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AfD-Hochschulgruppen An den Unis prallen die Ideologien aufeinander

Die AFD gründet immer mehr politische Hochschulgruppen, die sich für Patriotismus und gegen Flüchtlinge einsetzen. In den größtenteils links dominierten Studierendenparlamenten sorgt das für heftige Auseinandersetzungen.

Von: Fabian Mader

Stand: 27.05.2016

Studenten im Hörsaal | Bild: picture-alliance/dpa

Vor wenigen Wochen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München: Die AFD-nahe Campus Alternative will sich als politische Hochschulgruppe akkreditieren lassen. Linke Studenten protestieren. Am Ende ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung und Verdacht auf politisch motivierte Körperverletzung. Was war passiert?

Studierendenvertreter Florian Siekmann hat den Vorfall verfolgt.

"Die Sitzung wurde von 20 bis 25 Gästen gestört. Sie haben versucht, mit Sprechchören und wütenden Anschuldigungen gegen die Antragssteller den Sitzungsgang zu stören."

Florian Siekmann, Studierendenvertreter LMU München

Politische Auseinandersetzungen an der LMU

Doch es blieb nicht bei verbalen Auseinandersetzungen. Unter anderem soll die Jacke von AFD-Vertreter Christian Schumacher mit einem Anarcho-Symbol beschmiert worden sein. Schumacher erstattete Anzeige.

"Wenn uns jemand als Nazi, Rassist oder sonst was beschimpft, wie mir das auch am Mittwoch passiert ist zu dutzenden Malen, dann fühle ich mich persönlich beleidigt."

Christian Schumacher, Campus Alternative München

LMU München: Wer darf politisch aktiv sein?

Die Unileitung versucht seitdem die Lage zu beruhigen. Sie will jetzt prüfen, nach welchen Kriterien Hochschulgruppen eigentlich akkreditiert werden. Der Antrag der AFD wurde von der Studierendenvertretung abgelehnt.

Links gegen Rechts an vielen Unis

Die AFD als Opfer linker Gewalttäter? Linke Studierendengruppen ärgert diese Lesart ganz gewaltig.

"Bizarre Forderung" kontern die Jusos den AFD-Vorstoß

Ähnliche Auseinandersetzungen wie in München gibt es derzeit auch an anderen Universitäten, zum Beispiel Düsseldorf. Weil ein Sporthalle mit Flüchtlingen belegt ist, macht die AFD-Hochschulgruppe Stimmung gegen Migranten. Außerdem fordert David Eckert, der Gründer der AFD-Gruppe, grundlegend andere Werte in Deutschland.

"Ich möchte, dass vor jeder Bildungsinstitution eine Deutschlandfahne weht, weil ich glaube, dass wir wieder mehr Patriotismus in Deutschland brauchen."

David Eckert, AFD-Hochschulgruppe Düsseldorf

Philip Magnus von der Hochschulgruppe "Die Linke-SDS" in Düsseldorf gibt zu: Studenten aus seinem Umfeld haben AFD-Veranstaltungen an der Uni gestört oder sogar verhindert. Magnus hält solche Aktionen für gerechtfertigt, denn für ihn und seine Mitstreiter ist die AFD-Hochschulgruppe gefährlich.

"Sie wollen keine Migranten hier haben, sie wollen keine Muslime hier haben, sie sind ja diejenigen, die andere Meinungen und Lebensweisen unterdrücken."

Philip Magnus, Hochschulgruppe Die Linke-SDS Düsseldorf

An der Uni Göttingen sind die Auseinandersetzungen eskaliert. Mitten drin: Lars Steinke, Gründer der AFD-Hochschulgruppe und Mitglied der Burschenschaft Hannovera. Selbst innerhalb der AFD gilt er als Rechtsaußen. Auf die Frage, wie viel Zuwanderung er für vertretbar hält, antwortet er:

"Gar nicht; hat es in der Weltgeschichte noch nie gegeben. Aber so wenig wie möglich."

Lars Steinke, AFD-Hochschulgruppe Göttingen

Dislike-Button für falsche Freunde

Kein Wunder, dass sich auch Rechtsextreme für seine Thesen begeistern. Über Monate meldet er Mahnwachen an für den Freundeskreis Thüringen-Niedersachsen. Erst geht es um besorgte Bürger, dann wird die Nähe zur NPD immer deutlicher. Auf der Facebookseite des Freundeskreises findet sich folgender Aufruf an Polizisten.

"Das System hat keine Fehler - das System ist der Fehler! Legt die BRD Uniformen ab und kämpft mit eurem Volk für ein freies Deutschland."

Facebookseite des Freundeskreises Thüringen-Niedersachsen

Rechtsextreme Umtriebe

Erst nach Monaten zieht sich Steinke von den Veranstaltungen zurück. Für ihn ist das alles ein großes Missverständnis. Mit der NPD will er eigentlich nichts zu tun haben.

"Ich bin definitiv nicht daran schuld, wenn andere finden, meine Meinung sei gut oder vertretbar. Es gibt sicherlich auch Leute bei der NPD, die finden, dass ich zu wenig radikal bin."

Lars Steinke

Die Auseinandersetzungen in Göttingen sind nun eskaliert. Ein Brandanschlag auf ein Gebäude von Steinkes Burschenschaft brachte kürzlich eine benachbarte Familie in Gefahr. Die Polizei sprach von einer neuen Stufe der Gewalt.

Rechte Studenten wollen das Rad zurückdrehen

Aus Sicht des Ex-Burschenschafters Christian Becker, der inzwischen einen kritischen Blog betreibt, ist die AFD für die rechte Szene ein Glücksfall. Vor allem rechte Studentenverbindungen setzen große Hoffnungen auf die Partei.

