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Tanz und Religion Ruhige Zeit bis Ostersonntag

Das Tanzverbot wird in Bayern durch das Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage geregelt. Für strenge Christen galt aber schon immer: An hohen Feiertagen wird nicht gefeiert. Doch die Zeiten ändern sich. 2013 wurde die strenge Regel gelockert.

Von: Claudia Grimmer

Stand: 26.03.2016

Ein Teilnehmer einer von der Piratenpartei organisierten Versammlung gegen das Tanzverbot | Bild: picture-alliance/dpa

Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und dann folgt Ostern - erst eine bedächtige Zeit mit hohen Feier- und sogar Abstinenztagen und dann die frohe Osterzeit. So sahen Christen dies über Jahrhunderte hinweg. Doch die Zahl derer, die nicht mehr nach strengem Glauben leben und für die Feiertage einfach nur freie Tage sind, steigt zunehmend. Vor allem junge Leute stellen sich die Frage: Warum bitte nicht auch am Karfreitag oder anderen Gedenktagen tanzen oder in Musikclubs gehen?

Nicht nur am Karfreitag - auch am Karsamstag herrscht Ruhe

Proteste zum Tanzverbot gibt es alljährlich

Noch bis 2013 galt an allen geschützten Tagen ein ganztägiges und generelles Tanzverbot. Ab 1. August des Jahres wurde dies geändert und damit gelockert. Die stillen Tage beginnen jetzt zwar erst ab 2 Uhr, ausgenommen davon sind jedoch nach wie vor der Karfreitag und Karsamstag. Im Freistaat ist deshalb am Gründonnerstag um 24 Uhr Schluss mit lustig. Da heißt es dann "Musik aus" in Gaststätten oder Diskotheken und zwar bis zum Beginn des Ostersonntags. Bayern hat neben Baden-Württemberg und Hessen die strengsten Regeln in dieser Beziehung. 2014 wurde noch einmal über eine Lockerung des Tanzverbotes im Freistaat diskutiert, aber ohne Erfolg.

Strikte Regeln trotz Lockerung

Der Karfreitag erinnert an die Kreuzigung Christi. Im Christentum gilt der Freitag vor Ostern als Tag der Buße, des Fastens und des Gebets und deshalb gelten besonders strenge Regeln. Konkret heißt das: Von Gründonnerstag ab 2 Uhr bis Karsamstag bis 24 Uhr gilt das längste Tanzverbot des Jahres im Freistaat. Am Ostersonntag um 0 Uhr ist es vorbei. Bei den Gottesdiensten am Karfreitag ist die Kirche nicht festlich geschmückt. Der Altar ist verhangen und auch die Glocken läuten nicht.

Generelle Regelung

Das Tanzverbot ist reine Ländersache und es betrifft nicht nur reine Tanzveranstaltungen, sondern auch beispielsweise Sportwettkämpfe. In Bayern wird es am Karfreitag besonders streng geregelt, denn an diesem Tag herrscht ein gererelles "Verbot musikalischer Darbietungen in Räumen mit Schankbetrieb". Außer in Bremen, Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg gilt dies rund um die Uhr, also ein ganztägiges Tanzverbot und zwar nicht nur am Karfreitag, sondern auch am Karsamstag.

Stille Tage und das Feiertagsgesetz

Was sind Stille Tage?

In Bayern gelten als Stille Tage: Aschermittwoch, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Allerheiligen, Totensonntag, Buß- und Bettag, heiliger Abend und der zweite Sonntag vor dem ersten Advent als Volkstrauertag.

Was gilt an Stillen Tagen?

An Stillen Tagen beginnt der Schutz um 2 Uhr. Ausnahme sind der Karfreitag und der Karsamstag. Hier beginnt er um 0 Uhr. Am Heiligen Abend fängt die stille Zeit ab 14 Uhr an und endet um 24 Uhr.

Feiern, aber leise? Was ist erlaubt an Stillen Tagen?

Stille Tage sollten angemessen begangen werden. Sprich: der ernste Charakter muss gewahrt bleiben. Sportveranstaltungen sind erlaubt. Ausnahmen: Karfreitag und Karsamstag. An diesen Tagen sind "in Räumen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen jeder Art verboten".

Was ist an Feiertagen erlaubt oder eben nicht?

