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Transidentität Papa heißt jetzt Verena

Fast 35 Jahre lebte Verena im falschen Körper. Nach außen führt sie in der Rolle und im Körper eines Mannes ein normales Leben, heiratet, renoviert ein Haus und bekommt Kinder. Bis immer klarer wird: Sie ist transsexuell. Sie ist kein Mann, sondern eine Frau.

Von: Elisabeth Möst

Stand: 29.04.2017

Verena wird im Allgäu geboren und wächst als Junge auf. Sie ist ein schüchternes Kind. Und sie spürt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Nach außen führt sie in der Rolle und im Körper eines Mannes ein normales Leben, heiratet, renoviert ein Haus, bekommt Kinder. Doch innerlich ist sie zerrissen, sucht die richtige Identität, bis immer klarer wird: Sie steckt im falschen Körper, ist transsexuell, sie ist kein Mann, sondern eine Frau.

Radikaler Neuanfang

"Das Schwierigste ist sicherlich, als Frau anerkannt zu werden. Dieser Kampf vor den Gerichten, dass ich nachweisen muss, dass ich eine Frau bin, und dass das von einem Richter belegt werden muss, ist verletzend. Und es ist verletzend, dass die eigene Aussage nicht gilt, und dass relativ viele Menschen mir dieses Leben nicht zugestehen wollen und allerhand Argumente finden, warum ich keine Frau sein soll."

Verena

Weihnachten 2014 erlebt Verena die schlimmste Woche ihres Lebens: Outing bei den Eltern, im Job, die Ehefrau will die Trennung. Einerseits die Erleichterung, endlich zu wissen, was "falsch" war, andererseits die Angst vor dem radikalen Neuanfang. Für Verena beginnt ein harter Weg mit psychologischen Gutachten, Arztbesuchen, Behördengängen, Scheidung und Mobbing bis hin zur geschlechtsangleichenden Operation im vergangenen Dezember. Es ist ein neues Leben mit zahllosen Hürden.

"Eine Operation bei transidenten Menschen ist nicht „Lieber-Gott“ spielen. Davon muss man ganz schnell abkommen. Es gibt keine Geschlechtsumwandlung, wir sprechen von einer Geschlechtsangleichung. Diese OP wird nur durchgeführt, um Leiden zu lindern. Alle anderen Gedanken haben hier nichts zu suchen. Wir bauen auch Hürden auf, bevor eine OP stattfindet: Zwei Gutachter müssen die Diagnose sichern und die Operations-Notwendigkeit muss von einem Spezialisten beurteilt werden, der unabhängig vom Operateur steht. Das sind wichtige Prinzipien, die wir einhalten müssen."

Dr. med. Bernhard Liedl, Chefarzt im Beckenboden Zentrum München

Kirche und Transsexualität/Transidentität

In dieser von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V. erstellten Publikation äußern sich Menschen, die mit der Kirche verbunden sind, aus Anlass des diesjährigen Reformjubiläums zum Thema „Kirche und Transsexualität/Transidentität“.

Sie enthält des Weiteren Beiträge über Transidentität/Transsexualität gestern und heute sowie zu den Themen evangelische Theologie, Recht, Medizin, Ethik und Gesellschaftspolitik.
Die Broschüre "Reformation für alle" kann bestellt werden. Außerdem steht sie hier zum Download zur Verfügung.


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Petra Weitzel, Montag, 01.Mai, 12:29 Uhr

14. Zahlen

Ein insgesamt guter Beitrag, der zur Abwechslung auch mal ein paar gesellschaftliche Probleme aufgreift, so z.B. das Verhalten vieler Arbeitgeber, die nicht proaktiv gegen Diskriminierung vorgehen, sondern erst, wenn etwas passiert ist. Dabei sieht das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt eigentlich eine Informationspflicht vor. Zu den Zahlen ist zu sagen, das jedes Jahr über 1600 Menschen einen Antrag auf Personenstandsänderung nach dem Transsexuellengesetz stellen und 99% ihn auch genehmigt bekommen. Das sind im Verhältnis zu den jährlichen Geburten in Deutschland 1:430 Menschen und nicht 1:10000. Diese Zahlen werden vom Bundesamt für Justiz erfasst und können dort nachgelesen werden. Warum also immer wieder die Behauptung es seien viel weniger ? Da sind wohl interessierte Kreise am Werk, die das Thema klein reden wollen. Die medizinische Fachliteratur ist auf dem sozialwissenschaftlichen und juristischen Auge zu oft blind.

  • Antwort von Lotty Maria Wergin, Montag, 01.Mai, 19:19 Uhr

    Wie heißt es so schön "glaube nur einer Statistik die du selbst gefälscht hast?
    Mittlerweile haben wir hier wohl knapp 30.000 erfolgte Änderungen des rechtlichen Geschlechtseintrages. Wer rechnen kann und diese Zahl ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt wird schnell heraus bekommen wie das Verhältnis wirklich ist.

    Genitalangleichende Operationen werden von noch weniger Menschen angestrebt (Transsexualität), die meisten wollen nur sozial im Geschlecht leben, welches nicht dem bei der Geburt zugewiesenem entspricht (Transgender), oder lehnen Geschlecht vollkommen ab bzw fühlen sich beiden zugehörig (Queer/Nonbinary/Genderfluid). Zusätzlich gibt es dann auch noch Menschen die gelegentlich in die gegengeschlechtliche Rolle schlüpfen (Transvestiten).

