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Ziemlich planlos Tennets vage Trassenführung

Mit Hochspannung wurden sie erwartet, die neuen Pläne von Tennet zum Verlauf der umstrittenen Erdstromkabel für die "Stromautobahnen" von Nord nach Süd. Nach BR-Informationen nannte der Netzbetreiber aber keinen eindeutigen Trassenverlauf. Brisante Fragen bleiben unbeantwortet.

Von: Lorenz Storch

Stand: 26.09.2016

Durch diese Erdkabel soll der Strom fließen | Bild: pa/dpa

Bei seinen Vorschlägen zum Verlauf der umstrittenen Gleichstromtrassen Südlink und Südostlink durch Bayern lässt der Netzbetreiber Tennet viele Fragen offen. Es gibt nach wie vor keinen eindeutigen Trassenverlauf. Prinzipiell folgen die Erdkabel durch Bayern in den Vorschlägen möglichst der Luftlinie. Gebirgszüge aber will Tennet nach Informationen des BR umgehen.

Gebirgszüge umgehen - aber wo?

Die Suedostlink-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Landshut soll etwa um das Fichtelgebirge herum geführt werden – ob östlich oder westlich, lässt Tennet jedoch noch offen. Auch für die städtischen Verdichtungsräume gibt es immer mehrere Varianten: Hof, Schwandorf, Regensburg – sie alle könnten auf beiden Seiten umgangen werden.

Bayreuths MdB Hartmut Koschyk (CSU) sagte nach den Besprechungen mit Tennet dem BR, in groben Zügen werde die Trasse in Oberfranken entweder die Landkreise Hof, Kulmbach und Bayreuth passieren - entlang der A9 - oder - entlang der A93 - die Landkreise Hof und Wunsiedel. Als mögliches Beispiel nannte Koschyk die Route Gefrees, Bad Berneck, Goldkronach, Weidenberg, Speichersdorf.

Marianne Schieder, MdB für den Wahlkreis Schwandorf-Cham, äußerte sich enttäuscht über die Informationsveranstaltung. Tennet selbst habe von einem Spinnennetz gesprochen, weil es westliche und östliche Varianten gebe für eine Umgehung um jede einzelne Ortschaft, sagte die SPD-Politikerin.

Nichts Konkretes für Grafenrheinfeld

Ähnlich vage sieht es nach BR-Informationen auch bei der Suedlink-Trasse von Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld aus: Die verschiedenen Planungsvarianten lassen offen, auf welcher Seite das Hochspannungskabel um die Rhön und um Würzburg herum geführt werden soll. Auch die Frage, ob zwei oder eine Leitungen nach Grafenrheinfeld führen sollen, bleibt weiter Gegenstand der Diskussion.

Suche nach Vorzugstrassen

All diese offenen Fragen sollen offenbar in den kommenden sechs Monaten bei einer neuen Phase der Bürgerbeteiligung geklärt werden. Um wie geplant im Frühjahr in das formelle Genehmigungsverfahren einzutreten, müssten sich bis dahin so genannte Vorzugstrassen herausgebildet haben.

"Wir stehen nun ganz am Anfang einer Diskussion. Das Für und Wider muss nun gesammelt werden. Ab morgen können sich alle Bürger in die Diskussion einbringen."

Hartmut Koschyk, Bayreuths MdB (CSU)

Ab 9 Uhr Pläne online

Laut Koschyk will Tennet nun doch bereits am Dienstag ab 9:00 Uhr die Öffentlichkeit über den möglichen Verlauf der Erdkabeltrasse informieren. Bereits am Vormittag sollen die Pläne online bei Tennet einsehbar sein. Ab 14.30 Uhr informiert Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) über die Pläne.

Seehofer spricht von Erfolg

Trotz der wenig konkreten Planungen sieht Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die neuen unterirdischen Trassenvorschläge als Erfolg seines Kampfes gegen "Monstertrassen": "Das ist ein voller Erfolg. Die Formel lautet: 2 minus 2 = 0", sagte er dem Münchner Merkur. Einst hatte Seehofer als Ziel für den Einsatz gegen zwei große Stromtrassen durch Bayern die Formel "2 minus x" ausgegeben.


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Oskar Dietrich, Samstag, 01.Oktober, 14:07 Uhr

7. Wozu Details? Wollen wir Strom "von oben" überhaupt?

Ach, wie demokratisch ist das! Es werden Trassen im Detail jetzt detaillierter diskutiert. Da wird unterstellt, dass das Volk die Trassen will. Will das Volk die Trassen? Wer weiß das? Wer weiß es besser als das Volk? Die einfach Ja-oder-Nein-Frage darf das Volk nicht beantworten. So einfach ist das also!

  • Antwort von Branko Vasoski, Dienstag, 04.Oktober, 10:51 Uhr

    Die geplanten Stromleitungen stehen in einem Gesetz. Gesetze werden vom Parlament beschlossen. Parlamente werden vom Volk gewählt. So einfach ist das.

