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Uli Hoeneß wieder frei Der gute Mensch vom Tegernsee

Steuersünder Uli Hoeneß ist wieder frei - exakt nach der Hälfte seiner dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe wurde der 64-Jährige vorzeitig entlassen. Seine Zukunftspläne? Noch nicht bekannt. Seine erste Tat? Eine gute.

Von: Ernst Eisenbichler

Stand: 29.02.2016

Uli Hoeneß | Bild: picture-alliance/dpa

Uli Hoeneß ist nach Angaben seines Sohnes Florian bereits zu Hause. Dieser sagte wartenden Journalisten am Montagmorgen vor dem Hoeneß-Anwesen im oberbayerischen Bad Wiessee am Tegernsee, sein Vater sei daheim. Er werde sein Haus am ersten Tag nach der Haftentlassung nicht verlassen.

Mann mit zwei Gesichtern

Die FC Bayern-Legende Hoeneß wird gern als Mann mit zwei Gesichtern bezeichnet: zum einen der machtgierige, giftende, den Bogen oft überspannende Ex-Bayern-Manager und -Präsident, zum anderen der Wohltäter, der großzügig spendet und in Not Geratenen hilft. Vielleicht stimmt diese Schwarz-Weiß-Charakteristik. Der erste Hoeneß wäre dann der, der am Ende sogar kriminell wurde und wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe im Gefängnis landete. Der zweite Hoeneß wäre der, der unter anderem eine Stiftung für Dominik Brunner, den Zivilcourage das Leben kostete, ins Leben rief oder eine ganze Reihe von problemgeplagten FC Bayern-Spielern wie Alexander Zickler, Sebastian Deisler oder Breno nicht fallen ließ.

Gehalt aus Freigänger-Zeit gespendet

Vielleicht stimmt diese Schwarz-Weiß-Charakteristik aber auch nicht - und die Taten des "guten" Hoeneß lassen über die des "bösen" besser hinwegsehen, zum Teil zumindest. Wie auch immer - kurz vor seiner Entlassung präsentierte sich der 64-Jährige wieder einmal von seiner Schokoladenseite: Das Gehalt aus seiner Freigänger-Zeit habe er in vollem Umfang der FC Bayern Hilfe e. V. gespendet, ließ er wissen. Der angeblich hohe fünfstellige Betrag kommt damit unter anderem unschuldig in Not Geratenen und sozialen Projekten zugute.

Vorzeitige Entlassung

Wo Hoeneß seine Haftstrafe verbüßte: Justizvollzugsanstalt Landsberg, Außenstelle Rothenfeld

Das Urteil des Landgerichts München II gegen den Steuersünder hatte auf 42 Monate gelautet. Die Haft trat er im Juni 2014 an. Seit Anfang 2015 arbeitete Hoeneß als Freigänger tagsüber in der Nachwuchsabteilung des Rekordmeisters. Im Januar 2016 entschied das Landgericht Augsburg gemäß §57 des Strafgesetzbuches, dass Hoeneß vorzeitig heraus darf und nur die Hälfte seiner Gefängnisstrafe verbüßen muss - auf Bewährung.

Bald in Barcelona?

Wieder Landhaus statt Gefängniszimmer: Hoeneß' Heim am Tegernsee

So viel zur Gegenwart. Aber was hat Hoeneß nun nach seinem 21 Monate dauernden Aufenthalt im kleinen Zimmer im Landsberger Gefängnis, Außenstelle Rothenfeld, vor? Erst einmal Urlaub mit Ehefrau Susi, hieß es aus dem Umfeld des FC Bayern. Der Weltmeister von 1974 darf sich nun ja frei bewegen, auch ins Ausland reisen. Sollte zum Beispiel "sein" FC Bayern aktuell in der Champions League weiterkommen und etwa den FC Barcelona als Gegner erhalten, kann er ohne weiteres das Kracherspiel live im Stadion Camp Nou verfolgen. Nur eine einzige Auflage muss Hoeneß laut Landgericht Augsburg beachten: jeden Wohnungswechsel melden. Doch ein solcher ist angesichts seines geräumigen Landhauses in Bad Wiessee, hoch über dem Tegernsee, eher unwahrscheinlich.

Bald wieder FCB-Präsident?

