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Trumps Pressesprecher Vier Falschaussagen in fünf Minuten

Es war ein denkwürdiger Auftritt: Knapp fünf Minuten redete der neue Pressesprecher des Weißen Hauses bei seiner Premiere. Dabei verdrehte Sean Spicer mindestens vier mal die Fakten zu seinen Gunsten.

Von: Jannik Pentz

Stand: 22.01.2017

Sean Spicer hat eine Mission. Der Pressesprecher des Weißen Hauses möchte etwas klarstellen: Die Medienberichte über die Amtseinführung seines Chefs waren alle nicht korrekt. Denn eigentlich seien ja viel mehr Menschen in Washington gewesen, als es zunächst berichtet wurde. Die Zeremonie für Trump habe nämlich das größte Publikum der Geschichte gehabt. Basta! Auch sein Chef, Präsident Trump bleibt dabei. Auf Twitter hat er das heute nocheinmal bekräftigt.

Natürlich ist Spicer vorbereitet. Als er zum ersten Mal vor die Journalisten im Weißen Haus tritt, will er Fakten präsentieren. Allerdings sind mindestens vier seiner Behauptungen so nicht ganz korrekt.

Behauptung 1

"Der ganze Platz war voll, als Präsident Trump den Amtseid leistete."

Sean Spicer

Wie viele Menschen die Amtseinführung von Trump tatsächlich live in Washington mitverfolgten, ist schwer zu ermitteln. Die Organisatoren hatten zunächst mit 900.000 Menschen gerechnet.

Zwei Amtseinführungen im Vergleich: Trump 2017 (links) und Obama 2009 (rechts)

Luftaufnahmen zeigen aber: Kurz vor der Amtseinführung waren deutlich weniger Menschen auf der "National Mall". Der direkte Vergleich mit einer Aufnahme von 2009 (1. Amtseinführung Obamas) macht den Unterschied noch deutlicher. Beide Aufnahmen entstanden kurz vor dem Amtseid. Die Aussage von Spicer, der Platz war "voll", stimmt also nachweislich nicht.

Behauptung 2

"Zum ersten Mal wurden Bodenplatten benutzt, um den Rasen zu schützen. So wurden leere Plätze stärker sichtbar, als in den letzten Jahren."

Sean Spicer

Zahlreiche Fotos zeigen, dass auch bei der letzten Amtseinführung von Barack Obama (2013) Bodenplatten eingesetzt wurden.

Behauptung 3

"Wir wissen, dass 420.000 Menschen gestern die U-Bahn benutzt haben. Bei Präsident Obamas Amtseinführung waren es nur 317.000."

Sean Spicer

Die Transportbehörde der US-Hauptstadt hat dazu offizielle Zahlen veröffentlicht. Sie zählt, wie viele Menschen bis kurz vor der Zeremonie (11 Uhr) unterwegs waren. In der Tat waren das bei Obama 2013 etwa 317.000. Bei der Amtseinführung von Trump waren es allerdings nicht wie behauptet 420.000, sondern nur 193.000.

Behauptung 4

"Es war das größte Publikum, das jemals eine Amsteinführung sah. Basta! Sowohl direkt vor Ort als auch auf der ganzen Welt."

Sean Spicer

Die Größe eines globalen TV-Publikums zu bestimmen, ist quasi unmöglich. Doch es gibt Anhaltspunkte, welche gegen die Behauptung von Spicer sprechen. So war die Amtseinführung von Trump mit 30,6 Millionen Zuschauern nur die fünft-meistgesehene im US-Fernsehen. Vier Zeremonien konnten laut den offiziellen TV-Quoten mehr Zuschauer vor die Fernseher locken: Nixon (1973, 33 Mio.), Carter (1977, 34,1 Mio.), Obama (2009, 37,7 Mio.) und Reagan (1981, 41,8 Mio.).

Auch bei der Zahl der Internet-Livestreams hat die Amtseinführung von Trump offenbar keine Rekorde gebrochen. So hat der US-Sender CNN mitgeteilt, dass knapp 17 Millionen Menschen seinen Livestream nutzten. 2009 schaffte Vorgänger Obama hier 25 Millionen und damit deutlich mehr. Nach etwa fünf Minuten endet damit die Premiere des neuen Pressesprechers. Nachfragen der anwesenden Journalisten werden nicht zugelassen. "Dann bis Montag!", sagt Spicer und verlässt das Podium.

Donald Trump triumphiert und beruft sich auf Fernseh-Quoten

Donald Trump hat am frühen Sonntagnachmittag deutscher Zeit getwittert: "Wow, die Fernseh-Quoten sind gerade veröffentlicht worden: 31 Millionen Menschen haben die Amtseinführung angeschaut, 11 Millionen mehr als vor vier Jahren, als die Quote auch schon sehr gut war."


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Henrikus W., Dienstag, 24.Januar, 17:29 Uhr

58. Amerika und seine Regierung

Was geht "das" eigentlich uns an? Wäre es nicht geziemender und besser, wenn man sich mal um "den Dreck vor der eigenen Tür" kümmern würde.
Bei uns wird mindestens genau so viel gelogen und "schön geredet".

