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Atomkraftwerk Grafenrheinfeld Der Meiler ist stillgelegt

Darauf haben viele in der Region Schweinfurt lange gewartet: Aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld kommt kein Wasserdampf mehr. Nie mehr. Der Meiler wurde abgeschaltet. Am Sonntagnachmittag luden Kernkraftgegner zu einer Andacht ein.

Stand: 28.06.2015

In den vergangenen Tagen war die Kraftwerksleistung langsam gedrosselt worden. Die offizielle Bestätitung für das endgültige Aus kam am Sonntagvormittag (28.06.15) von E.ON:

"In der Nacht von 27. auf 28. Juni 2015, genau um 23.59 Uhr, wurde das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) vom Netz genommen. (...) Die Abschaltung der Anlage verlief bestimmungsgemäß."

Pressemitteilung des Betreibers

Andacht am Sonntagnachmittag

Am Morgen waren noch leichte Wasserdampfschwaden aus den Kühltürmen aufgestiegen. Deshalb war unklar, ob das Atomkraftwerk noch am Netz ist. Der Dampf sei beim Abkühlen entstanden, erklärte Pressesprecherin Petra Uhlmann dem BR. Die letzten Dampfschwaden stiegen gegen 9.30 Uhr auf. Am Sonntagnachmittag fand eine Andacht vor den Toren der Anlage statt, organisiert von Kernkraftgegnern; wie immer am Wegkreuz in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks.

Der Blog zum Nachlesen

Liveblog Abschaltung Grafenrheinfeld

Der Atommüll bleibt

Am Samstagabend hatten die Gegner ein "Abschaltpicknick" gefeiert. Rund 60 Menschen machten es sich auf Klappstühlen oder Decken gemütlich und stießen mit Wein und Bier auf die Abschaltung an.

Dabei erinnerte Babs Günther, die Sprecherin des "Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft" daran, dass Grafenrheinfld über Jahre ein Atomstandort bleiben wird, da der Atommüll am AKW bleibt. Das Atommüllzwischenlager unmittelbar neben dem Reaktorgebäude hat eine Betriebsgenehmigung bis 2046.

Dank von Atomkraft-Befürwortern

Am Freitagabend (26.06.15) hatten Atomkraftbefürworter auf einen der Kühltürme des Kernkraftwerks per Beamer einen Dank an das Kraftwerk und den Betreiber projeziert. "Danke für 300 Milliarden kWh CO2-armen Strom2 stand dort zu lesen, wie eine Sprecherin von E.ON dem Bayerischen Rundfunk bestätigte.

Nach 33 Jahren stillgelegt

Das Kernkraftwerk hat während seiner gesamten Betriebsdauer insgesamt etwa 333 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht laut E.ON einer Strommenge, um damit ganz Bayern vier Jahre lang mit Strom zu versorgen.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 wurde die Betriebsgenehmigung für das älteste noch laufende Kernkraftwerk in Deutschland auf den 31.12.2015 terminiert. E.ON befüllte den Reaktor wegen der anfallenden Brennelementsteuer bei der letzten Revision im Frühjahr nur noch mit gebrauchten Brennelementen.

Anlage soll bis 2030 abgebaut sein

Laut E.ON Kernkraft  werden die zuletzt genutzten Brennelemente nach der Abschaltung noch bis voraussichtlich 2020 zum Abkühlen im Nasslager bleiben. Dann werden sie in Castoren verladen und ins benachbarte Atommüllzwischenlager gebracht.


E.ON Kernkraft will nach 2020 mit der Demontage der Anlagen beginnen. Ab 2028 sollen die beiden Kühltürme und das Reaktorgebäude abgerissen werden. Im Herbst 2030 soll von dem Kernkraftwerk am Standort nichts mehr zu sehen sein.


E.ON Kernkraft schätzt die Kosten für den Rückbau auf rund 1,2 Milliarden Euro.


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Abendreif, Montag, 29.Juni, 15:26 Uhr

28. Öko-Kasino

Es verdienen einfach noch zu viele zu viel an dem schönen Kettenspiel mit Namen Energiewende. Aber irgendwann wird auch der Dümmste merken, daß auf Kosten aller in dieses Spiel oben mehr Energie hineingesteckt wird, als unten herauskommt und den Reibach dabei letzlich nur ein paar wenige machen. Dann wird der Katzenjammer groß sein, und eine sichere Grundlastversorgung mit Energie nur noch durch Stromimporte aus dem Ausland möglich. Möglicherweise ist ja auch gerade das beabsichtigt!

.ausgestrahlt, Montag, 29.Juni, 12:24 Uhr

27. Das AKW Grafenrheinfeld ist endlich aus. Aber wie geht´s eigentlich weiter?

Endlich ist das AKW Grafenrheinfeld abgeschaltet. Bereits Ende Mai haben wir zu diesem Anlass gemeinsam in Schweinfurt ein Fest gefeiert. Wodurch wird der wegfallende Atomstrom aus Grafenrheinfeld künftig ersetzt? (...) Wann ist mit dem Abriss des Reaktors zu rechnen? Eine frisch veröffentlichte Studie zeigt übrigens einmal mehr, dass Deutschland bereits heute ganz ohne Atomkraft komfortabel auskommen würde. Deshalb fordern wir einen kompletten Atomausstieg - sofort!

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Pestundcholera, Montag, 29.Juni, 11:04 Uhr

26. Hurrah:

Den Atommüll sind wir vielleicht in ein paar tausend Jahren los, und jetzt können wir uns endlich mit ganzem Herzen, Lebern und Nieren auf noch mehr mit Cadmium verseuchten Solarmüll freuen!

Elektrosmogger, Montag, 29.Juni, 09:23 Uhr

25. Die Dummheit...

...hat mal wieder gesiegt!

Friedhelm Stuckenschmidt, Sonntag, 28.Juni, 21:28 Uhr

24. Wie kann man sich da nur freuen

Sehr erleichtert über die vielen Verluste der hochqualifizierten Arbeitsplätze. Ich wünsche den Gegnern, dass ihnen sowas im engsten Umfeld passiert oder sie mal einen noch nie da gewesenen Striomausfall erleben. Wie kann man sich da nur freuen? Und was das angeblich ungelöste Endlagerproblem angeht.. die Russen arbeiten an einer Lösung...der BN-800 ist seit kurzem in Betrieb, und weitere Reaktoren - die den Atommüll vernichten und wirklich unschädlich machen köntnen - auf Flüssigsalzbasis sind in der Planungsphase. Aber.. interessiert das jemanden, vor allem die Presse und das öffentlich-rechtliche "Bildungs"fernsehen?

  • Antwort von Zauberlehrling, Montag, 29.Juni, 11:30 Uhr

    Ihr Vertrauen in die russische Atomtechnik (da gab's doch mal was ...oder??) in Ehren, aber verschwinden tut nix, es wird nur umgewandelt; ist nun mal Naturgesetz. Gilt übrigens auch für Geld. Und wenn die nun den Müll versalzen, wo bitte bleiben die strahlenden Atome? Da wird, falls überhaupt, wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht, fürchte ich.... Die ich rief, die Geister werd' ich nun nicht los .....