An gesetzlichen Feiertagen sind "öffentlich bemerkbare Arbeiten", die die Feiertagsruhe beeinträchtigen, verboten. Was viele nicht wissen: In der Nähe von Kirchen und sonstigen zu gottesdienstlichen Zwecken dienenden Räumen und Gebäuden ist Lärm zu vermeiden. Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sind verboten. Ausnahmen: Veranstaltungen der Kunst, Wissenschaft und Volksbildung.

Was darf man an Feiertagen?

Ausgenommen von den Regeln sind Betriebe der Personenbeförderung. Aber auch in der Landwirtschaft dürfen Arbeiten durchgeführt werden, wenn sie notwendig sind. Ganz klar, dass auch die arbeiten und lärmen dürfen, die müssen, zum Beispiel bei einem Notfall. Leichtes Arbeiten im Garten ist ebenfalls erlaubt. Leidiges Thema Autowaschanlagen: die dürfen an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr, wenn es die Gemeinde ausdrücklich erlaubt. Ausgenommen sind Neujahr, Karfreitag, Osteersonn- und -montag, 1. Mai, Pfingstsonn- und -montag sowie der Erste und Zweite Weihnachtstag.

Gegner des Tanzverbotes

Protest in Frankfurt am Main gegen das Tansverbot am Karfreitag

In Mühldorf am Inn hat der Stadtrat auch in diesem Jahr dem Antrag eines Tanzlokal-Besitzers auf eine Aufhebung des Tanzverbotes stattgegeben. Überlegungen gibt es auch in Waldkraiburg. Heftigste Gegner eines generellen Tanzverbotes ist die Piratenpartei. Sie halten die Regel für veraltet. In Kiel haben sie deshalb ein Gutachten durch den Wissenschaftlichen Dienst des schleswig-holsteinischen Landtags durchführen lassen. Das Ergebnis: "Es ist unzulässig, an stillen Feiertagen alle Arten von Versammlungen pauschal zu verbieten, wenn sie die Würde des Feiertages nicht ernsthaft stören". Das Feiertagsgesetz des Landes Schleswig-Holstein, das bisher an "stillen Feiertagen” nicht-religiöse öffentliche Versammlungen einschränkungslos verbietet, bedürfe einer "verfassungskonformen Auslegung". In der Schweiz lief im Februar im Kanton Aargau eine Volksbefragung zum Thema. Die Aufhebung des Tanzverbotes wurde dabei abgelehnt.


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Rumplhanni, Samstag, 26.März, 12:04 Uhr

13. Gestern auf BR der Film Schwabenkinder.

Das ist, was meine/viele Großeltern/Eltern teils noch erlebten, auch für die Eltern der Kinder schmerzlich. Die Mutter Gottes war oft der einzige Trost, weil sie sonst niemanden hatten, aber diese Mutter konnte diesen Kindern niemand nehmen. Alleine das sollte schon für etwas mehr Wertschätzung für „unsere Religion“ reichen. Tradition empfinde ich somit auch als Wertschätzung für unsere Vorfahren. Religion, auch die Teilnahme ist keine Pflicht, der Klerus menschelt, vielleicht oft zu kritisieren. Wer nicht einmal solche Tage schätzt, dürfte wohl eher Hauff´s Tanzbodenkönig gleichen.

Das Christentum erhält großen - freiwilligen! -Zuspruch in Fernost und Afrika, weil es gerade dort noch viele solcher “Schwaben“-Kinder gibt, eben vor allem den Armen Hoffnung bringt, soziale Gerechtigkeit fordert, das wiederum auch mit beherztem Einsatz vor Ort! Zum aktuellen Thema wieder die Seiten der Hatune-Foundation sehr zu empfehlen - kurz, bündig, ungeschönt und glaubwürdiger als manche Presse.

Ebert, Samstag, 26.März, 11:55 Uhr

12. Randbemerkungen

Freizeitpark Deutschland, liebe Leser, sagte unser Altbundeskanzler Kohl, irgendwie hatte er wohl recht. Viele von uns haben außer Spaß, Fun, Party, Drogen ja nichts mehr im Sinn.

Wir sind, zumindest gerade noch, das christliche Abendland und haben seit Jahrhunderten unsere Feiertage; auch glauben eine große Anzahl unserer Bürger an Christus und befolgen christliche Werte, was im Übrigen so schlecht nicht ist, da unsere gesamte Gesetzgebung darauf aufgebaut ist.