"Rechte Burschenschaften wollen analog zu den Linken in den 68er Jahren, so eine Art Marsch in die Institutionen vollziehen."

Christian Becker, Burschenschaften-Kritiker

Studentenproteste 1968

An Universitäten wurde schon häufiger über die Gesellschaft der Zukunft gerungen. Während Studenten in den 60er Jahren konservative Werte aufbrachen, tritt jetzt eine neue Generation an, die das alles am liebsten wieder zurückdrehen würde.


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Steve, Samstag, 28.Mai, 22:20 Uhr

19. Da Grundgesetz

Das Grundgesetz und insbesondere der Art. 5 gelten für alle.

Und dies ohne Ausnahme, ich verstehe einfach nicht warum das so genannte Linke nicht verstehen wollen.

  • Antwort von threepwood, Sonntag, 29.Mai, 13:03 Uhr

    Lies doch noch einmal die 3 Artikel direkt vor Art. 5, da stehen auch tolle Sachen:
    Art 2.: "...freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt."
    Art 3.: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

    Art 4: " Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich."

    So und gegen welchen Art. verstößt die AfD mit ihren Inhalten? Genau. Alle.

    Achja und Art. 5 noch mal genau lesen bitte:
    Absatz 2: "Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze..."
    Alle anderen Artikel gelten auch für die AfD. Diskriminierung = Recht verwirk

Gretchen, Samstag, 28.Mai, 18:53 Uhr

18. Was ist Links?

Das Linke politische Spektrum wurde ursprünglich definiert als die Interessenvertretung der Abhängig Beschäftigten, derjenigen, die keine Produktionsmittel besitzen.

Was ist daran Links, unbegrenzt Migranten ins Land zu lassen und ihren Lebensunterhalt aus Steuergeldern zu finanzieren, die überwiegend die kleinen Arbeitnehmer aufbringen? Nicht die Reichen finanzieren den Staat, sondern die Masse der Durschnittsbürger. Und auf deren Kosten sollen Menschen einen Lebensstandard finanziert bekommen, von dem sie in ihren Herkunftsländern nicht mal träumen können? Kann jemand, der ein Studium absolviert, sich nicht ausrechen, was das bedeutet? Welche Sogwirkung das hat?

Wenn "Links" ist, was für die Arbeitnehmer gut ist, dann ist die Minimierung von Armutszuwanderung linke Politik! Nicht umsonst haben 70 % der Arbeiter in Österreich FPÖ gewählt.

  • Antwort von Barbara, Samstag, 28.Mai, 19:56 Uhr

    Links ist da, wo der Daumen rechts ist! Das war schon immer so und wird auch immer so sein!

  • Antwort von Gretchen, Samstag, 28.Mai, 22:22 Uhr

    @Barbara:
    Danke für die Aufklärung!
    Ich dachte immer, links sei da wo der kleine Finger links ist. Ohne Ihre Hilfe wäre ich diesem Irrglauben für den Rest meines Lebens verhaftet geblieben. Nochmal Danke für Ihre geistreiche Belehrung!!!

Karlheinz Kiefer, Samstag, 28.Mai, 16:16 Uhr

17.

Zu meiner Studentenzeit war der ASTA nur von linken Spinnern dominiert , die von der Mehrzahl der Studenten nicht wahrgenommen wurde . Es war ein Debattierclub " Politologen - Philosophen und sonstigen Geisteswissenschaftler , unterstützt von der damaligen UDSSR , die glaubten , die einzig selig machende Wahrheit gepachtet zu haben und auch nicht gerade friedliche Aktionen durchführten . Wird heute nicht anders sein , deshalb sollte man diesen " Spinnern " keine Aufmerksamkeit schenken , den andern übrigens auch nicht . Nur die AFD hat das gleiche Recht wie die Altkommunisten .

Rumplhanni, Samstag, 28.Mai, 15:53 Uhr

16. Ich finde, Parteien oder Religiöses hat an Unis nichts verloren

Gegen politisch Andersgesinnte mit „Nazi“ zu „argumentieren“, scheint jedenfalls studentisch etwas seicht - jung und dumm. Ab 16 J gilt auch Religionsfreiheit - keine Gebetsräume für fordernde Muslime, Christen fordern diese nicht, andere noch weniger

„Linke unterwerfen sich dem Islamismus“, Charlie Hebdo - eigentlich Links? Heine, jüdisch, evangelisch, Zyniker, bissiger Kritiker des Klerus und der Gesellschaft - Links? - hat im französischen „Asyl“ in seinen Nachtgedanken Heimatverbundenheit, „Heimweh“ gezeigt - Nazi?

Das europäische „Maria, ihm schmeckt´s nicht!“ liegt nicht immer am schlechten KochX(?) oft daran, dass wir zu satt sind. Wir kennen keine religiöse Macht, die absegnet, was wir „dürfen“, werden nur gemahnt. Wir handeln nach Vorbild, Erlerntem, Aufklärung, noch wenige, aus ehrlicher!!! Überzeugung Vegetarier - Links?

Hängt Links-Ramelow ein Bunt-Fähnchen an „sein“ öffentliches Gebäude, verliert es die politische Neutralität, für die die Deutschlandfahne steht.

N. Schöttl, Samstag, 28.Mai, 15:27 Uhr

15. 194 Fahnen

wären besser, da dann jedes Land auf der Welt vertreten wäre. Doch wo stellt man so viele Fahnen auf einem Uni-Gelände nur hin? Und wer soll so viele Fahnen bezahlen?