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150 Jahre TÜV Süd Unter dem Siegel der Sicherheit

Alles begann mit der Dampfmaschine: Die industrielle Revolution - und in ihrem Schatten auch eine Gesellschaft, die für die Kessel und die Sicherheit der Arbeiter verantwortlich war. Heute geht es zwar nicht mehr um altertümliche Maschinen, doch den TÜV gibt es immer noch - seit 150 Jahren.

Von: Gabriel Wirth

Stand: 06.01.2016

Mitarbeiter des TÜV Süd kontrolliert Auto | Bild: picture-alliance/dpa

Die Dampfmaschine steht für die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Leider kommt es dabei aber auch immer wieder zu Explosionen und schrecklichen Unfällen. Um die Sicherheit der Arbeiter zu erhöhen, gründen badische Unternehmer am 6. Januar 1866 "die Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln", die regelmäßig Dampfkessel kontrollieren soll. Aus dem DÜV entsteht später der TÜV Süd, dessen Vorstandschef heute Axel Stepken ist:

"Wir waren bei allen technischen Revolutionen dabei. Wir kommen überall da hin, wo man normalerweise nicht hinkommt: Unsere Ingenieure klettern nach wie vor in Dampfkessel, auch in Tanklaster, aber auch auf Windräder und Achterbahnen. Die Arbeitsmittel ändern und verfeinern sich aber natürlich – und viele Dinge können wir zerstörungsfrei zum Beispiel mit Ultraschall prüfen."

Axel Stepken, Vorstandschef TÜV Süd

Dabei ist der TÜV Süd in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Aus dem Verein wird ein Großkonzern mit weltweit 22.600 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro.

In gerade einmal zehn Jahren hat sich der Umsatz damit mehr als verdoppelt. Neben TÜV Nord und TÜV Rheinland gehört das Unternehmen mit Sitz in München mittlerweile zu den größten TÜVs in Deutschland.

Das Siegel der Verschwiegenheit

Die Organisationen weiten ihre Geschäfte immer mehr aus, offenbar schauen sie dabei aber nicht immer ganz genau hin, wer, wie mit dem Siegel wirbt und setzen so das gute Image aufs Spiel. So gibt zum Beispiel der TÜV Süd auch der S&K Vermögensgruppe ein Siegel, die Gruppe bricht später zusammen, die S&K soll laut Anklage 10.000 Anleger um 240 Millionen Euro geprellt haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erhebt auch gegen den TÜV Süd schwere Vorwürfe, in einem Fernsehinterview im Sommer des vergangenen Jahres erklärt die Pressesprecherin der Behörde Doris Möller Scheu:  

"Geprüft worden ist da nichts weiter, sondern es ist lediglich eine Aufstellung der Käufe und Verkäufe gemacht worden – über Werthaltigkeit und solche Dinge sagt das gar nichts, hat aber nach außen hin den Anschein erweckt, als sei das vom TÜV geprüft. Da ist völlig klar, es kam einfach auf diesen Stempel und diese Unterschrift an und wir gehen davon aus, dass das auch den Leuten vom TÜV bewusst war.“ ."

Doris Möller-Scheu, Pressesprecherin Staatsanwaltschaft Frankfurt

Brustimplantate und Bestatter

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen Mitarbeiter des TÜV Süd. Dort weist man die Vorwürfe zurück, die S&K Vermögensgruppe hätte mit dem Siegel gar nicht werben dürfen, heißt es, verhindert hat man es aber offensichtlich auch nicht. Auch andere Überwachungsorganisationen geraten in die Schlagzeilen weil sie Siegel für mangelhafte Brustimplantante oder gar für Dienste von Bestattungsunternehmen vergeben haben. Holger Brackemann leitet bei der Stiftung Warentest die Untersuchungen. Um künftig solche Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt er:

"Also, ich denke das Wichtigste ist erst einmal, dass man bei Siegeln sehr klar und transparent kommuniziert, was man überhaupt geprüft hat. Und dass sich diese Prüfgrundlage auch zwingend demjenigen, an den sich das Siegel nachher richtet, also den Verbraucher, auch mitgeteilt wird. Denn vielfach sieht er nur ein TÜV-Siegel und denkt, die Qualität des Produktes ist wunderbar – aber in Wirklichkeit hat man eben an der Stelle nur einen Teilaspekt untersucht."

Holger Brackemann, Stiftung Warentest

Der TÜV schaut nach vorne

Beim TÜV Süd spricht man lieber über die Zukunft. Das Unternehmen gründet in diesem Jahr digitale Kompetenzzentren in München und in Singapur, wie Vorstandschef Stepken ankündigt:

"Durch Industrie 4.0 und das Internet  der Dinge sind Systeme und Anlagen künftig weltweit mit einander vernetzt, so das Missbrauchsrisiken neu bewertet und entsprechende Schutzmechanismen entwickelt werden müssen."

Axel Stepken, Vorstandschef TÜV Süd

So testet der TÜV unter anderem Roboter, die eng mit Menschen kooperieren, oder kümmert sich um die Freigabe von Versuchsfahrzeugen für den öffentlichen Straßenverkehr.


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Das Leihschwein, Mittwoch, 06.Januar, 10:09 Uhr

1. TÜV geprüft da fallen mir sofort Brustimplantate aus Bausilikon und künstliche

Hüftgelenke ein die vom TÜV zertifiziert wurden und später zerbröselten. Der TÜV prüfte nach Aktenlage ohne sich den Fertigungsprozess im Betrieb anzuschauen. Was die PKW Untersuchung betrifft passieren Unfälle nicht, weil die Technik versagt, sondern der Mensch. PKW Neuwagen sollten erst nach 4 bis 5 Jahren zur Untersuchung, ältere PKW alle drei Jahre. Im Januar muss ich zum TÜV und werde denen meine letzte Werkstattrechnung schicken, können mir die Plakette dann per Post zuschicken. Auch den TÜV geht es darum Kasse zu machen und für entsprechendes Honorar wird alles zertifiziert auch wenn man keine Ahnung davon hat. Wenn ich dann noch lese das der TÜV an den AKW beteiligt ist die er Prüfen soll dann weis man doch wie die Ergebnisse ausfallen.