Die Spaßgesellschaft hat doch mindestens 360 Tage im Jahr, wo sie ihren vermeintlichen Vergnügungen nachgehen können und somit halte ich diese wenigen Stunden Tanzverbot nicht für so abwegig.Vielleicht kommt dann mal Einer oder die Andere auf den Gedanken über den Sinn des Lebens nachzudenken; obgleich mir fehlt der Glaube zu so einer Geistesleistung.

Ebert

Hannes F., Samstag, 26.März, 09:33 Uhr

11. Hallo?

Sind das hier jetzt die Wortmeldungen derer, die in den ganzen letzten Monaten so eine Wahnsinnsangst hatten, dass unsere christliche Kultur und deren Werte von einer anderen Weltreligion unterwandert werden könnten??????

  • Antwort von Maria A., Sonntag, 27.März, 12:30 Uhr

    Wie doch manche Leute jede Gelegenheit nutzen, ihre Willkommenskultur zu verteidigen... Es geht hier ausnahmsweise mal um UNSERE Feiertage. Und eben darum, dass wir EINEN Tag im Jahr freiwillig von der Spaßgesellschaft Abstand nehmen wollen als Christen oder auch als Atheisten. Wenn ich manche Kommentare lese, da wundert es mich absolut nicht, dass viele ältere Mitbürger nur noch den Kopf schütteln...

erdogan, Samstag, 26.März, 08:13 Uhr

10.

muslimische feiertage will man einführen und gleichzeitig das tanzverbot an ein paar wenigen tagen aufheben ?
vielleicht sollte man sich das tanz- und musikverbot der taliban , das es ja bis vor kurzen noch in afganistan gab ,anschauen !
dann kommt einen ein paar tage plötzlich gar nicht mehr so schlimm vor !
schon mal darüber nachgedacht ihr bunten gutmenschen , die an karfreitag nicht stillsitzen könnt !

Wirtschaftlicher Problemlöser, Freitag, 25.März, 16:51 Uhr

9. Abschaffung der religiösen Feiertage überfällig

Wirtschaftlicher Luxus sind alle Feiertage. Schafft diese Feiertage ab und die Arbeitnehmer können mehr arbeiten. Wer will, darf nach Feierabend auch noch Tanzen gehen. Dieser Luxus kostet die Wirtschaft Milliarden. In vielen Länder gibt es das auch nicht. Warum also in Deutschland?

Diese Debatte jedes Jahr ist so überflüssig, wie...
...das Tanzen an Feiertagen.

  • Antwort von Schrunz, Samstag, 26.März, 08:30 Uhr

    Sehr richtig. Dann ist diese Diskussion endgültig erledigt und die können tanzen, wenn die Arbeit es zuläßt z.B. im Urlaub ;-)

  • Antwort von Hannes F., Samstag, 26.März, 10:31 Uhr

    Genau!
    Lasst uns nur die Sauf- und Randalier"feier"tage wie Halloween und Walpurgisnacht behalten, damit jeder gleich sieht, von welcher "Kultur" wir "geleitet" werden!

  • Antwort von B. Sachse, Sonntag, 27.März, 12:41 Uhr

    Kann dem Kommentar von Hannes nur Beifall zollen! Es ist erschreckend, was manche User für Meinungen vertreten. Gerade die Feiertage sind die wichtigsten Tage der Selbstbestimmung der Arbeitnehmer. Denn in die Urlaubsplanung reden doch die Chefs bereits genug mit rein oder, falls man Vertretung macht oder eine braucht, die Kollegen! Ich habe alle Feiertage immer herbeigesehnt als ich noch tätig war und halte sie auch im Ruhestand in Ehren. Wir Christen haben viel zu wenig Zeit in den Arbeitsjahren für Momente der Besinnung und leider auch, des Glaubens! Es ist seltsam, dass meinem Erleben nach gerade die Menschen die Feiertage abschaffen wollten, die stets genügend Zeit für die Spaßkultur fanden und sowieso dreimal oder viermal Urlaub im Jahr machten. Nein, ich lasse mir die Feiertag nicht schlechtreden. In dem Sinne: Schöne Ostern!

  • Antwort von Wirtschaftlicher Problemlöser, Sonntag, 27.März, 17:58 Uhr

    @B. Sachse

    Ich glaubte, dass die Überspitzung meines Kommentares erkannt würde. Es zielte auf die Tanzforderung gerade an den stillen Tagen ab. Die Abschaffung war ironisch gemeint, um diesen Hirnis zu zeigen, dass ohne Feiertage durchaus Nachteile entstehen könnten sollten sie solche unüberlegten Forderungen aufrecht erhalten wollen.