Branko Vasoski, Dienstag, 27.September, 18:05 Uhr

6. Thema verfehlt

Wenn Tennet im stillen Kämmerlein eine Finale Trasse ausheckt, werden sie (zurecht) öffentlich geprügelt dafür. Wenn sie aber wie jetzt ganz am Anfang der Planungen, also noch bevor es formell losgeht, ihre Überlegungen öffentlich machen und die Öffentlichkeit zur Diskussion einladen, kritisiert der BR sie dafür, "viele Fragen offen" zu lassen und "keinen eindeutigen Trassenverlauf" zu verkünden. Das ist ganz schön billig, Herr Storch.

Nicht falsch verstehen - ich habe keine Sympathie für Tennet und meinetwegen könnte man alle vier Netzbetreiber auch verstaatlichen. Aber da hat Herr Storch entweder das ganze Verfahren nicht verstanden oder er will einfach ein bisschen auf der Empörungswelle reiten, ohne sich von unnötiger Recherche stören zu lassen. Ähnlich wie vor ein paar Tagen, als der BR den Bürgerdialog Stromnetz als vermeintliches trojanisches Pferd von Tennet enttarnt haben wollte...

  • Antwort von Florian Rücker, Mittwoch, 28.September, 18:12 Uhr

    Ich hätte es besser nicht ausdrücken können.

  • Antwort von Dörte Hamann, Donnerstag, 29.September, 08:05 Uhr

    Der Bürgerdialog Stromnetz ist kein vermeintliches Trojanisches Pferd von TenneT, sondern zu 100 Prozent ein verlängerter Arm von Kohle-Siggis Wirtschaftsministerium. Seite aufrufen, nachlesen. Deshalb fördert der BDS auch voller Begeisterung und ohne jede Kritik die Kohlestromtrassen. Auftrag ist die Strategische Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, mit einem ergebnisoffenem Dialog hat das nichts zu tun.

  • Antwort von Branko Vasoski, Dienstag, 04.Oktober, 10:39 Uhr

    Da haben Sie Recht, Frau Hamann - der BDS ist vom BMWi beauftragt und verheimlicht das auch nicht. Wozu auch? ("...")
    Was den "Bürgerdialog Stromnetz" angeht: Ich persönlich halte den auch für überflüssig und zur Kohle-Reserve habe ich auch eine andere Ansicht als Herr Gabriel. Aber ich würde trotzdem nicht einem Ministerium vorwerfen, dass es Werbung machen will für die Politik, die es für richtig hält. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Hans, Dienstag, 27.September, 11:13 Uhr

5. Tennet`s Trassen

Es ist durchaus schade, wie man die Energiewende für die Gewinnmaximierung einzelner, wenigen Großkonzernen missbraucht.

Die Tennet erneuert bestehende Trassen: z.B. Ostbayernring
Die Tennet plant neue Trassen: z.B. SüdostLink

mit politischer Rückendeckung (Bundesbedarfplangesetz), dem Recht Grundstückseigentümer zu enteignen und 100% Renditeaussicht da ja alle Kosten auf die Netzentgeldumlage gelegt werden, ob später einmal eine kWh Strom hindurchfließt oder nicht... ein garantierter Goldesel sondersgleichen!

Wir geben einem niederländischem! Privatunternehmen die Macht hoheitliche Versorgungsleitungen zu errichten und zu betreiben. Ich glaube nicht, dass der deutsche Staat viel an Steuereinnahmen davon zurückbekommt.

Darüberhinaus sieht man derzeit am Projekt Ostbayernring, dass eine verbindliche Trassenführung wahrscheinlich erst kurz vorm Spatenstich festgelegt wird. Bis dahin lässt man Regionen/Gemeinden mit x-Trassenvarianten im Ungewissen und sagt dann So-Ist-Es!

Josef Kreuzer, Dienstag, 27.September, 10:38 Uhr

4. Stromtrassen

Im ganzen Land gibt es schon Stromleitungen. Kann man die vorhandenen Stromleitungen nicht verbessern, ausbauen, erneuern und wo nötig verbinden? Da sieht doch alles nach Abzocke der Stromkunden aus. Aber von dieser Regierung sind wir das ja gewohnt. Nicht vergessen, die großen Konzerne von diesen Kosten entlasten / befreien, da nicht zumutbar.

stromer, Montag, 26.September, 20:47 Uhr

3. teurer strom

-Egal wie und wo die Stromtrassen kommen, sie kosten Geld, viel Geld und noch mehr Geld. Zu Beginn der Energiewende 2011 machten uns Experten, Umweltschützer und vor allem Politiker schmackhaft, dass mit wenig Mehrkosten die Energiewende zu schaffen ist. Den Vogel schoss damals ein gewisser Tritin ab, der mit höchstens 1 Cent/KWh Erhöhung rechnete. In mehreren Kommentaren wies ich darauf hin, das wir uns glücklich schätzen dürfen, wenn wir mit dem doppelten Strompreis bis 2022 davonkämen. Wie es aussieht, wird es bis dahin das Dreifache.