Das ist die Frage aller Fragen. Hoeneß selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert. Aber auf der FCB-Mitgliederversammlung im Mai 2014, als er schon wusste, dass er ins Gefängnis muss, hatte er ja in seinem bekannten Kampfmodus angekündigt:

"Und dann, wenn ich zurück bin, werd' ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war's noch nicht!"

Uli Hoeneß auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Mai 2014

Der amtierende FCB-Präsident Karl Hopfner würde "selbstverständlich" nicht im Weg stehen.

Zumindest so manche Bayern-Fans, so manche Mitglieder wünschen sich ihr Vereinsidol wieder zurück an der FCB-Spitze. Laut "Bild"-Zeitung will Hoeneß am 1. Juli verkünden, ob und was er beim Rekordmeister vorhat. Der amtierende Präsident Karl Hopfner hat jedenfalls vorab wissen lassen, dass er "selbstverständlich" Platz machen würde für Hoeneß, sollten die Gremien diesen als Präsidenten vorschlagen. Das Modell könnte dann so aussehen: Hoeneß wird der neue alte Vereinspatron, Hopfner bleibt Aufsichtsratsvorsitzender. Die nächste Präsidentenwahl findet übrigens im November statt.


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otti, Mittwoch, 02.März, 19:50 Uhr

47.

Was für ein Gesülze um den sicher zu Recht verurteilten Straftäter Hoeneß. Ministerpräsident und Gefolgschaft breiten den roten Teppich aus und schwingen die Palmwedel. Wenn er mit dem Finger schnippt, ist sein Stuhl beim FCM mit rotem Samt frisch bezogen und frei für ihn. Dann kann er wieder die Fans beleidigen und beschimpfen. Unerträglich, dieses Theater.......Aber die Menschen wollen es ja nicht anders!

Alois Füser, Mittwoch, 02.März, 12:23 Uhr

46. Glorifizierung von Uli Hoeness

Ich wünsche Herrn Hoeness alles Gute. Er hat für sein Vergehen die auferlegte Strafe abgesessen. Problematisch finde ich Berichterstattung über die schwere Zeit usw.... Bei allen guten Wünschen sollte nicht vergessen werden, dass ihm kein Leid wiederfahren ist oder er einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten hat, sondern er eine Straftat vollzogen hat für die er eine angemessene Strafe erhalten halt

Francesco, Mittwoch, 02.März, 09:53 Uhr

45. Scheinheilig

Ich habe die Lebensleistung und sein soziales Engagement immer sehr geschätzt. Nun wurde öffentlich, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Ganze Getue und Gehabe um die Person Hoeness Schritt für Schritt lächerlicher (juristische Aufarbeitung und Argumentation, Strafmaß und -Ablauf, strategische Spenden, etc.etc.). Die Unterstützer müssen sich fragen lassen, ob das alles so richtig ist.... Die ganze Posse ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten und kotzt mich an. Wenn jetzt auch noch die Bezeichnung "Gutmensch" im Zusammenhang mit einem "staatlich anerkannten Betrüger" in den Mund genommen wird, wird es für mich unerträglich. Bin ja mal gespannt, wie das weiter geht... ??

dr. rieden-Lukaschek, Montag, 29.Februar, 19:24 Uhr

44. Entlassung

Herzlichen Glückwunsch und viel Weisheit und Gelassenheit für die Zukunft.

Sven-Alexis Fischer, Montag, 29.Februar, 15:20 Uhr

43. Vorzeitige Haftentlassung von Uli Hoeneß

Mir kommt bei all dem ungerechtfertigten Rummel um seine Person viel zu kurz, dass der Grund für seine Inhaftierung
eine bedrückende innere Leere gewesen ist. Ein Mann mit einer Vorbildfunktion, der den Hals nicht voll kriegen konnte
und aus geistiger Armut und Langeweilie heraus herumgezockt hat. Er ist insoweit auch die zentrale Figur der völlig überdrehten
Fußballwelt des FC Bayern, in der Geld und drei Punkte das Evangelium der Neuzeit geworden sind.

  • Antwort von B.Blatt, Montag, 29.Februar, 17:17 Uhr

    @Fischer
    Dieser Kommentar trifft den Nagel auf dem Kopf!