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Nach dem US-Beschluss zu Jerusalem Trump empört die arabische Welt

Gleich nach Trumps Auftritt demonstrierten im Gaza-Streifen und im Libanon palästinensische Flüchtlinge. Und es sind nicht nur die Palästinenser in Israels Nachbarschaft, die sich über Trumps Entscheidung erregen. Praktisch die gesamte arabische Welt steht gegen den US-Präsidenten. Eine häufig verwendete Formulierung: Trump habe "das Tor zur Hölle geöffnet".

Von: Björn Blaschke

Stand: 07.12.2017

Proteste in Gaza | Bild: picture-alliance/dpa

Selbst der Papst hatte gewarnt, doch Donald Trump zieht durch. "Es ist Zeit, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen…!“ - die Erklärung von US-Präsident Donald Trump beherrscht die arabischen Nachrichten. Die Regierungen von Jordanien, Saudi-Arabien, Katar, Ägypten - sie alle weisen Trumps Vorstoß entschieden zurück. Das gilt auch und erst recht für die Bevölkerung.

Unmittelbar nach Trumps Auftritt kommen im Libanon palästinensische Flüchtlinge zu Protesten zusammen. Eine Frau erklärt den US-Präsidenten wörtlich für verrückt: er habe die Tore zur Hölle geöffnet. Ein Iraker nimmt wohl zu Recht für sich in Anspruch, für alle Araber zu sprechen:

"Jeder Araber mit ein wenig Ehre im Leib lehnt den Umzug der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem ab – genauso wie die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt der Juden. Das ist unakzeptabel und alle Araber und alle Muslime lehnen das ab."

Kommentar eines Irakers

Eine politische wie religiöse Provokation

Jerusalem zur Hauptstadt Israels zu erklären, ist eine Provokation, fordert militante wie besonnen-friedliche Araber heraus. Denn: Für sie ist es eine bisher ungesehene Parteinahme – pro Israelis, contra Palästinenser. Letztere betrachten Jerusalem mindestens so sehr als ihre Hauptstadt wie die Israelis. Die Araber im allgemeinen – Christen wie Muslime - verehren Jerusalem zudem als ihre jeweilige heilige Stadt.

In den zurückliegenden 24 Stunden wurden ganze Sondersendungen in den arabischen Fernseh-Programmen gefahren. In Jordanien zum Beispiel mit Parlamentariern:

"Was können wir in dieser Situation tun? – Wir können alles tun. Unsere Brüder in Palästina haben angekündigt, dass sie morgen und am Freitag auf die Straße gehen werden. Bitte, los, macht das! Trump muss begreifen, dass wir wegen Jerusalem zusammenrücken; dass unsere Geschichte sich in Jerusalem zusammenfasst und dass Palästina wie eine Flamme ist: Wer sich Palästina nährt, verbrennt sich…!"

Khaled Ramadan, jordanischer Abgeordneter

Einlösung eines Versprechens - und Unterstützung für die Waffenindustrie

Dass er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen würde, hatte Präsident Trump während seines Wahlkampfes versprochen. Doch warum er es gerade jetzt gemacht hat, darüber rätseln viele. Er hätte die Einlösung seines Versprechens ja auch verschleppen können, um Konflikte zu vermeiden. Kritiker unterstellen Präsident Trump etwas anderes: dass er Konflikte schüren will. Zum Beispiel, um mehr Waffen in den Nahen Osten zu verkaufen. Karim al-Makdisi lehrt Politikwissenschaft an der renommierten Amerikanischen Universität Beirut. Er findet es auffällig, dass gerade jetzt, da sich in der Region eine gewisse Stabilität abzeichnet, fragwürdige Entscheidungen fallen.

