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Studie von YouGov Jeder dritte Bayer will Unabhängigkeit von Deutschland

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov wünschen sich einige Bayern, ihr Bundesland möge unabhängig von Deutschland sein. Der Beliebtheit des Freistaats tut das keinen Abbruch: Die Mehrheit der Befragten findet die Bewohner Bayerns am sympathischsten.

Von: Anne Hemmes

Stand: 17.07.2017

Hut mit Anstecker von König Ludwig II | Bild: picture alliance / Angelika Warmuth/dpa

Urlaub, Zufriedenheit, Sympathien: Zu diesen Bereichen hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov eine repräsentative Umfrage für die einzelnen Bundesländer und Deutschland durchgeführt.

Dabei wurde auch abgefragt, inwiefern man der Aussage "Mein Bundesland sollte unabhängig von Deutschland sein" zustimmt. Die Zustimmung fällt in Bayern am größten aus: Insgesamt finden hier 18 Prozent diese Aussage richtig, 14 Prozent "stimmten eher zu".

In keinem anderen Bundesland stimmten demnach mehr Menschen für eine staatliche Souveränität. Mit jeweils 22 Prozent landeten das Saarland und Thüringen auf dem zweiten Platz, gefolgt von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 21 Prozent).

Dagegen sehnt sich in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen nicht einmal jeder zwölfte Bürger (jeweils acht Prozent) nach einer Abspaltung von Deutschland.

Umstrittener "Bayxit"

In den sozialen Medien wird die Umfrage stark diskutiert. Facebok-User Thomas Stockert ist sich sicher:

"Deutschland könnte ohne Bayern gar nicht überleben. Deshalb ein Bayxit!!"

 Thomas Stockert

"Laptop geht, Lederhose bleibt"

User Thomas Lang will Bayern in Deutschland halten - und widerspricht:

"Der Bayxit wäre ein schönes Eigentor. Erst mal raus aus Deutschland bedeutet auch raus aus der EU. Einführung des Bayerntalers, Export von Audi und BMW unter hohen Zöllen. Deutschland könnte seine Südgrenze Richtung Bayern sichern. Kosten für eigenes Militär, eigenes Finanzwesen, eigene Infrastruktur. Bin gespannt, wie lange Bayern der geglaubte Musterknabe bleibt. Außerdem würden viele Bayern nach Deutschland auswandern. Laptop geht, die Lederhose bleibt."

User Thomas Lang

Sven Bautz twittert dagegen, dass fünf von sechs Franken sich die Unabhängigkeit von Bayern wünschen.

Eine Facebook-Userin, die sich CarolinChristoph VdWerf nennt, ist da anderer Meinung: "Franken ist Bayern und darauf sind die meisten Franken auch stolz. Ausnahmen und Hinterwelter natürlich ausgenommen. Und Nein die meisten Franken mögen Bayern, also kein TAUSCH."

Bayern als Urlaubsland beliebt

Auf Beliebtheitswerte hat der Wunsch nach Souveränität offenbar keine Auswirkung: Bayern ist bei fast allen Bundesländern als Urlaubsziel gefragt. So können sich beispielsweise über die Hälfte der Befragten aus Brandenburg und Sachsen vorstellen, ihre Urlaubstage im Freistaat zu verbringen.

Und auch die Bayern selbst sind bei den Menschen aus anderen Bundesländern gerne gesehen: 15 Prozent der Befragten finden die Bayern am sympathischsten.

Danach folgen die Hamburger (zehn Prozent) und Schleswig-Holstein (acht Prozent). Am wenigsten Sympathiepunkte sammeln laut der Umfrage die Menschen in Bremen, Sachsen-Anhalt und im Saarland - sie alle kommen auf jeweils nur ein Prozent.


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Schullehrabua, Mittwoch, 19.Juli, 09:17 Uhr

35. 32% der Bevölkerung für ein souveränes Bayern?

und dies,
1. ohne dass das Thema groß durch die Medien ging, oder anderweitig öffentlich diskutiert wurde, und
2. ohne dass irgend eine medial groß wahrgenommene Partei diesen Punkt auf ihr Programm geschrieben hätte.

Wieviel Potential ist da noch, wenn die Diskussion erst einmal richtig in Gang kommt, oder eine größere Partei sie aufnimmt?
Was sind die Gründe hierfür?
Die zunehmende Deutschlandbezogenheit der CSU ?
Der freiwillige Verzicht auf letzte verbliebende Länderrechte für die Bayernmilliarde?
Die zunehmende Preisgabe des Wettbewerbs-Föderalismus zugunsten von Einheitsbreis auf niedrigem Niveau?

Ich bin gespannt auf die ersten Umfragen zur Landtagswahl in Bayern, sobald die Bundestagswahl rum ist:
Auf das was gefragt wird, nach wem gefragt wird und wie gefragt wird.
Genauso gespannt bin ich wie die CSU wieder ihre Gleichung CSU=Bayern dem Wähler verkaufen will, und ob ihr der Wähler dies noch mal abnimmt.
Oder ob von den 32% auch nur 5% lieber BP wählen.

Leser, Dienstag, 18.Juli, 18:13 Uhr

34. Seltsame Reihenfolge der Berichterstattung.

Heute Morgend iese Meldung.
Und jetzt gerade als Titelthema "Reichsbürger"
"die Gruppierung "Bundesstaat Bayern""
Hm... die scheinen das ja durchzuziehen, obwohl sie ja nichts mit Reich am Hut haben , trotzdem schnell die Keule drauf.

