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Tarifrunde im Öffentlichen Dienst Gewerkschaft fordert sechs Prozent

Sechs Prozent lautet die Forderung der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes für die Tarifrunde beim Bund und den Kommunen. Die Ausbildungsvergütung soll um 80 Euro pro Monat steigen.

Von: Birgit Harprath

Stand: 18.02.2016

Plakate von Verdi | Bild: pa/dpa/Sven Hoppe

Im März beginnt die Tarifrunde für rund 2,1 Millionen Beschäftigte beim Bund und den Kommunen. Seit kurzem wissen die Arbeitgeber auch, mit welcher Forderung sie am Verhandlungstisch zu rechnen haben. Die Tarifkommissionen der zuständigen Gewerkschaften haben das in Berlin beschlossen.

Signifikant höhere Einkommen gefordert

Vom Lehrer bis zum Finanzbeamten wird die Tarifforderung freuen

Sechs Prozent: mit dieser Forderung setzen die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst eine neue Marke im Tarifjahr 2016. Aber Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes hatten ja schon vorab davon gesprochen, dass Zurückhaltung für heuer aus ihrer Sicht nicht angesagt ist. Sie sehen weiterhin einen Nachholbedarf  für die Kolleginnen und Kollegen in den Behörden, bei der Müllabfuhr, den Kitas oder den kommunalen Krankenhäusern.

"Unsere Forderungen sind konsequent. Sowohl hinsichtlich der Erwartungen der Beschäftigten, als auch insbesondere mit Blick auf eine zukunftstaugliche Personalpolitik."

Willi Russ, Zweiter Vorsitzender des dbb

Hohe Forderungen

In der Industrie werde mehr bezahlt. Der öffentliche Dienst habe da immer noch eine Lücke zu füllen, um attraktiv zu sein. Die Vergütung der Auszubildenden soll um 80 Euro im Monat steigen und die Jugendlichen sollen nach der Lehre unbefristet übernommen werden. Und weil rund 15 Prozent der Beschäftigten nur einen Arbeitsvertrag auf Zeit mit dem Staat in der Tasche haben, wollen die Gewerkschaften künftig Befristungen ohne Sachgrund ausschließen.

Wichtigste Forderungen der Gewerkschaften
Tarifrunde im öffentlichen Dienst
Erhöhung der Auszubildendenentgelte um 80 Euro monatlich
Angleichung des Urlaubsanspruchs auf 30 Tage
Lineare Erhöhung der Tabellenentgelte um sechs Prozent
Unbefristete Übernahme für alle Auszubildenden
Tariflicher Ausschluss sachgrundloser BefristungenTariflicher Ausschluss sachgrundloser Befristungen
Zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf Beamtinnen und Beamte
Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 12 Monate betragen

Harte Verhandlungen erwartet

Die Forderungen werden sicher kommunale Arbeitgeber und auch den Bundesfinanzminister erst einmal schlucken lassen. Vorab schon hatten die zur Zurückhaltung aufgefordert. Die Flüchtlingskrise belaste die immer noch angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Dass die Gewerkschaften etwa ein Prozent mehr haben wollen als die IG Metall, das wird für heftige Diskussionen am Verhandlungstisch sorgen. Auftakt der Tarifrunde ist am 21 März in Potsdam.

"Die Wirtschaft boomt und die Staatskassen sind so gut gefüllt wie lange nicht. Auch das hat viel mit der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes zu tun. Die Kolleginnen und Kollegen fordern jetzt ihren fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg ein - das ist nur recht und billig und gilt für Arbeitnehmer und Beamte gleichermaßen. Deshalb fordern wir natürlich die zeit- und inhaltsgleiche Übertragung der Tarifeinigung auf die Beamten und Versorgungsempfänger."

Willi Russ, Zweiter Vorsitzender des dbb

  • Birgit Harprath | Bild: BR/Julia Müller Birgit Harprath

    BR-Expertin für Tarifpolitik und Arbeitswelt. Redaktion Wirtschaft und Soziales


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