  • Antwort von Florenz Villegas, Mittwoch, 25.Januar, 11:05 Uhr

    Das ist das Schöne am Internet, man kann es im Grunde nicht voll machen. Da ist Platz für buchstäblich alles. Natürlich erfordert diese Informationfülle dem Konsumenten erheblich mehr ab, er muss nämlich selbst entscheiden, was ihn interessiert und was nicht. Was Sie hier im Grunde fordern ist eine Selektion "sendungswürdiger" Meldungen. Wenn es um rein Privates geht, also wer mit wem schläft, welche Weltanschauung jemand vertritt, sprich: Wie jemand sein privates Leben gestaltet, geht uns tatsächlich nichts an. Wenn aber der neue Präsident eines unserer wichtigsten "Freundnationen" und seinen Umgang mit dem Amt im Fokus steht, dann halte ich ALLES für grundsätzlich erwähnenswert und überlasse jedem Leser / Zuschauer die Entscheidung, welche Priorität das für ihn hat. Wäre nicht alles andere gewissermaßen Zensur?

IWI, Dienstag, 24.Januar, 11:44 Uhr

57. Lügen haben kurze Beine ...

Wie viel Alkohol oder Realitätsverlust muss jemand gebunkert haben, um Zuschauerzahlen bei der Einführung Trumps quasi zu verdoppeln ? Was für eine Lappalie im Vergleich mit den wirklich wichtigen Konfliktherden auf der Welt ... Es scheint mittlerweile ein präsidentialer Sport geworden zu sein, mit der gröbsten Lüge frech im Maul die Presse und damit auch das Volk zu belügen ...

Solch ein Affentheater hat das amerikanische Volk wirklich nicht verdient. Dazu eine Volksweisheit: Lügen haben kurze Beine ...

Cosi, Montag, 23.Januar, 19:52 Uhr

56. Geistige Umnachtung!

Da sieht man mal welch Geistes Kind diese Neue Regierung ist.

Trump Allergie ...ich kanns jezt schon nicht mehr hören und sehen.

Alois E., Montag, 23.Januar, 16:42 Uhr

55. Nationale Selbstbestimmung als Voraussetzung für lebendigen Frieden

Ist das Thema global relevant? Ist das Thema für das Deutsche Volk relevant? Es ist gar kein Thema im Vollsinne. Es ist ein Gerangel zwischen einem noch nicht eingearbeiteten Beamten und den besonders fiesen aus dem Kreis der Massenmedien. Interessieren dürfte es nur wenige US-Bürger, die noch nicht sehen, was wirklich wichtig ist. Trump ist ein Politiker der nationalen Bescheidenheit. Er will Kriege beenden, nicht mit Bomben, wie Bush und Obama, sondern durch Wiederherstellen von Nationen und ihren natürlichen Rechten auf Selbstbestimmung. Trump bringt fremden Völkern das Vertrauen entgegen, ihre Angelegenheiten selber regeln zu können. Bei aller Berechtigung zu Revanchismus gegen die USA seit deren antideutscher Einmischung im Ersten Weltkrieg bis zu Ramstein - Trump möchte die USA bessern. Hierzu sollte der BR nicht ausländisch-propagandistische Zerrbilder vom hässlichen Deutschen provozieren. Hört Trump selbst genau zu, statt auf ihm kleinlich herumzuhacken!

  • Antwort von Ralf, Montag, 23.Januar, 18:14 Uhr

    Lieber Alois,
    ja natürlich ist das Thema relevant. Wenn ein offizieller Pressesprecher die Fakten so zu seinen Gunsten verdreht, dass sie so einfach zu wiederlegen sind, dann ist das relevant, wenn er der Pressesprecher eines der mächtigsten Männer der Welt ist. Und wenn Sie wirklich glauben, dass Trump irgendwem Vertrauen entgegenbringt, dann haben Sie nicht zugehört: America first ist seine Devisie. Das ist Chauvinismus pur. Alles wird den Interessen der USA untergeordnet. Trump wird sehr schnell "schwächere" Länder dazu zwingen, sich seinem America first zu beugen. Und dann wird er behaupten, das sei alles "freiwillig" und zum Besten dieser Völker - obwohl die Fakten etwas ganz anderes behaupten. Deswegen ist es wichtig, vor vornherein auf die Fakten wert zu legen. Lassen Sie sich nicht von der eigenen Weltsicht dieses politischen Geisterfahreres einlullen.

  • Antwort von Cosi, Montag, 23.Januar, 23:32 Uhr

    @Ralf
    Politischer Geisterfahrer!
    Genial besser hätte man es nicht zusammenfassen können.

  • Antwort von Erika H., Mittwoch, 25.Januar, 10:32 Uhr

    @ Alois E.: Ich habe Mr. Trump bei seiner Inaugurationsrede genau zugehört. Amerika hat einen Egozentriker mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zum Präsidenten gewählt - leider!

osta.rido, Montag, 23.Januar, 13:38 Uhr

54. Teil des Systems

Lügen, Falschaussagen, Verleumdungen sind unverzichtbarer Teil des populistischen Regierungssystems.
Da hilft nur ein Dagegenhalten - ein permanenter Faktencheck - ein fortwährendes Vorführen dieser dreisten Lügner und Volksverführer.