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Experimentierfreudige Winzer aus Franken Wein aus dem Betonei und der Amphore

Experimentierfreudige Winzer aus Franken probieren neue Behälter für ihre Weinherstellung aus. In Beton-Eiern und Ton-Amphoren entstehen unvergleichbare, exklusive Weine in Unterfranken und bewahren gleichzeitig Weltkulturerbe.

Stand: 22.10.2016

Betonei und Amphore Franken Winzer | Bild: BR / Jürgen Gläser

In zwei Ton-Amphoren aus Georgien - so genannten Kvevri - bereitet Manfred Rothe aus Nordheim (Lkr. Kitzingen) einen besonderen Wein zu. Jede Amphore fasst 1.200 Liter und ist zwei Meter tief in die Erde eingegraben. Oben ragt nur die Füllöffnung heraus. Die Ton-Amphoren stammen aus der Zeit, in der Menschen anfingen Wein herzustellen, sagt Rothe.

"Auf diese Weise wurde Wein vor etwa 7.000 bis 8.000 Jahren herstellt. Eine Zeit also, in der das Gebiet, wo später Rom entstand, noch ein leerer Acker war und die Pyramiden noch nicht standen."

Manfred Rothe, Geschäftsführer des Weinguts Rothe

So funktioniert die Ton-Amphore

Manfred Rothe füllt nur die besten Trauben in die Amphoren aus Georgeien. Elf Monate werden sie luftdicht verschlossen.

Nur die besten, entrappten Trauben - also Trauben ohne Stiele - werden von Manfred Rothe in die Amphoren gefüllt. Anschließend wird alles eingestampft zu einer Maische. "Dann folgt eine Spontangärung", sagt Rothe. Nach der Gärung wird die Amphore so gut wie möglich luftdicht verschlossen. Für die nächsten elf Monate wird die Amphore nicht geöffnet.

"Nur der klare Wein wird dann aus der Amphore genommen. Es wird nichts mehr gepresst."

Manfred Rothe, Besitzer des Weinguts Rothe

Die vierte Weinfarbe ist da

So entsteht eine Weinausbeute von etwa 50 bis 60 Prozent. Das Verfahren hat seinen Preis: Eine Flasche Kvevri-Wein kostet ungefähr 45 Euro. Kantig und schwer schmeckt der Kvevri-Wein - das ist nichts für jedermann. Viele Wein-Liebhaber sind aber begeistert. In Sterne-Restaurants werden eigene Menüs zu den Amphoren-Weinen kreiert. Der Wein aus der Ton-Amphore zählt zu einer neuen Kategorie von Wein, die weil sie oft eine gelbliche Färbung aufweisen, auch "orange wines", also orange Weine genannt werden. Für die breite Masse sind die schweren Weine nicht gedacht.

Wein aus dem Ei

Exklusive Weine mit einem kräuterigem Aroma stellt Daniel Sauer in den Beton-Eiern her.

Auch Weine aus dem Beton-Ei werden von Weinkennern geschätzt. Die Beton-Eier sind etwa 2,50 Meter hoch, bauchig und über eine Tonne schwer. Daniel Sauer ist Juniorchef des Weinguts Rainer Sauer in Escherndorf (Lkr. Kitzingen). Er setzt bei der Herstellung exquisiter Weine auf die großen Beton-Eier. Sie seien im goldenen Schnitt gebaut, erklärt Sauer. Das Beton-Ei hat also weder Ecken noch Kanten.

"So kann der Wein während der Gärung perfekt zirkulieren."

Daniel Sauer, Juniochef des Weinguts Rainer Sauer

Im Beton-Ei entstehen Weine, die mineralischer und etwas filigraner sind, sagt Sauer. Statt fruchtigem Aroma haben die Weine aus dem Ei eher eine kräuterige Note.

Bio-Dynamischer Weinbau am Weingut am Stein

Ludwig Knoll betreibt bio-dynamischen Weinbau. Einen neuen Keller hat er mit sieben Beton-Eiern ausgestattet.

Der Würzburger Winzer Ludwig Knoll setzt noch konsequenter auf das Beton-Ei. Einen neuen Keller hat er dafür in seinem Weingut am Stein in Würzburg eingerichtet. Sieben Beton-Eier stehen in fünf Meter Tiefe unter dem Hof. Gekühlt werden die Eier durch herabrieselndes Wasser an der Wand. Mit der Weinherstellung im Beton-Ei möchte Knoll nicht einem Trend oder einer Mode hinterhereifern. Stattdessen ist es für ihn ein Blick über den Tellerrand hinaus:

"Wenn man Jahr für Jahr das gleiche Produkt macht, dann landet man letztendlich bei McDonalds und Coca Cola. In den letzten Jahren haben wir so schöne Erfahrungen gemacht, vor allem mit dem Beton-Ei, dass wir das Ei überhaupt nicht mehr missen wollen."

Ludwig Knoll, Besitzer des Weinguts am Stein

Experimentierfreudige Winzer werden geschätzt

Weine aus Beton-Eiern und Ton-Amphoren erregen Aufsehen bei Sommeliers und Weinkritikern. Die schweren, kantigen Weine sind nicht für jedermann.

Sommeliers und Weinkenner schätzen die fränkischen Spitzenweine aus dem Beton-Ei. Die Amphore lockt sogar Besucher aus Georgeien nach Nordheim zu Biowinzer Manfred Rothe. Mit den Kveri-Weinen trägt er darüber hinaus sogar zur Erhaltung eines Unesco-Weltkulturerbes bei.

"Diese Tradition der Weinherstellung gilt es zu erhalten. Deswegen gibt es auch den Status der Unesco."

Martin Rothe, Geschäftsführer des Weinguts Rothe

Rothe sagt: "In Georgien gibt es wahrscheinlich nur noch eine Hand voll alter Herren, die das Handwerk verstehen, diese Amphoren heute noch neu zu machen."


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