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Kontakte im US-Wahlkampf Was lief zwischen WikiLeaks und Trump Jr.?

Benutzte die russische Führung WikiLeaks, um die US-Wahl zu beeinflussen? Für die Demokraten ist der Kontakt zwischen Trump Jr. und der Plattform ein Beleg dafür, dass die Trump-Kampagne mit Russland zusammengearbeitet hat. Von Torsten Teichmann.

Von: tagesschau.de

Stand: 14.11.2017

Donald Trump Jr. | Bild: picture-alliance/dpa

Welche Bedeutung die Nachrichten der Enthüllungsplattform WikiLeaks an Donald Trump Jr. haben, ist noch schwer zu beantworten. Denn in dieser Geschichte kennt in den USA jeder nur seine eigene Wahrheit.

Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass WikiLeaks im Wahlkampf 2016 von der russischen Führung instrumentalisiert wurde. CIA-Direktor Mike Pompeo sagte:

"Es ist an der Zeit, WikiLeaks beim Namen zu nennen: ein nichtstaatlicher, feindlicher Geheimdienst, häufig genutzt von Staaten wie Russland."

Mike Pompeo, CIA-Direktor

Pompeo ist als Chef der CIA aber nicht unvoreingenommen: WikiLeaks und Edward Snowden veröffentlichen seit Herbst 2013 Papiere über die Arbeit der US-Geheimdienste. Das hat auch der CIA geschadet.

Bitte um Retweet

Die Demokraten vertrauen Pompeos Einschätzung. Die jetzt veröffentlichten Twitter-Nachrichten von Trump Jr. seien ein Beleg für die Zusammenarbeit der Trump-Kampagne mit den Russen, sagt der Abgeordnete Eric Swalwell im Interview mit CBS. "Er und andere Mitarbeiter des Wahlkampfteams waren zu allem bereit: mit den Russen zusammenzuarbeiten, um Dreck über ihre Gegnerin Hillary Clinton zu finden."

Auch der Abgeordnete Adam Schiff ist überzeugt, die Russen hätten WikiLeaks benutzt, um die Wahlen zu beeinflussen. In den jetzt veröffentlichten Twitter-Nachrichten weist WikiLeaks zum Beispiel Trump Jr. im Oktober 2016 auf veröffentlichte E-Mails von Hillary Clinton hin - mit der Bitte um Retweet. Die Veröffentlichung schadete Clinton damals.

Der ehemalige Wahlkampfleiter von Donald Trump, Corey Lewandowski, hält jedoch daran fest, dass das mit der Kampagne nichts zu tun habe. Trump Jr. sei ein Privatmann, sagte er.

"Er kann twittern und weiterleiten was er möchte, ohne substanzielle Auswirkungen auf die Wahlkampagne."

Corey Lewandowski, ehemaliger Wahlkampfleiter von Donald Trump

Lob von Assange

Mehrmals bat WikiLeaks Trump Jr. in direkten Nachrichten um Dokumente, zum Beispiel um die unveröffentlichten Steuererklärungen seines Vaters. Meist blieben die Nachrichten ohne Reaktion. Nur im September und Oktober 2016 antwortete Trump Jr. mit insgesamt sechs Zeilen - soweit bisher bekannt ist.

Der Sender CNN fragte Ex-Wahlkampfleiter Lewandowski, ob er sich anders verhalten hätte. "Ich hätte unseren Anwalt gefragt, ob das echt und legal ist", antwortete er.

Das hat Trump Jr. offenbar nicht getan. Bereits jetzt untersucht Sonderermittler Robert Mueller ein Treffen des Präsidentensohnes mit Vertretern der russischen Seite während des Wahlkampfes. Drei Ausschüsse im Kongress gehen der Frage nach, ob Russland die Wahlen 2016 beeinflusst hat.

Und WikiLeaks reagierte auch auf die jüngste Veröffentlichung: Mitbegründer Julian Assange lobte die "Chuzpe" seiner Organisation, sich des Trump-Sohnes zu bedienen.


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