Also mal ernsthaft gefragt: Sind Leute die sich eine eigenständiges Bayern wünschen Patrioten, Terroristen, Staatsfeinde oder was anderes ?
Und wie wird der Unterschied definiert?

Und die zweite Frage: Kann es sein dass ein paar Kommentare bei denen es bereits einen interessanten Dialog gegeben hat, gelöscht wurden?

  • Antwort von Miiich, Mittwoch, 19.Juli, 06:32 Uhr

    Leider wird da gar nichts definiert. Es wird offenbar nicht selbst recherchiert, sondern nur mit Klischees gearbeitet und ins Lächerliche gezugen.
    Was die Anhänger einer Wiedererlangung der Souveränität Bayerns wirklich denken, was sie bewegt und vorallem welche Fakten dahinterstehen interessiert scheinbar keinen. Bismarcks Deutschland ist unabänderliches Dogma, eine unberührbare , ewig lebende heilige Kuh, trotz Europa, Wertewandel und Globalisierung,
    Vernünftige Argumente, wie sie auch die Bayernpartei hat (Unterrepräsentation Bayerns im Europaparlament, Bürgernahe Politik etc.) werden gar nicht wahrgenommen bzw. wissentlich totgeschwiegen. Lieber schmeisst man diese Leute in einen Topf zu den wirren Reichsbürgern.

Miiich, Dienstag, 18.Juli, 15:03 Uhr

33. Titelbild

Das von der Redaktion gewählte Titelbild zieht dis ganze Diskussion wieder in Richtung "Seppeltum" und damit ins Lächerliche.
Doch politisch kulturell und wirtschaftlich kann dieses Thema durchaus ernsthaft durchdiskutiert werden.

Hffjn, Dienstag, 18.Juli, 14:38 Uhr

32. Undankbarkeit

Darf man mal bitte Fragen, wo Bayern denn wäre, wenn der industrielle Nordwesten nicht nach dem Krieg fleißig Geld in das bayrische Brachland gepumpt hätte?
Ohne Reichseinigung wäre Bayern immer noch Wasserträger vorbeimarschierender Großmächte wie Österreich oder Frankreich und politisch ungefähr so relevant wie Albanien.

Also bitte, haut doch ab, aber denkt daran, ihr habt eure "Größe" auf einem Kredit gebaut, und jetzt seid ihr euch zu fein, ihn zurückzuzahlen.

  • Antwort von Truderinger, Dienstag, 18.Juli, 16:44 Uhr

    Mein Gott, beruhigen Sie sich doch wieder, guter Mann! Wir reden von einem Drittel, nicht von der Mehrheit! Und wenn Sie von einem Kredit reden, dann sollten Sie sich vielleicht einmal schlau machen, mit welchem Multiplikator wir den mittlerweile zurückgezahlt haben. Wir haben nämlich als Leistungsempfänger investiert und die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute Nettozahler sind. Wenn ich einmal wirklich konkrete Maßnahmen des größten Geldverpulverers Berlin sehen würde, aus der ewigen Nehmerrolle rauszukommen, hätte ich damit auch kein Problem, aber dort lässt man es lieber ordentlich krachen anstatt ordentlich zu arbeiten!

  • Antwort von Miiich, Dienstag, 18.Juli, 17:02 Uhr

    Ohne Reichseinigung wäre Bayern immer noch Wasserträger vorbeimarschierender Großmächte wie Österreich...?
    Österreich war wie Bayern und auch Liechtenstein und Luxemburg Mitglied im Deutschen Bund, einem friedlichen, zu tiefts föderalen Bund ohne Angriffsarmee, bis ihn Bismarck durch Vertragsbruch und Krieg zerstörte, um sein preußisch dominiertes Deutschland herauszubrechen.

  • Antwort von Miiich, Dienstag, 18.Juli, 20:27 Uhr

    Kredit zurückzahlen? Meinen Sie die 59 Milliarden € die wir bis 2016 "erst" zurückbezahlt haben für die 3,5 Milliarden, die Bayern insgesamt aus dem Länderfinanzausgleich erhalten hat?

    Aber dabei sollten sie nicht allzuweit zurückgehen, sonst müssen wir in die Jahre 1920/21 zurückgehen, und über die durch die Weimarer Republik nie bezahlten Entschädigung für die einseitige Übernahme der bayr. Staatspost, Staatsbahnen und der Wasserstraßen durch das Reich.

Heinrich, Dienstag, 18.Juli, 14:23 Uhr

31. Mei, mehra is bessa

Dann spalten wir gleich ganz Deutschland in eigenständige Länder auf. Und Franken wird von Bayern gelöst. Die Sorben bekommen ihren Staat. Wir führen Schleswig wieder ein, und Friesland und, und, und. Irgendwann haben wir dann vermutlich 150 Kleinststaaten, die alle 12 Punkte beim ESC geben können. Und wi die Staaten des Ex-Yugoslawien sich IRL die Köpfe einschlagen, geben wir uns dann auch bei diesem Wettbewerb gegenseitig die Punkte. Dann können wir mit dem größten Schmarrn antreten, und gewinnen trotzdem. Aber das war es dann auch schon.

Wenn solche Themen angeschnitten werden, genau dann muss man sich umsehen. Denn meist wird damit nur von etwas abgelenkt, was nicht gerne ins Licht gezerrt werden soll

Ein eigenständiges Bayern sind wir doch schon. Wir sind ein Freistaat mit eigener Verfassung und Mitglied eines föderalen Verbundes: der Bundesrepublik Deutschland. Wären wir das nicht, wären wir immer noch der arme Bauernstaat, der wir vor 100 Jahren waren.