Unterfranken

Würzburg ist Spitzenreiter Bundesweit die meisten ADHS-Diagnosen

Würzburg sei eine ADHS-Hochburg, behauptet der Arztreport 2013 der Krankenkasse Barmer GEK. In keiner anderen Stadt in Deutschland soll die Störung so oft diagnostiziert worden sein wie in Würzburg.

Stand: 30.01.2013

In fast jeder Schulklasse gibt es einen davon: den Klassenclown, den Zappelphilipp, den Ruhestörer. Seit vielen Jahren gibt es für diese Schüler eine Diagnose. Sie leiden unter einer Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung - kurz ADHS.

Voreilige Diagnosen?

Verzweiflung bei den Hausaufgaben

Die Störung wurde in den vergangenen Jahren immer häufiger attestiert. Auch das gängige Medikament "Ritalin" wurde häufiger verschrieben als früher. Viele fragen sich wie diese stete Zunahme zustande kommt. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, die Diagnosen würden leichtfertig und voreilig gestellt. Nun kommt auch noch eine einzige Stadt ins Visier dieser Vorurteile: Der Arztreport 2013 der Barmer-GEK kommt zu dem Schluss, dass in Würzburg die meisten Diagnosen für ADHS in ganz Deutschland ausgestellt werden.

Experten sind Mangelware

Professor Marcel Romanos, der Direktor der Würzburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, vermutet hinter dieser hohen Zahl im Arztbericht der Barmer-GEK die dichte Ansiedlung von Fachärzten auf diesem Spezialgebiet im Raum Würzburg. Die Würzburger Uni-Klinik hat eine Schwerpunktambulanz für ADHS-Betroffene. Viele Patienten kämen auch aus anderen Bundesländern hier zur Behandlung, weil oft die Spezialisten in ihrer Nähe fehlten.

"Ganz wesentlich ist, dass Kinder mit ADHS nicht deshalb behandelt werden, weil sie stören oder weil es den Eltern zuviel ist. Sondern weil wir sehen, dass Kinder mit ADHS ein hohes Risiko haben später an einer ganzen Reihe weiterer psychischer Probleme zu leiden,"

Professor Marcel Romanos, Direktor der Würzburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Spekulationen helfen nicht

Gene sollen für die Konzetrationsstörung verantwortlich sein

Über das Krankheitsbild wird viel diskutiert und spekuliert, den Betroffenen selbst helfen diese negativen Diskussionen wenig. Tatsache ist, dass ausreichend Therapieplätze für die Kinder vor allem in ländlichen Gegenden fehlen. Für Erwachsene gibt es noch weniger ärztlichen Anlaufstellen. Denn anders als früher angenommen "verwächst" sich die Störung bis zum Erwachsenenalter. Erst seit 2011 ist in Deutschland ein Medikament für Erwachsene mit ADHS zugelassen. In anderen Ländern wie in beispielsweise in den USA gab es dieses schon seit Jahren.

AD(H)S-Typen im Überblick

ADHS hat viele Gesichter

Nicht jedes ADHS-Kind ist hyperaktiv. Bei der unauffälligeren Variante dominieren Verträumtheit und Vergesslichkeit. Innerhalb einer Familie können auch beide Formen auftreten: Der Sohn ist beispielsweise aufgedreht, die Tochter verträumt.

Verträumt

Verträumt, chaotisch, vergesslich, vertrödelt: Betroffen sind rund 20 bis 30 Prozent der Kinder, vorwiegend Mädchen. Diese Variante wird auch als Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Hyperaktivität (ADS) bezeichnet.

Hyperaktiv-impulsiv

Extrem unruhig und hyperaktiv, oft bis in die Abendstunden: der "eigentliche" Zappelphilipp. Weniger als 15 Prozent der betroffenen Kinder sind so.

Misch-Typ

Die häufigste Form der ADHS-Störung ist die Mischung aus Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörung, sie liegt in 50 bis 75 Prozent aller Fälle vor.

Quelle: Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen der amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie

Studie des Robert-Koch-Instituts

Eine ADHS-Störung bei Kindern zu ermitteln ist nicht einfach. Zudem gibt es einige andere Störungen, die mit ähnlichen Symptomen verbunden sein können, z. B. Ängste oder emotionale Belastungen. Eine der größten Studien über Kindergesundheit (Kiggs-Studie des Robert-Koch-Institutes) kommt zu dem Schluss, dass die Prävalenz für ADHS in Deutschland etwa bei 5 Prozent liegt. Das entspricht auch den Angaben aus anderen Ländern. Anders als früher angenommen "verwächst" sich die Störung nicht im Erwachsenenalter. Aber erst 2011 wurde in Deutschland ein Medikament für Erwachsene mit ADHS zugelassen. In anderen Ländern wie in beispielsweise in den USA gab es diese schon seit Jahren.


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