    Wir müssen einfach berücksichtigen, dass es sehr unterschiedliche Phänomenlagen gibt, die in ihren Eigenschaften und Bedarfen wenig bis keine Gemeinsamkeiten haben.

Lotty Maria Wergin, Sonntag, 30.April, 16:23 Uhr

13. Viel Geld?

Gelegentlich liest man etwas davon dass die Angleichung an das eigene Geschlecht viel Geld kostet. Wir hatten das mal ausgerechnet und kamen auf ein erstaunliches Ergebnis. Jeder Versichere zahlt dafür ungefähr ein Euro pro Jahr. Es wäre bestimmt interessant zu berechnen wieviel wir für die Raucher zu zahlen haben.

Dann lass ich auch das wir wichtigere Probleme haben. Meine Frage, ist das ein Grund sich um die "weniger wichtigen Dinge" nicht zu kümmern? Ich denke nicht.

Transsexualität ist ein Geburtsfehler der sich leider genauso wenig nachweisen lässt wie ein Tinnitus, bestimmte Rheumaarten und auch andere Erkrankungen. Die Medizin ist dann auf die Eigendiagnose angewiesen. Natürlich gibt es dann auch Menschen die sich falsch entscheiden, die aber so oder so nicht auszusondieren sind. Im Gegenteil, so wie es heute ist, ist man gezwungen den Gatekeepern zu beweisen das man transsexuell ist, ein angeleitetes Hinterfragen, bei Unsicherheit, ist somit eher unmöglich.

Lotty Maria Wergin , Sonntag, 30.April, 13:28 Uhr

12. Gatekeeper, nein danek!

"Es gibt keine Geschlechtsumwandlung, wir sprechen von einer Geschlechtsangleichung." Falsch, wir reden von einer Genitalangleichung an das eigene Geschlecht. Geschlecht lässt sich weder umwandeln und an was sollte es angeglichen werden.

Aus solchen Worten spricht ein vollkommen überholtes Geschlechterbild unter dem auch Intersexuelle Menschen sehr zu leiden haben. Ärzte meinen das man uneindeutige Genitalien schnell vereindeutlichen muss, der Rest soll dann ja angeblich durch entsprechende Erziehung hin zu bekommen sein.

Die meisten Menschen haben ein sehr eindeutiges Wissen um ihr Geschlecht. Dieses Wissen ist irgendwo im neuronalem Netz verankert, und wenn der Körper vom eigenem Geschlecht abweicht, besteht ein Anrecht auf somatische Behandlung, denn es ist ein krankmachender Zustand mit einem gegengeschlechtlichem Körper zu leben. Es ist anmaßende und übergriffig dieses Wissen in Frage zu stellen, dieses Gatekeeper-System gehört so schnell wie möglich abgeschafft.

  • Antwort von Wolfgang, Montag, 01.Mai, 09:36 Uhr

    @Lotty Maria Wergin:

    Zitat: und wenn der Körper vom eigenem Geschlecht abweicht, besteht ein Anrecht auf somatische Behandlung, denn es ist ein krankmachender Zustand mit einem gegengeschlechtlichem Körper zu leben.

    Widerspruch: denn es ist ein spinnerter Zustand die Schnapsidee zu leben und zu verfolgen etwas anderes als die Biologie zeigt zu sein. Nicht behandlungsbedürftig zu Lasten des Sozialstaates.

    Biologiiche Hermaphroditen sind eine andere Frage, ist hier nicht Thema.

  • Antwort von Lotty Maria Wergin, Montag, 01.Mai, 19:52 Uhr

    Widerspruch zur Kenntnis genommen nur ist es schon merkwürdig, dass das was du als Schnapsidee bezeichnest, von ernsthaften Psychiatern und Neurologen als angeboren betrachtet wird. Es wird teilweise als Unterart der Intersexualität angesehen. Ich könnte dir jetzt einen Vortrag über Embryologie, Genetik und Epigenetik halten aber ich glaube, dass dies für dieses Plattform unangebracht wäre.

Berliner, Samstag, 29.April, 18:42 Uhr

11. Ersatzhandlungen

einer Gesellschaft, die sonst brutal egoistisch und weinerlich ist. Nichts anderes. Da sucht man sich dann am Ende etwas Exotisches, um sich mal als edler Mensch fühlen zu können.

  • Antwort von Julian, Samstag, 29.April, 21:20 Uhr

    In Berlin gibt es viele Transpersonen, kennen Sie auch nur eine Einzige, auf die Sie Ihre Behauptung stützen könnten?

  • Antwort von Leonia, Samstag, 29.April, 21:37 Uhr

    Worauf bitte beziehen Sie sich?

Ferdinand , Samstag, 29.April, 18:40 Uhr

10. Also entweder man hat ein

Es gibt da natürlich noch die Beschnittenen, aber die sind ein Sonderfall.

  • Antwort von Wolf, Samstag, 29.April, 20:15 Uhr

    Geistig beschnitten?

  • Antwort von Leonia, Samstag, 29.April, 20:16 Uhr

    Gehirn?

  • Antwort von Pro, Samstag, 29.April, 20:50 Uhr

    @ Wolf
    @ Leonia
    Chapeau