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Aufnahme von Syrien-Flüchtlingen Auf der Suche nach Lösungen

Millionen Syrer fliehen vor dem Krieg in ihrer Heimat. Nur wenige Staaten sind bereit, sie aufzunehmen. Die Vereinten Nationen wollen mehr Länder zu konkreten Hilfszusagen bewegen und damit Schleppern das Handwerk legen.

Von: Dietrich Karl Mäurer

Stand: 30.03.2016

Fünf Jahre nach Beginn des bewaffneten Konflikts in Syrien sind Millionen Menschen auf der Flucht. Viele sind in Nachbarstaaten Syriens gestrandet - in der Türkei, im Libanon, in Jordanien oder dem Irak. In den oft provisorisch eingerichteten Lagern herrschen teils katastrophale Bedingungen. Hilfsorganisationen berichten: Es mangelt an Wasser und an Toiletten, mitunter gibt es nicht genügend zu essen.

Länder am Limit

Die Unterschlupf gewährenden Länder sind am Limit. Die Vereinten Nationen appellieren nun an die Staaten in der Welt, einen Teil der Last zu übernehmen, so Adrian Edwards, der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vor Beginn der heutigen Konferenz.

"Im Kern brauchen wir ein deutlich ausgeweitetes, mehrjähriges Programm und nicht nur eine pure Umsiedlung ohne weitere Integrationsmaßnahmen. Wir müssen dafür auch Länder als Partner gewinnen, die sich bislang nicht sonderlich bei der Aufnahme von Flüchtlingen stark gemacht haben."

Adrian Edwards, der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR

Das Ziel: Reichere Staaten sollen sich dazu bereit erklären, bis zum Ende des Jahres 2018 etwa 480.000 Menschen aufzunehmen. Im Fokus sind dabei besonders Hilfsbedürftige - Verletzte und Kranke etwa - so Adrian Edwards.

"Eine reine Umsiedlung ist dabei nicht das einzige Ziel. Wir denken auch an medizinische Behandlungen, an Familienzusammenführungen, Stipendien für Studium und Ausbildung oder auch die Einrichtung von Beschäftigungsprogrammen."

Adrian Edwards, der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR

Die Vereinten Nationen wollen in Genf einen Handlungsdruck erzeugen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon persönlich wird das Treffen eröffnen. 92 Länder schicken teils hochrangige Vertreter. Und auch mehr als 20 Nichtregierungsorganisationen haben ihre Teilnahme zugesagt.

Oxfam kritisiert reiche Länder

Vor Beginn der Konferenz kritisierte die internationale Hilfsorganisation Oxfam, dass sich viele reiche Länder aus der Verantwortung stehlen - etwa Frankreich, die Niederlande und die USA. Gelobt wurden Deutschland ebenso wie Australien, Kanada und Norwegen. Sie hätten gezeigt, dass nötige Hilfe für Flüchtlinge möglich sei. Angesichts der dramatischen Lage müsse jedoch mehr getan werden, sagt Krisen-Experte Robert Lindner von Oxfam Deutschland mit Blick auf die heutige Konferenz.

"Wir sagen und auch die UN fordern, dass mindestens zehn Prozent der am meisten schutzbedürftigen Flüchtlinge von reichen Staaten in der Region und vor allem auch außerhalb der Region aufgenommen werden müssten. Und da spielen leider auch die Staaten in Europa aber auch außerhalb Europas, die wesentlich mehr Menschen aufnehmen könnten, keine sehr gute Rolle."

Robert Lindner, Oxfam Deutschland

Gedämpfte Erwartungen

Dass sich das schnell ändern wird, darf bezweifelt werden. Und so dämpfen die Vereinten Nationen zu große Erwartungen an das heutige Treffen. UNHCR-Sprecher Adrian Edwards sagte gestern: "Morgen werden Sie einige Versprechen hören. Aber es ist nicht ein Treffen, um Versprechen einzufordern, sondern die Konferenz ist dazu gedacht, einen Prozess anzustoßen. Sehen Sie die Zusammenkunft als einen Schritt auf einer langen Strecke. Dennoch wird es ganz bestimmt einige Zusagen geben. Von größerer Bedeutung ist aber, was daraus erwächst.“

Weitere Treffen zur Flüchtlingsproblematik sind bereits in Planung. Im September soll sich die UN-Vollversammlung damit beschäftigen.


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