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Neue Wege bei Gewerkschaft und Arbeitgebern Tarifkonflikt Metall - wie wird er im Netz ausgetragen?

Abstimmungen und Warnstreiks sind klassische Mittel bei Tarifkonflikten. Die Metaller tragen ihn - auf beiden Seiten - neuerdings aber auch jenseits der üblichen Fronten aus: Sie machen Stimmung im Netz mit Bildern, Videos oder Tweets. Doch ausgereift scheinen die Methoden bei IG Metall sowie Arbeitgebern noch lange nicht.

Von: Tobias Brunner

Stand: 13.01.2018

Ein Angestellter sitzt in einem Büro an seinem Schreibtisch und tippt auf der Tastatur | Bild: picture-alliance/dpa

Zwei Buben hocken zwischen ihrer Autorennbahn am Boden. Loopings und Kurven überall. Binnen Sekunden wird das Spiel zum Wettbewerb: Immer fester ziehen sie ihre Spielzeugautos auf, doch kurz bevor sie losrasen, unterbricht sie ein Sprecher.

"Auch bei der Metalltarifrunde 2018 gilt: nicht überdrehen! Die Arbeit muss erledigt werden, wenn sie anfällt. Bei der Lohnerhöhung realistisch bleiben."

Sprecher

Nicht überdrehen! Mit diesem Slogan ziehen die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber in die aktuelle Tarifrunde - und das mit viel digitalem Aufwand: Die Buben mit den Autos stammen aus einem eigenen Werbespot, der auf Youtube, Facebook und sogar im Kino läuft.

Was wie ein Hollywood-Blockbuster klingt, kommt aus den Social-Media-Kanälen der IG Metall Bayern. Streikbilder und markige Sprüche wie "Jetzt wird es ernst" leuchten auf. "Die Arbeitgeber sähen Wind und sie müssen wissen, dass sie Sturm ernten werden." Auch im Netz ist der Ton für die Verhandlungen von Anfang an scharf.

Ziel der Arbeitgeber: Leute auf ihre Seite ziehen

Die Beiträge der Arbeitgeber richten sich vor allem an die Öffentlichkeit, das zeigt schon allein der Kinospot. Das Ziel: die Leute auf ihre Seite ziehen. Das klappt allerdings nur bedingt, sagt der Chef der Content-Marketing-Agentur d.Tales, Klaus Eck, als er sich die Filme ansieht. Kaum jemand kommentiert oder liket.

"Wenn halt kaum jemand auf Videos reagiert, ist das eigentlich ein eindeutiges Indiz dafür, dass das nicht ganz gelungen ist."

Klaus Eck

Die IG Metall hingegen richtet sich in erster Linie an die Beschäftigten selbst - egal ob Gewerkschaftsmitglied oder nicht, alle sollen mitmachen.

"Ich finde diese Forderung ganz gerecht. Es muss auf jeden Fall sein, dass etwas passiert. Wir sollten auf jeden Fall dran bleiben."

Gewerkschaftsmitglied

Gewerkschaft setzt auf Facebook

Die Gewerkschaft setzt dafür Facebook ganz bewusst ein, erklärt Timo Günther, Sprecher der IG Metall Bayern.

"Zum Beispiel bei den Warnstreiks ist es so, dass uns unsere Mitglieder, die dort teilnehmen, uns Fotos schicken, teilweise sogar Videosequenzen und die können wir dann da einstellen. Und so haben wir dann eine Kommunikation, die in beide Richtungen läuft."

Timo Günther

Das Prinzip: Schaut her, wie ich streike! Eigentlich ein guter Ansatz, aber halbherzig umgesetzt, sagt Content-Experte Eck.

"Man weiß gar nicht genau, was soll das, es sind eigentlich Impressionen, was auch in Ordnung ist, aber letztendlich fehlt halt die Aufforderung zum Dialog."

Klaus Eck

Facebook und YouTube leben von persönlichen Geschichten. Hier aber bleibe alle anonym. Diese persönlichen Geschichten fehlen auch bei den Arbeitgebern. Sie kommen wie ein weiser Onkel mit erhobenem Zeigefinger daher: "Liebe IG Metall, so geht's nicht!" Auf so etwas reagiert die IG Metall nicht. Sie macht einen auf Tagesschau mit der Info-Sendung "tarif.tv".

Eine Sprecherin führt durch den Demo-Tag - nur eben nicht ganz nachrichtlich, sondern aus Sicht der Gewerkschaft.

Fehlende Interaktion mit Usern

Die wichtigste Frage ist: Wie viele Menschen erreichen sie mit ihren Web-Angeboten? Etwa 19.000 Fans haben die Arbeitgeber auf Facebook, rund 3.000 die IG Metall Bayern. Das schafft mancher YouTube in ein paar Wochen. Aber das eigentliche Manko bleibt laut Content-Spezialist Eck die fehlende Interaktion - ebenfalls auf beiden Seiten.

"Gerade was Mobilisierung angeht, könnten beide Parteien viel viel mehr machen, indem sie halt wirklich auf ein persönliches Storytelling setzen, auf Personalisierung setzen, indem sie halt einzelne Personen herausstellen und die Kommunikation viel stärker in die Interaktion bringen. Jetzt sehen wir eigentlich Fernsehen in Digitalien."

Klaus Eck

Also bleibt der Konflikt bisher vor allem mit klassischen Werkzeugen: Warnstreiks, Sitzungen, Abstimmungen und Berichte in Radio und Fernsehen. Fast schon retro.


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Friedl, Samstag, 13.Januar, 09:48 Uhr

1. Interview

Liebe Frau Schwärmer warum fragen sie Frau Konen nicht nach der grossartigen Leistung der SPD, ihrer Verantwortung für D und EU gerecht zu werden, mit einer parteiübergreifenden Sondierung. Das nenne ich Demokratie. Dass da Kompromisse geschlossen werden ist doch selbstverständlich. Von Frau Konen wünsche ich mir natürlich dass sie hier selbstbewusster auftritt.