "Spiegel" weiter Anhaltspunkte für einen Missbrauch und sieht Widersprüche im Kirchenrechtsverfahren. Und derjenige, der möglicherweise den Einfluss auf das Verfahren ermöglicht hat, lebt nicht mehr: Generalvikar Karl Hillenbrand.

  • Barbara Markus, BR-Korrespondentin für Stadt und Landkreis Würzburg  | Bild: BR / Ansgar Nöth Barbara Markus

    BR-Korrespondentin für Stadt und Landkreis Würzburg

  • Christian Wölfel | Bild: BR Christian Wölfel

    Autor und CvD beim Bayerischen Rundfunk, kümmert sich regelmäßig um kirchliche Themen, Twitter: @woelfelc


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