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Protest in luftiger Höhe Aktion in Würzburg gegen Alltags-Sexismus

Mit einem Protestbanner haben eine Aktivistin und ein Aktivist am Würzburger Hauptbahnhof gegen Alltags-Sexismus protestiert. Die beiden waren an der Fassade über dem Haupteingang hochgeklettert und weigerten sich vier Stunden lang, wieder herunterzukommen.

Von: Gerhard Brack

Stand: 14.02.2016

Polizei und Feuerwehr wurden alarmiert.

Die Polizei löste die unangemeldete "Spontandemo" auf, und die Deutsche Bahn als Hausherrin des Geländes sprach ein Hausverbot gegen die beiden Fassadenkletterer aus, verbunden mit der Aufforderung, unverzüglich wieder herunter zu kommen. Doch die Aktivisten gingen darauf nicht ein. "Sehr unkooperativ" schätzt denn auch die Bundespolizei das Verhalten der beiden Demonstrierenden ein.

Gleichzeitig war auf dem Bahnhofsvorplatz auch noch eine kleine Kundgebung mit Infostand gegen Rassismus und Sexismus der Gruppe "Mehr als 16a - Asylpolitische Diskussion und Aktion" angemeldet. Diese verlief friedlich, rund zwanzig Teilnehmer waren dort mit von der Partie, so die Polizei. Die Demonstranten zeigten Videos zum Thema Rassismus und Sexismus und spielten Ausschnitte aus Reden von Frauenrechtlerinnen über Lautsprecher ab.

Aktivistin: "Um die Rechte von Frauen geht es kaum"

Ziel war es, so die Gruppe, den Sexismus und Rassismus in der Gesellschaft verstärkt zu thematisieren und darüber hinaus ein klares Zeichen gegen rassistische Vorurteile und jegliche Gewalt zu setzen.

"Seit dem Vorfall sexualisierter Gewalt der diesjährigen Silvesternacht in Köln verschärft sich der Rassismus in Deutschland massiv. Die Vorfälle werden rassistisch instrumentalisiert und Rechte und Konservative nutzen die Situation aus, um sich als Verfechter*innen von Frauenrechten zu profilieren. Um die Rechte von Frauen geht es dabei kaum."

Aktivistin Katharina Walter

Ob die beiden Fassadenkletterer tatsächlich zu demonstrierenden Gruppe "Mehr als 16a" gehörten, was ja naheliegt, konnte die Bundespolizei auf Anfrage nicht bestätigen.

"Es ist nicht klar, ob die beiden Aktivisten dazu gehören, weil die zwei Fassadenkletterer ja nicht mit uns kommunizieren."

Ein Sprecher der Bundespolizei zu BR24

Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch

So setzte die Polizei auf Deeskalation und entschloss sich, die beiden Demonstranten nicht gewaltsam herunter zu holen. Um 16.47 Uhr vermeldete sie schließlich via Twitter, die Aktivisten hätten sich nunmehr selbst abgeseilt. Die Polizei stellte die Personalien fest. Beide Aktivisten erwartet jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch.

Flashmob am Sonntag

Am Sonntag trafen sich viele Aktivistinnen zu einem friedlichen Flashmob am Mainufer in der Altstadt. So wie in Würzburg protestierten Frauen in 200 Staaten gegen sexuelle Gewalt und Unterdrückung. Opfer von Gewalt wird nach Schätzungen weltweit jede dritte Frau.


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Andrea, Samstag, 13.Februar, 22:13 Uhr

5. Wenn die Presse sich instrumentalisieren lässt

Wenn selbst die Presse nur schreibt, dass "der böse schwarze Mann" (vor dem wir ja aus Kindertagen bereits Angst haben) Frauen sexuell belästigt und nicht genügend darüber schreibt, dass 80 % der sexuellen Übergriffe an Frauen aus dem Umfeld stammen, dann muss "frau" eben zu solchen Maßnahmen greifen.

nero, Samstag, 13.Februar, 20:00 Uhr

4.

Spinner gibt es leider immer

Anna Thurner, Samstag, 13.Februar, 19:59 Uhr

3. Bitte an meinen Balkon

Also auf meinen Balkon würde ich das Plakat sofort hängen und würde weder Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstatten noch sonstwas, wegen ein paar mit Seil gesicherten Kletterern.

Gute Aktion.

Und auf die Idee mit dem gar nichts machen hätte die Polizei auch so kommen können, bevor sie einen Kran anfahren. Die sind selber mit Klettertechnik und Seil da raufgekommen, wozu mit Kran runterholen, die kommen auf die gleiche Weise auch wieder runter.

Greifer, Samstag, 13.Februar, 18:28 Uhr

2. Sehr gute Strategie der Polizei

Ich hätte die beiden auch noch über Nacht "hängen" lassen. Einfach nicht beachten.
Aber wie man weiß, es geht nicht. Deshalb war das Abwarten der Polizei die beste Wahl der Mittel. Müssen immer solche gefährlichen Aktionen durchgezogen werden, um Gehör zu finden?
Schade, man spricht nun mehr über den "Drahtseilakt" als um das gewünschte Thema.

Manfred, Samstag, 13.Februar, 17:33 Uhr

1.

Irgendwie ist die Aktion selbst genauso dämlich wie die Reaktion der Bahn.