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Tbc an Dresdner Schule Tuberkulose ist die schwerste bakterielle Infektionskrankheit der Welt

Tuberkulose ist weltweit unter den Top drei der übertragbaren Krankheiten mit tödlichem Ausgang. Die Lungenkrankheit ist aber nicht nur Thema der Dritten Welt. Auch in Deutschland werden immer wieder Fälle gemeldet - wie jetzt am HOGA-Gymnasium in Dresden.

Stand: 08.12.2017

Tuberkulose | Bild: colourbox.com

Am HOGA-Gymnasium in Dresden sind Fälle von Lungentuberkulose diagnostiziert worden. Alle Schüler und Lehrer werden auf die Lungenkrankheit hin untersucht. So soll eine weitere Ausbreitung verhindert werden.

Ehemals die Krankheit der Armen

Bei Tuberkulose denken viele an vergangene Zeiten: Im 19. und 20. Jahrhundert war sie die Krankheit der Armen. Jeder zweite Todesfall in der Altersgruppe der 15- bis 40-Jährigen wurde um 1880 in Deutschland auf die Tuberkulose zurückgeführt. Heutzutage ist die Krankheit in Deutschland selten geworden - nur wenige Tausend Menschen erkranken daran jährlich.

Tuberkulose sollte aber nicht unterschätzt werden. Risikogruppen sind arme, alte Menschen oder AIDS-Patienten, denn deren Immunsystem ist geschwächt: durch Krankheiten, schlechte oder vitaminarme Ernährung oder durchs Alter.

Tuberkulose schwerste bakterielle Infektionskrankheit der Welt

Auch wenn die reichen Industrienationen wenig von Tuberkulose betroffen sind, gilt sie mit 1,7 Millionen Toten allein im vergangenen Jahr als schwerste bakterielle Infektionskrankheit der Welt. Mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis haben sich im vergangenen Jahr nach WHO-Schätzungen 10,4 Millionen Menschen angesteckt. Zwei Drittel der Neuinfektionen wurden in Indien, Indonesien, China, Pakistan, Nigeria, Südafrika und auf den Philippinen registriert.

Dutzende Staaten haben zu einem verstärkten Kampf gegen Tuberkulose aufgerufen. Alle Länder seien verpflichtet, ihr Engagement zur Ausrottung der Krankheit zu steigern, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von rund 70 Gesundheitsministern bei einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im November in Moskau. Sie sprachen sich für gemeinsame Maßnahmen bis 2030 aus. "Das ist ein lange überfälliges Bekenntnis, um den Tod und das Leiden zu stoppen, das dieser alte Killer auslöst", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Nur "offene TBC" ist ansteckend

Mit Tuberkulose infizieren kann sich grundsätzlich jeder, der mit dem hochansteckenden Erreger Mycobacterium tuberculosis in Kontakt kommt. Der Keim wird frei, wenn ein an "offener Lungen-Tuberkulose" Erkrankter ihn beim Husten verbreitet. Das ist dann der Fall, wenn sich eine TBC-Kapsel mit dem Bronchienstamm verbunden hat. Bedeutsam ist auch die Menge an Bakterien, die ausgehustet wird.

Tuberkulose ist eine meldepflichtige Krankheit. Patienten mit einer "offenen TBC" müssen zwei Wochen in Quarantäne und mehrere Monate spezielle Antibiotika einnehmen. Es gibt aber auch nicht ansteckende TBC-Formen, die sogenannte "geschlossene TBC".

Resistente Tuberkulose-Formen: MDR und XDR

Seit 30 Jahren wird Tuberkulose mit einem Mix aus mehreren speziellen Antibiotika behandelt, die sechs bis neun Monate zu festen Zeiten eingenommen werden müssen. Gegen die zwei wichtigsten Medikamente gibt es inzwischen Resistenzen. Nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" leiden weltweit rund 650.000 Tuberkulose-Patienten an der multiresistenten Form der Krankheit, die man MDR-TB nennt (englisch für "multidrug-resistant"). Die Erreger sind gegen die beiden stärksten Medikamente Rifampicin und Isoniazid resistent.

Patienten mit einer MDR-TB müssen mit speziellen, teureren Medikamenten behandelt werden. Aus der MDR-TB hat sich mittlerweile eine noch gefährlichere Tuberkulose-Variante entwickelt: die XDR-TB (englisch für "extensively drug resistant tuberculosis"), gegen die es nur sehr wenige Medikamente gibt. Auch in hochindustrialisierten Ländern liegt der Behandlungserfolg von XDR bei nur 40 Prozent. In Europa gibt es besonders viele Medikamenten-Resistenzen in Osteuropa, also den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Diagnosemethoden veraltet

Ärzte- und Entwicklungsorganisationen kritisieren, dass die Tuberkulose-Forschung seit langem sträflich vernachlässigt wird. Die zur Verfügung stehende Diagnosemethode stamme aus dem 19. Jahrhundert und sei nicht gut genug. Die Entwicklung neuerer und günstigerer Tests sei dringend nötig.


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