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Strukturreform der ARD Wilhelm: "BR bildet Lebenswelt in Bayern ab"

Die ARD hat der Politik gemeinsam mit ZDF und Deutschlandradio einen Bericht vorgestellt, wie die Chancen der Digitalisierung am besten genutzt werden können. Zentrale Aussage: Die ARD will sich zu einem inhaltlich crossmedialen, integrierten, föderalen Medienverbund weiterentwickeln. BR-Intendant Ulrich Wilhelm betonte die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Von: Sissi Pitzer

Stand: 29.09.2017

Es geht um Einsparungen, vor allem aber um Optimierung: Die neun Landesrundfunkanstalten der ARD wollen überall kooperieren, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist - also in Verwaltung, Technik, Produktion, IT und Programmverbreitung. So sollen gemeinsame Plattformen für digitale Produkte entstehen, der Zugriff auf Archivmaterial über alle Programme hinweg erleichtert werden. Das Programm bleibt hingegen föderal ausgerichtet.

"Es ist geradezu eine Stärke des BR, dass er die Lebenswelt in Bayern so intensiv abbildet, dass wir zum Zusammenhalt, zur Identität in Bayern maßgeblich beitragen können. Daran darf und soll sich nichts ändern."

BR-Intendant Ulrich Wilhelm

Zusammenarbeit mit ZDF und Deutschlandfunk

BR-Intendant Ulrich Wilhelm sagt: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss unabhängig und glaubwürdig bleiben!

Dabei will man auch gemeinsame Projekte mit Deutschlandfunk und ZDF auf den Weg bringen. Zum Beispiel bei den Auslandsstudios, wie die ARD-Vorsitzende Karola Wille erklärt: "Wir werden gemeinsam mit dem ZDF Lösungen finden, dass wir uns überall crossmedial und effizienter aufstellen, im Interesse noch besserer Qualitätsinhalte, auch im Internet, und werden noch stärker weltweit aus den Auslandsbüros berichten."

Wilhelm verweist auf die hohe Bedeutung des Gemeinwohls

Die Strukturreform soll in den kommenden zehn Jahren knapp eine Milliarde Euro einsparen, hinzu kommt eine weitere Milliarde, die durch eine mit den Gewerkschaften vereinbarte Reform der Altersversorgung zu Buche schlägt. Das wird allerdings nicht reichen, um das Programmangebot der ARD aufrecht zu erhalten. Denn seit 2009 ist der Rundfunk-Beitrag nicht gestiegen, wurde sogar auf 17,50 Euro gesenkt und wird bis 2020 stabil bleiben.

Die Entscheidung über eine Erhöhung liegt bei den Ministerpräsidenten der Länder, die dafür Einstimmigkeit brauchen. "Wenn wir weiter keinen Teuerungsausgleich erhalten, wenn wir die steigenden Kosten Jahr für Jahr nur durch Abspecken im Programm erbringen müssen, dann wird es am Ende zu einem Verlust an regionaler Vielfalt kommen", sagt BR-Intendant Ulrich Wilhelm.

Wichtig ist für den BR-Intendanten, der Karola Wille Anfang 2018 als ARD-Vorsitzender ablösen wird, die Orientierung der Öffentlich-Rechtlichen am Gemeinwohl:

"Tatsächlich ist unsere Marktposition seit Jahren sogar besser geworden, die Angebote kommen an, Menschen entdecken den Wert solider, seriöser, hochwertiger Information, Bildung und Unterhaltung. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird, so sagen verschiedene Umfragen, geschätzt dafür, dass er glaubwürdig ist, dass er unabhängig ist, und dass er den Zusammenhalt der Gesellschaft mit voranbringt."

BR-Intendant Ulrich Wilhelm

Die Bundesländer haben vor einem Jahr eine Arbeitsgruppe für „Auftrag und Strukturoptimierung der Rundfunkanstalten“ eingesetzt. Rundfunk ist in Deutschland Ländersache. Ob die Intendanten mit ihren Konzepten diesen Auftrag erfüllt haben, wird politisch diskutiert werden. Vorschläge zur Zusammenlegung oder Schließung von Sendern und Programmen wurden bewusst nicht gemacht, betont Wilhelm, denn der öffentlich-rechtliche Auftrag sei verfassungsrechtlich festgelegt.


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