"Es schien ein Moment gekommen, nach dem russischen Eingreifen in Syrien, 2015, da hatte jeder - vom syrischen Regime, über die Saudis und den Russen bis hin zur libanesischen Hisbollah und den Amerikanern - jeder hatte das Ziel den IS zu zerschlagen. Auch beim Thema Syrien gab es Diskussionen darüber, dass eine neue Regierung gebildet werden muss. Und jeder akzeptiert heute, dass Präsident Assad erst einmal bleibt... Aber immer wenn sich irgendeine Form von Stabilität abzeichnet - auch wenn es keine gerechte Stabilität ist - dann sieht man einen großen Akteur, der diese Stabilität wieder zerstören will. Und das sehen wir gerade - was die ganze Region in Flammen setzen kann."

Karim al-Makdisi, Politikwissenschaftler

Auch die Verbündeten der USA warnen

Katars Außenminister erklärte denn auch, Trumps Entscheidung zur Verlegung der US-Botschaft sei „eine gefährliche Eskalation und ein Todesurteil für alle, die Frieden wollen“. Das saudi-arabische Königshaus forderte Trump auf, seine Entscheidung umgehend zurückzunehmen. Sie sei „unverantwortlich und ungerechtfertigt“ und „ein drastischer Rückschritt“ in den Bemühungen um den Friedensprozess. Die Führungen Jordaniens und Ägyptens wiesen gestern Abend ebenfalls noch die Erklärungen Trumps zurück.

Ein Wiederholung dessen, was die Staats- und Regierungschefs der arabischen Welt schon vor der Trump-Rede geäußert hatten: Alle – auch die Verbündeten der USA im Nahen Osten, König Salman von Saudi-Arabien, König Abdullah II. von Jordanien sowie Ägyptens Staatspräsident Abdel-Fatah al-Sisi - warnten Trump. Die Verlegung der US-Botschaft würde Muslime „in der ganzen Welt provozieren“ und sie in Wut versetzen.


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Kommentare

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Oliver M., Donnerstag, 07.Dezember, 11:44 Uhr

8.

Warum sind manche Menschen nur so dummdiplomatisch? Gerade in der heutigen Zeit. Und ausbaden dürfen das auch wir in Deutschland, als Verbündete der USA, wenn damit wieder ein paar radikale Muslime mehr erzürnt werden und ihren persönlichen heiligen Krieg durchziehen. Und die, welche in der Politik das zu verantworten haben, werden niemals die Verantwortung für die Folgen ihres Tuns tragen müssen!
Aber Deutschland ist ja genauso ein Trampeltier, wenn ich an die Armenienresolution des Bundestages denke. Mag historisch ja richtig sein, nur aber zum falschen Zeitpunkt, undiplomatisch und 100 Jahre nach den Geschehnissen an eine Generation gerichtet, die dafür nicht verantwortlich ist. Und seit dem ist es abwärts gegangen mit den Beziehungen zur Türkei. War doch logisch, wie das in der Türkei ankommen würde!

Irre, wie sich binnen weniger Jahre durch Fehlentscheidungen und -Handlungen ein paar weniger vieles ändert und destabilisiert für Millionen ...

PeterZä, Donnerstag, 07.Dezember, 10:59 Uhr

7. Überrascht

Ich war überrascht als ich heute morgen von Unruhen im Radio hörte.
Wer könne das nur sein ?
Die Hebräer? Vermutlich nicht, für die ist Jerusalem schon immer Hauptstadt.
Dann eventuell das armenische , das christliche oder das muslimische Viertel in Jerusalem?
Letzteres ist ja Hort der "Religion des Friedens " also bleiben nur noch die Armenier oder die Christen, doch was lese ich als ich die Presse konsultiere?
Alle Proteste kommen von Muslimen? Sogar aus muslimischen Nachbarländern?
Ich bin erschüttert!
Da wird unverholen zur Vernichtung aufgerufen etc etc.

Eine Sprache die vor einem kommenden Genozid warnt.

Aber Hauptsache man kann Trump für diesen richtigen Schritt zum Buhmann machen.
Tolle Leistung der Presse...

