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Zum Tod von Umberto Eco Zeitkritiker und Allwissender

Sein Blick auf die Welt wird uns fehlen. So titelt heute die italienische Tageszeitung "La Repubblica". Der "Corriere della Sera" verabschiedet sich mit: "Adieu Umberto Eco, der Mann der alles wusste". Gestern Abend ist Eco mit 84 Jahren gestorben. Er war schon länger an Krebs erkrankt.

Von: Riccardo Mastrocola

Stand: 20.02.2016

portrait von umberto eco | Bild: picture-alliance/dpa

1980 war das Jahr, in dem er schlagartig weltweit bekannt wurde, zuvor hatte sich Umberto Eco in Italien einen Namen gemacht als Sprachwissenschaftler. Dann, um mal was anderes zu machen und aus intellektuellem Vergnügen, schrieb er den Roman "Der Name der Rose". Da war er 48 Jahre alt.

"Normalerweise brennt man in dem Alter mit einer kubanischen Tänzerin durch. Einen Roman zu schreiben war weniger kostspielig."

Umberto Eco

So stellte es Umberto Eco im Interview mit dem ARD-Studio-Rom im vergangenen Sommer dar. An eine Auflage von 3.000 hatte er gedacht. Daraus sind bis heute rund 50 Millionen verkaufte Exemplare geworden. Und die Kinofassung von "Der Name der Rose" ist Kult und Filmgeschichte.

"Mehr kann man von Kultur nicht verlangen"

Es folgten weitere Bestseller, wie das "Das Foucaultsche Pendel" oder "Die Insel des vorigen Tages", und noch im vergangenen Jahr veröffentlichte Eco den Roman "Nullnummer".

In diesem Werk rechnet er mit der Presse und der Politik Italiens in den 90er Jahren ab - vor allem mit Silvio Berlusconi, den er von Anfang an bekämpft hatte.

"Die Welt der Kultur war praktisch die einzige Front gegen Berlusconi in all diesen 20 Jahren. Wir haben den Status Quo nicht hingenommen und immer wieder Zeugnis abgelegt. Viel mehr kann man von der Kultur nicht verlangen."

Umberto Eco

Sorge um Europa

Gleichzeitig war Umberto Eco ein gefragter Philosoph und Kolumnist, schrieb regelmäßig für Tageszeitungen und war im Ausland ein gefragter Gesprächspartner zu aktuellen Themen.

Zum Beispiel was die Flüchtlingspolitik angeht und den Zusammenhalt in Europa. Im vergangenen Sommer hat er folgendes dazu gesagt:

"Ich bin ein Pionier Europas, wir waren schon immer eine besondere europäische Generation. Ich bin von jeher ein überzeugter Europäer. Gemeinsam mit Habermas habe ich viele Initiativen unterstützt. In diesem Moment bin ich sehr pessimistisch, weil der Sinn für Solidarität abnimmt. Und ohne Sinn für Solidarität funktioniert Europa nicht mehr. Deshalb bin ich gerade sehr besorgt."

Umberto Eco

Umberto Eco hat viel nachgedacht über die Art, wie wir leben, über die Schnelllebigkeit, über den Mangel an Vorbildern.

"Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles fließt, in der sich die Idee des Staates auflöst, die Idee der Parteien. Es gibt keine Orientierungspunkte mehr. Die Leute wissen nicht mehr, mit was sie sich identifizieren sollen. Wir sind Selfie! Wir identifizieren uns mit uns selbst."

Umberto Eco

Zeitkritiker, zum Erfolg verdammt

Umberto Eco war ein großer Zeitkritiker und ein großer Erzähler, ein begnadeter Erzähler, der Millionen von Lesern in die Buchkultur und Geschichte eingeführt habe. So lautet die Begründung des Kuratoriums in Mainz, das ihm 2014 den Gutenberg-Preis verliehen hatte.

Anerkennung hatte er ohne Frage: Was ihm verwehrt blieb, war der Literaturnobelpreis, für den er immer wieder gehandelt wurde. Was ihn bis zuletzt genervt hat, dass er immer wieder auf den Namen der Rose reduziert wurde.

"Wenn ich von all meinen Romanen nur einen retten könnte, würde ich das Foucaultsche Pendel retten und nicht den Namen der Rose. Der Roman gefällt mir besser, er ist reifer. Doch das ist ein Schicksal, das viele Schriftsteller teilen. Gabriel Garcia Márquez hat wunderschöne, sehr gute Romane geschrieben, Hundert Jahre Einsamkeit ist geblieben. Vielen ist das so ergangen. Das Problem ist, man müsste nicht mit dem ersten, sondern erst mit dem letzten Erfolg haben. Wehe Dir, wenn du mit dem ersten Buch Erfolg hast!"

Umberto Eco

Umberto Eco sagte das im vergangenen Sommer noch mit einem unüberhörbaren Augenzwinkern.

Der Schriftsteller Umberto Eco war auch ein unermüdlicher Vielleser - rund 50. 000 Bücher soll seine Bibliothek umfassen: Wer mit 70 Jahren nicht liest, hat er mal gesagt, hat ein einziges Leben gelebt. Wer aber liest, wird 5.000 Jahre erlebt haben.

Viel mehr als "Der Name der Rose"

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