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Erste Auslandsreise Trumps heikler Trip

Es ist eine Reise, die dem US-Präsidenten neun Tage lang Fingerspitzengefühl abverlangt: Saudi-Arabien, Israel, Vatikan, NATO. Gelingt ihm der diplomatische Balanceakt oder holt ihn das Washingtoner Chaos ein? Ina Ruck über Trumps heiklen Trip.

Von: Ina Ruck, tagesschau.de

Stand: 20.05.2017

Nach fast vier Monaten im Amt ist Präsident Donald Trump zu seiner lang erwarteten ersten Auslandsreise aufgebrochen und inzwischen in Riad eingetroffen. Der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein. Das Justizministerium hat gerade einen Sonderermittler in Sachen Russlandkontakte eingesetzt, der eben erst gefeuerte FBI-Chef könnte demnächst aussagen, dass Trump versucht hat, die Justiz zu behindern. Und immer mehr Einzelheiten über eine offenbar erratische Amtsführung sickern aus dem Weißen Haus.

Trump sieht sich der schwersten Krise seiner ohnehin nicht krisenarmen erst kurzen Amtszeit ausgesetzt. Vielleicht ist er ja gerade deshalb froh, jetzt rauszukommen aus dem ungeliebten Washington, möglichst weit weg.

Etliche Journalisten im Schlepptau

Den Augen der Presse wird er nicht entkommen. Dutzende Journalisten begleiten einen US-Präsidenten auf jeder Tour. Es ist übrigens auch die erste große Reise für das neue noch unerfahrene Planungsteam im Weißen Haus. Dementsprechend holprig waren die Vorbereitungen, erst kurz vor Abflug stand das Programm.

Noch vor der Präsidentenmaschine startete am späten Donnerstagabend der Flieger mit der Begleitpresse. Der Warteraum der Andrews Air Force Base war proppenvoll mit Reportern und Reporterinnen aller großen Medien, die seit Wochen in einer Art Dauer-Krisenmodus berichten. Mittendrin Trumps Presseleute. Seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders scherzte mit dem CNN-Chefreporter Jim Acosta. "Hey, du siehst ja genauso müde aus wie ich."

Trumps erste Reise kommt ungewöhnlich spät - seine Amtsvorgänger sind fast alle gleich in den ersten Wochen zu Nachbarn und wichtigen Verbündeten gereist. Und sie hat ein ungewöhnliches erstes Ziel: Nicht etwa nach Kanada oder Mexiko reist Trump - sondern nach Saudi-Arabien.

Neun Tage volle Konzentration

Danach geht es nach Israel und in die Westbank, in den Vatikan, nach Brüssel und zum G7-Gipfel nach Sizilien. Neun Tage, in denen Trump Gelegenheit hat, sich der Welt zu präsentieren, endlich positive Bilder und Nachrichten zu produzieren. Aber auch neun dicht getaktete Tage, die vollste Konzentration erfordern. Und jede Menge sensibler diplomatischer Balanceakte.

In Saudi-Arabien wird der US-Präsident vor Vertretern Dutzender arabischer und muslimischer Staaten eine Grundsatzrede über den Islam halten, in der er die Araber davon überzeugen muss, dass er trotz seiner Rhetorik - er redet stets von "islamischem" Terrorismus - nichts gegen ihre Religion hat. Weil die Rede aber auch von seinen Anhängern zu Hause in den USA gehört werden wird, darf sie wiederum nicht zu "soft" sein.

Trumps Berater Stephen Miller soll sie geschrieben haben, ausgerechnet der Mann, der den Gesetzesentwurf zum umstrittenen Einreisestopp für Bürger bestimmter muslimischer Staaten verfasste. Man darf gespannt sein.

Fallstricke und Fettnäpfchen

In Israel wird es erst recht Fingerspitzengefühl brauchen. Trump will den Friedensprozess wieder in Gang bringen. Er glaube nicht, dass das so schwierig sei wie immer behauptet, sagte er erst kürzlich. Dass er auch zu den Palästinensern fährt, dürfte den Israelis nicht gefallen. Es zeigt aber, dass Trump es wohl ernst meint mit seinem Versuch. Und dass er auf Konventionen wenig Rücksicht nimmt, könnte in der israelisch-palästinensischen Sackgasse auch eine Chance sein.

Allerdings steht auch immer noch die heikle Ankündigung im Raum, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen: ein absoluter Wunsch der Israelis und ein "No Go" für die Palästinenser. Und das sind nur die ersten Stopps dieser Tour voller Fallstricke und bereitstehender Fettnäpfchen. Die Audienz bei einem ihm nicht gerade freundschaftlich gesonnenen Papst, ein NATO-Treffen in Brüssel - wo man beunruhigt über seine Nähe zu den Russen ist - und ein G7-Treffen voller komplexer Themen folgen in dichtem Abstand.

Die Reise ist anstrengend - selbst für die alten Hasen im White House Press Pool, die schon mit Bush und Obama um die Welt gejettet sind. Trump reist nicht gerne. Um es ihm möglichst angenehm zu machen, wird es überall sein Lieblingsgericht geben - ein durchgebratenes Steak, wie Julia Pace herausfand, die für AP die Reise begleitet.

Außerdem sind tagsüber immer wieder Ruhezeiten eingeschoben. Man will, dass die Reise zum Erfolg wird - Trump braucht positive Schlagzeilen. Neun Tage eines staatsmännisch agierenden Präsidenten sollen den Ärger zu Hause vergessen machen. Ob das gelingt? Die Zeitschrift "New Yorker" kommentiert sehr böse, auch Nixon habe 1972 eine große Reise in den Mittleren Osten unternommen, um von seinem Watergate-Skandal abzulenken. Genützt habe es ihm nichts.


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