Squareman, Donnerstag, 07.Dezember, 10:48 Uhr

6. Dümmer als die Polizei erlaubt

Ich habe noch nie von Trump gehalten, aber jetzt übertrifft er selbst meine Erwartungen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten das eine einzige Person derart bescheuert sein kann. Trump hat das Tor zur Hölle geöffnet, das trifft es recht gut. Das werden wir alle noch zu spüren bekommen. Langsam sollten wir uns fragen ob ein solcher Verbündeter noch zeitgemäß ist. Trump hat die USA ganz weit ins Abseits gestellt und das nur um Israel und ein paar reichen jüdischen Spendern der Republikaner zu gefallen. Die haben Trump gekauft und Trump hat geliefert.

Wolfgang, Donnerstag, 07.Dezember, 10:32 Uhr

5. Trump

Eigentlich sind Entscheidungen über den Standort einer Hauptstadt innerstaatliche Angelegenheiten, in diesem besonderen Fall jedoch etwas schwierig. Was sich Herr Trump jedoch herausnimmt, steht eigentlich einem Diktator "zu". Einmischung, Provokation, Propaganda (bei ihm fake news), Fremdenhass, Rücksichtslosigkeit, soziale Kälte ... finden sich auch bei "wirklichen" Diktatoren. Was in den USA so alles von einer Person entschieden werden kann: schrecklich und beängstigend!

  • Antwort von PeterZä, Donnerstag, 07.Dezember, 11:13 Uhr

    Es tut mir wirklich leid solch klare Worte verwenden zu müssen, aber sie haben wohl keinen blassen Dunst von der Materie und nicht mal den Artikel den sie kommentieren gelesen bzw verstanden.
    " Entscheidungen über den Standort einer Hauptstadt""Diktator" Hallo? Fragen sie mal in Israel nach wo deren Hauptstadt liegt, die werden ihnen schon sagen dass es Jerusalem ist und sogar schon vor Trump!
    Dass Araber/Palästinenser Jerusalem ebenfalls als Hauptstadt reklamieren tut dem keinen Abbruch sondern zeigt nur den Konflikt auf , der im Artikel übrigens komplett übergangen wird.
    (Stichwort Zweistaatenlösung)
    Er hat schlicht und ergreifend die Botschaft in die Hauptstadt des Landes verlegt und diesen Schritt beim Namen genannt.

    Hauptsache über Trump herziehen, um was es dabei geht ist egal.
    Danke BR

  • Antwort von Wolfgang, Donnerstag, 07.Dezember, 11:38 Uhr

    Vielen Dank für die Belehrung. Wie man diese Machenschaften verteidigen kann, ist mir rätselhaft. Aber, sei´s drum.
    Im Nahen Osten geht es doch immer um Interessen verschiedenster Staaten. Und diese Verlegung der Botschaft ist eine deutliches Signal der Einmischung, gegen die Proteste fast aller! Und Regierende, die sich um demokratische Legitimationen einen Dreck scheren und ausschließlich eigene Interessen im Blick haben, würde ich nun nicht als demokratisch legitimiert Handelnde bezeichnen. Aber: man muss ja nichts mit Demokratie am Hut haben.

Nadine, Donnerstag, 07.Dezember, 10:31 Uhr

4. Ein sofortiger Stop der Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien

sollte da das mindeste sein, was die USA nun tun sollten. Dem Land ist in keiner Art und Weise zu trauen. Heute erhält es US-Waffen und morgen kritisiert es die USA? Sicherlich, die Entscheidung ist nicht ohne, wenn denn die USA nicht im Westen und Osten der Stadt Jerusalem eine Botschaft errichten, als Zeichen einer 2-Staaten-Lösung, doch das Pulverfass immer weiter und weiter mit Waffen zu versorgen, dies ist schlichtweg ein Alptraum. Wie die Regime mit den eigenen Bevölkerungen umgehen, dies sieht man ja, doch möchte die Welt erst dann handeln, wenn die Waffen auf uns gerichtet werden? Im Grunde muss man da von Selbstmord der westlichen Welt sprechen. Sinnvoller ist es daher, die arabische Welt mit friedlichen Gütern z.B. Solarzellen zu versorgen, anstatt mit Waffen. Als Europäer / Europäerin kann man da nur hoffen, dass der Schutzschild Frankreichs da hält.