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"The Dash" schlägt Wellen Kabellose Kopfhörer von Münchner Startup

Es ist ein hartumkämpfter Markt, der für Kopfhörer. Dort mischt jetzt eine junge Firma aus München mit, die schnell gewachsen ist mit einem kabellosen intelligenten Kopfhörer: "The Dash" - und wir haben ihn ausprobiert.

Von: Sandra Weber

Stand: 31.01.2016

Ein Startup aus München hat jetzt die ersten kabelfreien Kopfhörer nur fürs Ohr entwickelt, mit jeder Menge intelligenter Sensoren. In diesen Tagen kommen sie auf den Markt und dann zeigt sich, ob sie ein bayerischer Exportschlager werden.

Viele Kunden warten sehnlichst darauf. Vor zwei Jahren hat Fabian sie im Internet entdeckt. Jetzt kann er sie endlich auspacken.

"Also worauf ich wirklich gespannt bin, ist dann die Haptik, wie es sich anfühlt, wie schnell kann ich damit umgehen lernen, passt es gut in mein Ohr?"

Fabian

Kabellose Kopfhörer für satte 300 Euro. Dafür müssen sie ja eine ganze Menge drauf haben.

"Das muss ich jetzt ehrlich gesagt auch mal alles rausfinden, also ich gehe davon aus, dass ich gut damit telefonieren kann, Musik hören kann, dass man vielleicht biometrische Daten wie Herzschlag, vielleicht sogar Sauerstoffgehalt im Blut auslesen kann."

Käufer Fabian

Kopfhörer im Dialog mit Kunden

"Hi, I’m the Dash." - "Oh es spricht schon, es spricht schon jemand mit mir." - "The right side is for music and communication. The left side is for activity tracking. I have touch controls." - "Ja, er soll. Er gibt mir schon Anweisungen, was ich tun könnte und spricht auf Englisch mit mir mit Fachausdrücken, die ich mal nachschlagen muss."

Wer sich die Hochglanzwerbung für "The Dash" ansieht, der vermutet dahinter vermutlich ein hippes amerikanisches Unternehmen im Silicon-Valley. Aber die Macher sitzen mitten in der Münchner Innenstadt. Bragi heißt das Startup. Als der Gründer Nikolai Hviid vor ein paar Jahren die Idee zu "The Dash" hatte, saßen nur eine Handvoll Kollegen um ihn herum. Heute sind es 120 Mitarbeiter.

Firmenzentrale in der Münchner Innenstadt

Der Gründer von "Bragi" Nikolai Hviid

"Als ich angefangen hatte, und Freunden aus der Branche erzählt habe, was ich vorhabe, haben die gesagt, Nikolai, das kann man nicht machen. Die Technologie ist noch nicht so weit. Das ist viel zu ambitioniert, das geht nicht. Und ich hab mir gedacht, ne, ich glaube schon, dass es geht und ich hab dann Leute um mich herum bekommen, die auch daran geglaubt haben."

Gründer Nikolai Hviid

Ganz am Anfang gibt es vor allem eine Hürde: die Finanzierung. Das Team beschließt, mit seinem Projekt auf Kickstarter zu gehen - eine Art Spendenplattform im Internet. Hier kann jeder eine Projektidee finanziell unterstützen - egal ob Mode, Filme, Spiele, technische Geräte.

Geld aus dem "Netz"

"The Dash" geht durch die Decke und wird das bis dato erfolgreichste Kickstarter Projekt Europas. 3,4 Millionen Dollar kommen statt der geplanten 250.000 zusammen. Gespendet von 16.000 Kickstartern –  im Fachjagon nenn man sie "Backer".

"Wir hatten 500 bis 1.000 Mails am Tag, wir hatten Anfragen von Medien, also ich war von 3 Uhr morgens bis 12 Uhr abends damit beschäftigt, Anfragen zu beantworten. Es war wirklich ein Kickstart von einem Unternehmen. Wir sind vom Ruhestand, einfach nur vom Entwickeln, in ein richtig globales Unternehmen gewandelt."

Gründer Nikolai Hviid

Die Vision des Teams ist es, einen intelligenten Kopfhörer zu entwickeln – mit über 20 Sensoren für Bewegung, Temperatur, Puls. Außerdem Touchpad, MP3 Player, Headset. Die Ohrhörer sind ein eigenständiger Mini Computer, der keine Verbindung zu einem anderen Gerät braucht.

Die kabellosen Kophörer fürs Innenohr und sonst nichts - Werbefoto

"Es kam aus dem Wunsch, dass ich einen diskreten Assistenten machen wollte und danach sind das alles logische Schritte, dass man am Ende zu so einem Produkt kommt. Es ist kein Geistesblitz, es sind 100, wenn nicht 1.000 Ideen, die zusammengefügt werden."

Nikolai Hviid.

"Diskreter Assistent" im Ohr

Das Team von Bragi arbeitet daran, den diskreten Assistenten noch smarter zu machen. Ganz unauffällig soll er vom Ohr aus unsere Fitness im Blick haben, uns in Meetings wichtige Mails vorlesen oder den englischen Vortrag vom Kollegen ins Deutsche übersetzen.

"The Dash" steht für einen Trend:  Technologie wird zwar immer kleiner, aber trotzdem intelligenter. Wir kommen dem Traum von der Verschmelzung von Mensch und Maschine näher. Oder dem Albtraum. Denn mit jedem neuen Gerät werden wir von der Technik abhängiger.

Fabian haben die Kopfhörer bei Kickstarter trotzdem überzeugt. Jetzt muss er nur noch lernen, mit ihnen umzugehen.

"Hey. Und? Ja, super, also ich hab jetzt das Activity Tracking an, also dieses Tracking, dass man Daten bekommt über seine Zeit, wie viele Schritte man gemacht hat und wie stark mein Herz schlägt. Das ist das, was ich gerade verfolge. Und das krieg ich raus, indem ich im Prinzip hier zweimal drauf drücke. Jetzt gerade spricht sie mit mir, ich bin 30 Minuten gelaufen, hab ein paar 1.000 Schritte gemacht, und sie gibt mir meine Herzfrequenz durch. Ist ganz angenehm, eine Frauenstimme am Ohr zu haben."

Tester Fabian

An die fremde Frau im Ohr wird sich Fabian noch gewöhnen müssen. Und auch an die Kopfbewegungen, auf die die Bewegungssensoren im Ohr reagieren.

"Ah, jetzt kommt ein Anruf rein, den nehme ich jetzt mal an durch ein Kopfnicken. Ja, hallo, grüß' dich."

Fabian

Die smarten Kopfhörer aus Bayern könnten die Kommunikation der Zukunft bestimmen. Doch bei aller Technikeuphorie: Man kann sie beim Joggen immer noch aus dem Ohr nehmen und auf die Geräusche der Natur lauschen.


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Gottfried Gröber, Mittwoch, 03.Februar, 11:33 Uhr

2. Ständiges Höhrgetät


Seit 8 Jahren habe ich ständig die DAK-Kassengeräte im Ohr. Mit 2-3 Personen kann ich mich verständigen. In der Herz-Rehagruppe mit 20 Persnen vertehe ich den Übungsleiter nicht mehr
Hift mir da Ihr Gerät.? Zu Ihrem Vorhaben alles Gute,Grüße G.Gröber.

Johann Alberter, Dienstag, 02.Februar, 20:16 Uhr

1. smarter Kopfhörer

richtig angewandt kann das durchaus eine Berreicherung sein.
Wär natürlich noch wertvoller wenn es gleichzeitig ein Hörgerät ersetzen würde!!!